logo

Ausgezeichnete Idee

Der Jungwald in Wangs hat Förster Alfred Kuster viele Schweisstropfen gekostet, nun könnte es sich zum Pionierprojekt mausern

Der Sturm Vivian vor über 30 Jahren fegte 100 Hektar Wald in Wangs nieder. Nun wurde das Projekt «Starke Bäume für den Wangser Wald» mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

Manuela Bruhin am 30. April 2024

Mit gutem Gewissen darf man sagen: Der Revierförster Max Schnyder hatte vor 30 Jahren wohl den richtigen Riecher. Er setzte nämlich, nachdem ein Sturm in den 90er Jahren über 100 Hektar Wald in Wangs umlegte, auf die richtigen Jungbäume. Zehn Jahre später, als sich die Jungbäume bereits gegenseitig bedrängten, kam Forstunternehmer Alfred Kuster zum Einsatz: «Als ich meine Arbeit aufnahm, war das Gelände sehr unübersichtlich, es war schwierig, mit der Motorsäge überhaupt durchzukommen», erinnert er sich zurück. «Es ist ein steiles, abgelegenes Gelände, das einem alles abverlangt.»

Richtige Entscheidung

Heute wachsen im besagten Abschnitt viele stabile und starke Bäume mit einer grossen Artenvielfalt. Und gerade die erstaunt – denn sie ist aussergewöhnlich für die gelegene Höhe von bis zu 1’600 Metern über Meer.

Wald

Dominieren würden hier eigentlich die Fichten. Das Ziel von Alfred Kuster und seinem Team jedoch war, möglichst viel Laubholz zu fördern und das Nadelholz zurückzudrängen. «Wenn wir heute die Verbindung zur Klimaerwärmung sehen, war unsere Entscheidung richtig», sagt er im Gespräch. Damals lagen jedoch die Gründe für das Vorgehen eher in der Förderung der Biodiversität und der Stabilität.

Von handgelenkgrossen Bäumen sind sie mittlerweile auf über 30 Zentimeter dicke Jungbäume herangewachsen. Doch woher nahmen Schnyder und Kuster die Idee, auf die Artenvielfalt zu setzen? «Ich habe mich in den vergangenen Jahrzehnten viel mit dem Waldbau beschäftigt», sagt er. Mit intensiven Diskussionen hätten sie die Idee laufend weiterentwickelt und an die Verhältnisse der Waldfläche angepasst. Auch seine Tätigkeit als Waldbau-Kursleiter und nicht zuletzt seine Touren durch die Berge hätten ihn inspiriert. «Den Blick für die Wälder und die Bäume lege ich auch in meiner Freizeit nicht ab», so Kuster und lacht.

Widerstandsfähigkeit

Nun überwiegen klar die Vorteile der Artenvielfalt. Denn: Dringe ein Schädling in den Baum, wie beispielsweise bei der Esche, hätte dies nicht so verheerende Folgen wie bei einem homogenen Wald, der durch einen Schadorganismus wie das Eschentriebsterben fast eliminiert werde. «Wir setzen sozusagen nicht alles auf eine Karte», fasst es Kuster zusammen.

Wald Wangs

Preisübergabe an die Verantwortlichen des Wangser Schutzwald-Projekts: Josef Geisler (Landeshauptmann-Stv. Tirol), Jurymitglied Monika Frehner, Caroline Heiri (St.Galler Kantonsoberförsterin), Alfred Kuster (Pflegebeauftragter), Revierförster Max Schnyder, Kilian Grünenfelder (Ortspräsident Wangs), Kaspar Hartmann (Helvetia Versicherung) und Arge-Präsident Bruno Cozzio (von links). pd

Durch die Durchmischung sei der Boden zusätzlich viel aktiver, weil eben auch jede Baumart ihren Nutzen habe. Der gesamte Wald sei widerstandsfähiger und robuster. Schlussendlich profitieren auch die Tiere davon. «Es hat uns zwar viele Schweisstropfen gekostet, aber es hat sich gelohnt», so Kuster.

