Christian Jankovski ist professioneller Schauspieler, Schauspielcoach und Synchronsprecher. Im März dieses Jahres eröffnet er in der Nähe von Frauenfeld – im «The Valley» in Kemptthal – eine Schauspielschule. Welche Angebote er anbieten will und wieso er sich in die Schauspielerei verliebt hat.
Christian Jankovski hatte immer das Gefühl, dass Kunstberufe nicht wirklich ernst genommen werden. Er ist sehr froh, dass er sich selbst vom Gegenteil überzeugt hat und jetzt als selbstständiger Künstler arbeitet. Das will er in der Zukunft auch anderen weitergeben.
Herr Jankovski, wie und warum wurden Sie Schauspieler?
Ich kam lustigerweise durch eine Werberolle für Denner zur Schauspielerei. Durch Zufall hatte ich 2014 am Casting für eine Kino- oder TV-Werbung von Denner teilgenommen und die Rolle gleich erhalten. Damals hatte ich am Dreh diverse hauptberufliche Schauspieler kennengelernt, die mir mehr über ihre Ausbildung an Schauspielschulen und ihren Beruf erzählten. Kreativ war ich schon zuvor. Ich interessierte mich schon als Jugendlicher für das Filmschaffen vor und hinter der Kamera und bin in kleinen Theaterproduktionen oder als Musiker auf der Bühne tätig gewesen. So wirklich den Mut, die darstellende Kunst zu meinem Beruf zu machen, hatte ich aber erst mit 24, als ich mich entschied, eine Schauspielschule in Zürich zu besuchen. Ich glaube, bis heute werden Kunstberufe nicht sehr ernst genommen, weshalb auch ich selbst immer das Gefühl hatte, erst noch etwas Anderes lernen zu müssen. Mittlerweile bin ich froh, dass ich meinem Wunsch, in der darstellenden Kunst zu arbeiten, gefolgt bin und die Ausbildung gemacht habe. Heute arbeite ich als Schauspieler, Drehbuchautor, Sprecher im Tonstudio, Schauspielcoach und habe schon als Regisseur hinter der Kamera gestanden.
Und wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine eigene Schauspielschule zu eröffnen?
Unterrichten hat mir schon immer Spass gemacht. Damals noch als Primarlehrer konnte ich mir gut vorstellen, auch mal erwachsene Leute zu unterrichten. Durch die Schauspielerei vermischen sich nun Werkzeuge meines alten Berufes wie zum Beispiel der Unterrichtsplanung mit meiner kreativen Erfahrung als Schauspieler. Ich freue mich sehr darauf, jung bis alt im Schauspiel zu trainieren. Die Idee dazu hatte ich, weil ich selbst bemerkte, dass mir nach der Schauspielausbildung viel Input fehlte; Ein gutes Showreel, um mich auf dem Filmmarkt zu bewerben, das Wissen, wie man mit Produktionsfirmen umgeht und sich auf dem Filmset verhält und noch einiges mehr. Schauspielen und Talent haben ist das eine, was man aber oft vergisst ist, dass man als selbständiger Künstler gleichzeitig auch eine Ein-Mann Firma ist. Da gehören Marketing und Kommunikation mit dazu. In unserer Ausbildung an der Schauspielfabrik möchten wir genau das ebenfalls anbieten und dafür sorgen, dass unsere Teilnehmer nicht nur das Werkzeug der Schauspielerei mit auf den Weg bekommen, sondern auch lernen, wie sie sich für Jobs bewerben können, wie sie sich auf dem Set und auf der Bühne verhalten und dadurch bestenfalls immer wieder gebucht werden.
Welche weiteren Angebote bieten Sie in Ihrer Schauspielschule an?
Die einjährige Ausbildung beinhaltet einen Tag Schauspielunterricht in der Woche, zwei Einzelcoachings, eine Showreelszene und eine About-Me-Szene, fünf professionelle Schauspielfotos und einen Besuch im Tonstudio an der Speechacademy, wo wir zusammen auch den Beruf als Sprecher kennenlernen. Dies und noch einiges mehr formt das ganze Paket, um sich nach der Ausbildung erfolgreich auf Jobs zu bewerben. Einen detaillierten Ausbildungsplan kann man auf unserer Webseite herunterladen. Wer aber nicht gleich eine Jahresausbildung machen möchte, kann auf unserer Webseite auch nur Einzelcoachings oder Workshops buchen oder eine Showreelszene mit uns drehen.
Welche Zielgruppe möchten Sie mit Ihrer Schauspielschule ansprechen?
