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Eine Erfahrung

Der 1. Mai und wie er die arbeitende Bevölkerung um den ordentlichen Feierabend bringt

Der «Tag der Arbeit» in St.Gallen. Die meisten arbeiten, einige demonstrieren. Und mittendrin strömen Thurgauer und Zürcher durch die Geschäfte. Das führt letztlich zu einem kurzfristigen Chaos. Mittendrin zudem ein Buschauffeur, der sich peinlich genau an die Vorschriften hält.

Marcel Baumgartner am 02. Mai 2024

Der 1. Mai. Alljährlich der «Tag der Arbeit». Ein Feiertag in acht Schweizer Kantonen. So zum Beispiel in Zürich und im Thurgau. Nicht aber in St.Gallen.

Doch egal wo: Überall finden Demonstrationen statt. Vor allem die linke Seite macht mit Umzügen auf Missstände aufmerksam. Sie sieht sich gerne als Vertreterin der arbeitenden Bevölkerung. Und für sie fordert sie bessere Bedingungen.

In der Stadt St.Gallen fand ein solcher Demonstrationszug am Mittwochabend statt. Im «Tagblatt» wird das etwa mit folgenden blumigen Worten beschrieben: «Der Anlass fand bei sommerlich warmen Bedingungen statt. Die Demo war farbig und vielfältig, die Stimmung gut. Der Zug mit Fahnen und Transparenten zog diesmal an voll besetzten Gartenbeizen sowie vielen Passantinnen und Passanten vorbei.» Die Rede ist von rund 600 Demonstrantinnen und Demonstranten.

Und ja, sie zogen an den Restaurants vorbei. Und ja, sie zogen an den Zürchern und Thurgauern vorbei, die ihren freien Tag mit Einkäufen in der Stadt St.Gallen verbrachten.

Sie zogen aber auch zur Stosszeit über den Bahnhofsplatz St.Gallen und verursachten hier für kurze Zeit ein Chaos. Gegen 17.30 Uhr stauten sich die Busse mehrere hundert Meter weit. Ein normaler Betrieb war während der «Rush hour» nicht mehr möglich.

Ich weiss das, weil ich selbst Fahrgast in einem dieser Busse war – dummerweise in jenem mit dem Chauffeur, der sich peinlichst genau an sein Pflichtenheft halten wollte.

Mein Zug, der den Bahnhof in 5 Minuten verlassen würde, war für mich bereits in Sichtweite. Die Türen des Busses aber blieben verriegelt. «Vorschrift. Zu gefährlich», kommentierte der Chauffeur auf eine erste höfliche Anfrage, uns doch in die "Freiheit" zu lassen. Da sich das Fahrzeug direkt neben einem Trottoir befand und nicht inmitten eines Kreisels, schauten sich mehrere Insassen nach der entsprechenden Rückmeldung etwas verdutzt an.

Noch ungläubiger wurden die Blicke, als draussen eine wahre Völkerwanderung beobachtet werden konnte. Offenbar hatten die Lenkerinnen und Lenker der Busse hinter uns entweder die Vorschriften nicht mehr präsent oder sie waren in der Lage, eine spezielle Situation mit gesundem Menschenverstand einzuordnen.

Es war eine groteske Szenerie. In den Bussen vor uns strömten die Massen heraus, in den Bussen hinter uns ebenso. Unser Chauffeur blieb standhaft und die Türen verriegelt.

Einige Insassen haben in der Folge entweder den Anschluss-Bus oder Anschluss-Zug verpasst. Sie nahmen es mehrheitlich mit Humor.

Währenddessen zogen die 600 Demonstranten bei herrlichem Frühlingswetter und während des Feierabendverkehrs um die Ecke und forderten weiter bestmögliche Bedingungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, von denen dadurch nun einige um die rechtzeitige Heimkehr gebracht wurden.

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Autor/in
Marcel Baumgartner

Marcel Baumgartner (*1979) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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