Nicht zuletzt sei es kein Alleingang gewesen, sondern die gute Zusammenarbeit mit der Ortsgemeinde Wangs als Waldbesitzerin und Auftraggeberin, mit anderen Forstbetrieben und der Jagd hätte zum erfolgreichen Projekt geführt. «Wir konnten einige Ziele erreichen, die der Jagd zugutekommen», erklärt Kuster. Dazu zählt er beispielsweise innere Öffnungen, damit nicht alles beschattet wird oder der Wildwechsel.

Ein Menschenleben reicht nicht

Die nächsten Jahre wird der Jungwald weiter gepflegt, das Holz jedoch noch liegen gelassen. Von der Dicke des Holzes her komme man nun langsam in einen Bereich, welcher eine Nutzung erst möglich mache. Im Hinterkopf hat der 60-Jährige jedoch, dass er sein «Baby» wohl auch einmal in fremde Hände übergeben muss. «Natürlich schwingt da auch ein gewisses Bedauern mit. Aber so ist der Lauf der Zeit. Als Förster ist man es sich gewohnt, zu wissen, dass ein Menschenleben nicht ausreicht, um einen Wald von Anfang bis zum Schluss selber betreuen zu können.»

Nun könnte aus dem Wangser Wald durchaus ein Pionierprojekt entstehen. Gerade im nahen Ausland gab es zuletzt durch Stürme oder Schädlinge grosse Schäden in der Waldwirtschaft. Kuster: «Wir haben nun aufgezeigt, dass es auch in dieser Höhe möglich ist, einen stabilen Mischwald heranzüchten zu können.»

Hauptbild: Die glücklichen Gewinner an der Preisverleihung in Schaan: Revierförster Max Schnyder, Unternehmer Alfred Kuster, Präsident der Ortsgemeinde Wangs Kilian Grünenfelder, Waldchef der OG Wangs Markus Willi. pd

Einige Highlights

Uzwilerin mit begrenzter Lebenserwartung

Das Schicksal von Beatrice Weiss: «Ohne Selbstschutz kann die Menschheit richtig grässlich sein»

am 11. Mär 2024
Im Gespräch mit Martina Hingis

«…und das als Frau. Und man verdient auch noch Geld damit»

am 19. Jun 2022
Das grosse Gespräch

Bauernpräsident Ritter: «Es gibt sicher auch schöne Journalisten»

am 15. Jun 2024
Eine Analyse zur aktuellen Lage

Die Schweiz am Abgrund? Wie steigende Fixkosten das Haushaltbudget durcheinanderwirbeln

am 04. Apr 2024
DG: DG: Politik

«Die» Wirtschaft gibt es nicht

am 03. Sep 2024
Gastkommentar

Kein Asyl- und Bleiberecht für Kriminelle: Null-Toleranz-Strategie zur Sicherheit der Schweiz

am 18. Jul 2024
Gastkommentar

Falsche Berechnungen zu den AHV-Finanzen: Soll die Abstimmung zum Frauenrentenalter wiederholt werden?

am 15. Aug 2024
Gastkommentar

Grenze schützen – illegale Migration verhindern

am 17. Jul 2024
Sensibilisierung ja, aber…

Nach Entführungsversuchen in der Ostschweiz: Wie Facebook und Eltern die Polizeiarbeit erschweren können

am 05. Jul 2024
Pitbull vs. Malteser

Nach dem tödlichen Übergriff auf einen Pitbull in St.Gallen: Welche Folgen hat die Selbstjustiz?

