(Bild: fastestfarmer.ch)
Patrik Wägeli aus Nussbaumen ist der «Fastest Farmer». Als Landwirt im 40% Pensum läuft er parallel mit der internationalen Marathon-Elite um Titel und Triumphe. Grosses Ziel des amtierenden Schweizermeisters sind die Olympischen Spiel 2024 in Paris – idealerweise mit Zwischenstopp Tokio 2021.
Patrik Wägeli, welche Gefühle durchleben Sie während eines Marathon-Laufs?
Während eines Marathon-Laufs durchlebe ich diverse Gefühlsphasen. Nervosität sowie der volle Fokus vor dem Rennen. Es folgt ein Adrenalinschub ganz kurz vor Start. Nach dem Start kommt optimalerweise das tolle Laufgefühl. Hierbei gilt es möglichst sparsam zu laufen. Ab Kilometer 15 kann es durchaus sein, dass bereits das erste Mal die Erschöpfung hervorkommt. Ab der Hälfte wird es dann streng. Anschliessend kommen die ersten Schmerzen. Zwischen Kilometer 30 bis 40 ist es dann ein Kampf, bei dem man um jeden Schritt kämpft. Doch dann gilt es einfach: laufen, laufen, laufen. Bei Kilometer 40 kommt die Vorfreude aufs Ziel. Beim Überqueren der Ziellinie folgen die Glücksgefühle. Und diese Glücksgefühle lassen die harten Stunden zuvor vergessen. Man kann also sagen, dass beim Marathon-Lauf vom vollen Fokus, Leiden bis zu den schönen Glücksgefühlen alles dabei ist.
Man spricht ja gerne vom «inneren Schweinehund», den es zu bezwingen gilt. Wann und in welcher Phase macht sich dieser bei Ihnen jeweils bemerkbar?
Ja, auch ich kenne den inneren Schweinehund. Doch sobald sich dieser bemerkbar macht, denke ich an mein Ziel und meinen Traum. Und genau das gibt mir die Motivation, dann dieses Training trotzdem zu absolvieren, das mich meinem Traum ein Stück näherbringt.
Ihr aktuelles Hauptziel ist es, den Olympiamarathon 2021 in Tokio zu laufen. Um sich dafür zu qualifizieren wird am 14. März beim Marathon in Belp eine Zeit von 2 Stunden, 11 Minuten und 30 Sekunden nötig sein. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?
Meine Form stimmt und die Vorfreude ist riesig auf das Rennen. Um diese Limite zu laufen, muss ich meine PB um 4 Minuten unterbieten. Daher muss alles perfekt laufen, um dieses Ziel zu erreichen. Aber ich freue mich diese Herausforderung anzunehmen.
(Bild: fastestfarmer.ch)
Gibt es den entscheidenden Punkt während dieser zwei Stunden, an dem für Sie klar wird, ob das Ziel erreicht werden kann oder eben nicht?
Bei jedem Rennen ist dies ein unterschiedlicher Zeitpunkt. Manchmal sieht man schon bei Kilometer 30, dass das Ziel nicht erreicht werden kann.
Es kann aber auch sein, dass man bei Kilometer 38 sieht, dass es klappt. Dies beflügelt dann nochmals richtig.
Wie stark ist die Gefahr, sich während eines Laufs von den anderen ablenken oder beeinflussen zu lassen?
Kunst ist es, die Gegner nicht als Konkurrenten zu sehen, sondern als Mitläufer. Man muss dadurch einen guten Nutzen suchen. Beispielsweise sich eine Gruppe suchen, die das gleiche Tempo laufen will. Somit kann man gemeinsam seinem Ziel entgegenarbeiten. Natürlich muss man aber dabei immer fokussiert sein und spüren, wann das Tempo zu langsam oder zu schnell wird. Man muss sich an den Mitläufern orientieren, die clever laufen.
Wie entscheidend sind für die optimale Ausgangslage auch die Tage vor dem Startschuss?
Die Tage vor dem Startschuss sind schon entscheidend. Aber viel wichtiger sind die Trainings in den rund14 Wochen vor dem Marathon. Die Trainings müssen absolviert sein, um einen optimalen Wettkampf zu laufen.
Kurz vor dem Wettkampf muss man schauen, dass man dann am Start körperlich und mental voll bereit ist. Die mentale Leidensbereitschaft ist dabei ein entscheidender Faktor.
Sie arbeiten als Landwirt, daher auch der Name «fastestfarmer.ch» ihrer Webseite. Haben Sie bei der gesamten Vorbereitungszeit überhaupt noch die Möglichkeit, sich um ihren Hof in Nussbaumen zu kümmern?
Zurzeit darf ich auf die tatkräftige Unterstützung meiner Eltern sowie einer Angestellten zählen. Damit kann ich mich hauptsächlich ums Training kümmern. Wenn ich nicht gerade im Trainingslager bin, bin ich jeden Tag auf dem Hof und erledige die Büro- sowie ab und zu Feldarbeiten draussen.
Grundsätzlich sind Arbeiten auf dem Traktor sowie im Stall vor wichtigen Wettkämpfen eher selten. Umso mehr freue ich mich dann jeweils nach den Wettkämpfen wieder vermehrt den Stalldienst zu übernehmen, wie aber auch Feldarbeiten zu erledigen. Für mich ist das Laufen sowie aber auch die Landwirtschaft eine absolute Leidenschaft.
(Bild: fastestfarmer.ch)
Marcel Baumgartner (*1979) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».
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