In erster Linie Leute, die eine nebenberufliche Schauspielausbildung machen wollen. Man muss dabei nicht zwingend den Traum haben, einmal in einer tragenden Rolle in einem Hollywoodfilm mitzuspielen – auch wenn einem dieses Ziel sicher viel Ehrgeiz mit auf den Weg gibt. Eine Schauspielausbildung ist eine grosse Chance für jeden Lebensbereich. Man entwickelt ein selbstbewusstes Auftreten, lernt seinen Körper und seine Emotionen neu kennen, schult seine Kreativität und Fantasie und erlebt all das, was man womöglich lange Zeit nicht mehr gemacht hat: seine Komfortzone zu verlassen, wieder Kind zu sein und aus sich herauszukommen. Dies hat einen grossen Mehrwert für jeden Berufs- und Lebensbereich. Wir haben auch bewusst kein Alterslimit gesetzt, da wir auch ältere Leute begrüssen wollen. Schauspielerinnen und Schauspieler erzählen das wahre Leben. Da gehört Jung und Alt mit dazu. Nebst Schauspielanfängern möchten wir aber auch Fortgeschrittene und Profis ansprechen, die ein Einzelcoaching oder ein Showreel brauchen, um ihre jetzige Situation zu optimieren. Zudem werden wir immer wieder interessante Workshops für Anfänger und Profis anbieten.
Was finden Sie persönlich am schwierigsten an der Schauspielerei?
Ich glaube, das Schwierigste in diesem Beruf ist, dass er fernab des gesellschaftlichen Rahmens stattfindet, den wir uns sonst setzen. In der Schauspielerei kann respektive muss ich mich fallen lassen, wieder Kind sein, Rollen verkörpern, ausprobieren, viel mit dem Körper arbeiten, fantasievoll und offen für unstrukturierte Arbeitszeiten sein und mit Absagen und unregelmässigem Einkommen zurechtkommen. Das kann für den Moment abschreckend klingen, für mich ist es eine tolle Chance und eine Freiheit zugleich. Ich erlebe für mich unglaublich viel in diesem Beruf mit tollen Menschen, die als Gruppe zusammenkommen und immer wieder für ein Publikum das Bestmögliche herausholen. Mir gefällt es sehr, in diverse Rollen zu schlüpfen und mich intensiv auf eine Rolle vorzubereiten und diese Figur zu leben. Das fällt mir manchmal einfacher, manchmal braucht es mehr Zeit, aber es ist das, was ich in meinem Leben tun möchte und mich glücklich macht. Und es fühlt sich gut an, sagen zu können, dass ich einer Arbeit nachgehe, die mich gleichzeitig auch erfüllt, da ist die manchmal fehlenden Struktur im Alltag ganz gut auszuhalten. Natürlich, in Zeiten Coronas ist dieser Beruf eine Herausforderung, aber wir Menschen brauchen Kunst, Theater, Konzerte, Filme und Medien, die uns auch in herausfordernden Zeiten ablenken, Freude schenken und inspirieren. Nebst meiner eigenen Arbeit habe ich also grosse Achtung vor all meinen Kollegen und Kolleginnen, die selbst in einer herausfordernden Zeit wie die der letzten zwei Jahre weiterhin spielen, kreieren, auftreten und alles geben, damit der Film und das Theater stattfindet und ihr Job bestehen bleibt, entgegen aller Restriktionen und Steine, die uns immer wieder in den Weg gelegt werden.
Wer ist Ihr Lieblingsschauspieler oder ein Vorbild in der Schauspielerei?
Dies werde ich oft gefragt und habe dann irgendwie nie so wirklich eine Antwort parat. Ich frage mich auch, ob ich überhaupt ein genaues Vorbild habe. Ich glaube aus dem Bauch heraus würde ich Christoph Walz und Joaquin Phoenix nennen. Einfach weil sie mich durch ihr Spiel inspirieren und berühren. Es könnte Morgen aber schon wieder jemand anderes sein – einfach aus dem Grund, weil ich mich gerne von Schauspielern inspirieren lasse. Und wenn jemand mich durch sein echtes Spiel berührt, dann bin ich sofort ein Fan und fasziniert, da kommt es mir auch nicht darauf an, ob jemand nun schon berühmt ist oder nicht.
Was möchten Sie jungen, angehenden Schauspielern mit auf den Weg geben?
Das hört sich jetzt wie ein Instagramzitat an: An sich zu glauben. Dieser Beruf ist verbunden mit sehr vielen Absagen, was gerade zu Anfang frustrierend sein kann. Wenn man aber dranbleibt, an sich arbeitet und sich immer wieder weiterentwickelt, dann hat man sicher die Chance, den Traum wirklich zum Beruf zu machen.
An welchen Projekten arbeiten Sie momentan?
An diversen. Nebst den Vorbereitungen für die Ausbildung an der Schauspielfabrik bin ich gerade dran, ein Drehbuch für eine Serie bei einer Produktionsfirma zu pitchen, befinde mich zudem im Casting für ein grösseres Musicalprojekt und produziere einen selbstgeschriebenen Kurzfilm mit dem Namen «Zürich 2048», der in der Zukunft spielt und viele momentan gesellschaftlich aktuelle Themen anspricht, wie zum Beispiel die Auswirkung von langfristiger Isolation auf den Menschen.
«Zürich 2048» befindet sich gerade im Crowdfunding.
Manuela Müller (*1994) aus Marbach war bis Ende März 2022 als Redaktorin für «Die Ostschweiz» tätig.
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