am 26. Jun 2024
Politik mit Tarnkappe

Sie wollen die angebliche Unterwanderung der Gesellschaft in der Ostschweiz verhindern

am 24. Jun 2024
Paralympische Spiele in Paris Ende August

Para-Rollstuhlfahrerin Catherine Debrunner sagt: «Für ein reiches Land hinkt die Schweiz in vielen Bereichen noch weit hinterher»

am 24. Jun 2024
Politik extrem

Paradox: Mit Gewaltrhetorik für eine humanere Gesellschaft

am 10. Jun 2024
Das grosse Bundesratsinterview zur Schuldenbremse

«Rechtswidrig und teuer»: Bundesrätin Karin Keller-Sutter warnt Parlament vor Verfassungsbruch

am 27. Mai 2024
Eindrucksvolle Ausbildung

Der Gossauer Nicola Damann würde als Gardist für den Papst sein Leben riskieren: «Unser Heiliger Vater schätzt unsere Arbeit sehr»

am 24. Mai 2024
Zahlen am Beispiel Thurgau

Asylchaos im Durchschnittskanton

am 29. Apr 2024
Interview mit dem St.Galler SP-Regierungsrat

Fredy Fässler: «Ja, ich trage einige Geheimnisse mit mir herum»

am 01. Mai 2024
Nach frühem Rücktritt: Wird man zur «lame duck»?

Exklusivinterview mit Regierungsrat Kölliker: «Der Krebs hat mir aufgezeigt, dass die Situation nicht gesund ist»

am 29. Feb 2024
Die Säntis-Vermarktung

Jakob Gülünay: Weshalb die Ostschweiz mehr zusammenarbeiten sollte und ob dereinst Massen von Chinesen auf dem Säntis sind

am 20. Apr 2024
Neues Buch «Nichts gegen eine Million»

Die Ostschweizerin ist einem perfiden Online-Betrug zum Opfer gefallen – und verlor dabei fast eine Million Franken

am 08. Apr 2024
Gastkommentar

Weltweite Zunahme der Christenverfolgung

am 29. Mär 2024
Aktionswoche bis 17. März

Michel Sutter war abhängig und kriminell: «Ich wollte ein netter Einbrecher sein und klaute nie aus Privathäusern»

am 12. Mär 2024
Teuerung und Armut

Familienvater in Geldnot: «Wir können einige Tage fasten, doch die Angst vor offenen Rechnungen ist am schlimmsten»

am 24. Feb 2024
Naomi Eigenmann

Sexueller Missbrauch: Wie diese Rheintalerin ihr Erlebtes verarbeitet und anderen Opfern helfen will

am 02. Dez 2023
Best of 2023 | Meine Person des Jahres

Die heilige Franziska?

am 26. Dez 2023
Treffen mit Publizist Konrad Hummler

«Das Verschwinden des ‘Nebelspalters’ wäre für einige Journalisten das Schönste, was passieren könnte»

am 14. Sep 2023
Neurofeedback-Therapeutin Anja Hussong

«Eine Hirnhälfte in den Händen zu halten, ist ein sehr besonderes Gefühl»

am 03. Nov 2023
Die 20-jährige Alina Granwehr

Die Spitze im Visier - Wird diese Tennisspielerin dereinst so erfolgreich wie Martina Hingis?

am 05. Okt 2023
Podcast mit Stephanie Stadelmann

«Es ging lange, bis ich das Lachen wieder gefunden habe»

am 22. Dez 2022
Playboy-Model Salomé Lüthy

«Mein Freund steht zu 100% hinter mir»

am 09. Nov 2022
Neue Formen des Zusammenlebens

Architektin Regula Geisser: «Der Mensch wäre eigentlich für Mehrfamilienhäuser geschaffen»

am 01. Jan 2024
Podcast mit Marco Schwinger

Der Kampf zurück ins Leben

am 14. Nov 2022
Hanspeter Krüsi im Podcast

«In meinem Beruf gibt es leider nicht viele freudige Ereignisse»

am 12. Okt 2022
Stölzle /  Brányik
Autor/in
Manuela Bruhin

Manuela Bruhin (*1984) ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.