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Kreative Ideen

«Die grösste Herausforderung ist der Umgang mit der Unsicherheit»

Können gebrandete Turnschuhe etwas Magisches haben? Natürlich, wie Carol Baumgartner von LODRESSO im Interview erklärt. Dennoch habe man einige Herausforderungen meistern müssen.

Manuela Bruhin am 04. Juni 2022

Mittlerweile ist der Sneaker-Markt riesig. Weshalb standen dennoch gleich von Anfang an die Schuhe im Mittelpunkt?

Das Sneaker-Business wuchs rasant. 1970 konnte man etwa fünf verschiedene Sneaker Modelle kaufen. 1998 waren es schon 298 – und im Jahr 2012 waren mehr als 3'372 Sneaker Marken erhältlich. Bereits 2010 befanden sich die gebrandeten Sneaker auf meiner Wunschliste, weil sie etwas Magisches haben. Zudem sind sie die beste Werbefläche! Ich habe mich gefragt, weshalb niemand solche im Angebot hat?! Damals gab es noch keine Möglichkeit, in vernünftigen Mengen gebrandete Sneaker zu produzieren. Das war erst ab 1'000 Paar möglich, mit einer Produktion in China, wohlgemerkt. Das stimmte schon damals nicht für uns. Wir wollten und wollen Nähe. 2012 habe ich unsere heutigen Sneaker-Produzenten kennengelernt. Es handelt sich um einen Familienbetrieb in Barcelona. Zwei Brüder haben in Spanien ihre Schuh-Produktion umgestellt, um gebrandete Sneaker zu produzieren. Das war der Startschuss für LODRESSO. Ab Frühling 2013 haben wir die ersten gebrandeten Sneaker ins Sortiment genommen.

Die Sneakers sollen unter anderem das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Firma stärken. Corona hat jedoch den Arbeitsmarkt ganz schön durcheinandergewirbelt. Plötzlich wurden alle ins Homeoffice verfrachtet. Eine sehr schwierige Situation für Ihre Firma, oder?

Ja, gerade, weil sehr viele Leute zu Hause gearbeitet haben. Fernab der Firma suchten viele Unternehmen einen Weg, mit ihren Mitarbeitern in Kontakt zu bleiben. Mit den gebrandeten Firmen Sneaker konnten sich die Inhaber für die tolle Arbeit bedanken. Firmen Sneaker dienen als Zeichen der Wertschätzung. Sie können sich vorstellen, dass das nicht nur Freude, sondern auch stolz macht. Mit oder ohne Homeoffice, die gebrandeten Sneaker sind ‘Magic’. Denn, wer für seine Mitarbeiter Firmen Sneaker einkauft, lebt die Wertschätzung. Das ist den Trägern bewusst. Und das verbindet!

Sie haben innovative Ideen gezeigt und sind vorübergehend auf die Maskenproduktion umgestiegen. Konnte das einen Teil abfedern?

Bis im Mai 2020 war LODRESSO einer der wenigen Lieferanten, die überhaupt Masken liefern konnten. Schon vor dem Lockdown haben wir ein paar Tausend Masken eingekauft. Diese waren sofort ausverkauft. Es gab einfach keine Masken auf dem Markt! Also haben wir sie entwickelt und in der Schweiz produziert. Es war eine unglaubliche Herausforderung. Ich komme ursprünglich aus der traditionellen St.Galler Schiffli-Stickerei. In meiner alten Welt habe ich 2005 die Schiffli Stickerei verlassen. Somit haben wir die Lösung gesucht und gefunden. Fast die gesamte Infrastruktur an Maschinen wurde unterdessen leider ins Ausland ausgelagert, weshalb wir nur einzelne Maschinen zu Verfügung hatten. Schlussendlich konnten wir hier und dort helfen, aber ein ertragsreiches Geschäft war das nicht.

Nach und nach kehrt nun allmählich eine normale Situation ein. Ist Aufatmen angesagt?

Corporate Fashion und Corporate Sneaker sind die richtige Kombination. Der sportlich gepflegte Dresscode von LODRESSO überzeugt, wird gemocht und es wird wieder fleissig angefragt und bestellt. Das LODRESSO Team gibt alles. Dankbar sagen wir ja und wir atmen auf. Die Produktion läuft. Wir erfreuen viele Teams mit ihren Firmen Sneakern.

Wenn Sie zurückblicken: Welches war die wohl grösste Herausforderung, die Sie meistern mussten?

Ich glaube, die grösste Herausforderung ist der Umgang mit der Unsicherheit. Vertrauen zu haben, es auch zu behalten und dranzubleiben. Im Jahr 2019, etwa ein halbes Jahr vor Corona, haben wir beschlossen, LODRESSO zu digitalisieren. Nach aussen gab es eine neue Webseite, nach Innen eine komplett neue digitale Organisation. Das bedeutete, ein spezialisiertes Team aufzubauen und nicht zuletzt die Finanzen im Griff zu behalten. Wir haben es geschafft (lacht). Heute steht LODRESSO auf einem soliden Fundament, ist technologisch auf dem neuesten Stand – Dank einem wirklich goldigen Team.

Nebst den Schuhen gibt es auch Bekleidung, die sich gestalten lässt. Welches sind die beliebtesten Produkte?

Gefragt sind vor allem gute und nachhaltige Textilien. Das sind hauptsächlich Poloshirts, Hemden und Blusen, Anzüge, Chinos sowie Jacken.

Der Konkurrenzdruck ist gross. Wie schaffen Sie es, sich über die Jahre dagegen zu behaupten?

Die LODRESSO Handschrift ist klar. Wir sind mutig, innovativ, flexibel, neugierig und bescheiden. Seit Tag eins haben wir unsere Kunden gefragt, warum sie denn mit uns arbeiten. Mit den Antworten und den unzähligen Feedbacks sind wir über die Jahre zum unverwechselbaren Firmenausstatter herangewachsen. LODRESSO, das sind die mit dem sportlichen Dresscode mit den ‘Magic’ Corporate Sneakern.

Sie haben verschiedene Projekte umgesetzt, wie beispielsweise «Tierschutz mit den Sneaker AROSA Bären». Wie entstehen solche Zusammenarbeiten?

Ideen entstehen im Laufe einer Zusammenarbeit oder im Netzwerk. Die Arosa Bären Sneaker sind am Swiss Management Run in Arosa entstanden. Pascal Jenny, das ist der Bären-Vater, hat von den Bären erzählt. Wie ein kleines Kind habe ich seine Bärengeschichten aufgesogen. Wir sind im gleichen Netzwerk, weshalb ich schliesslich den Vorschlag gemacht habe: «Lass uns einen Arosa Bären Sneaker machen!» - Und schon stehst du mittendrin.

Wie wichtig sind solche Zusammenarbeiten für das Unternehmen?

Sehr wichtig. Sie wecken das Feuer in uns. Alle Beteiligten werden kreativ und helfen sich gegenseitig, um das Bestmögliche herauszuholen. Im Anschluss werden die Aktionen wahrgenommen und wirken nachhaltig. Das macht schon Freude.

Welches wäre Ihr persönlicher Wunschtraum?

Die Loyalität zur Marke ist eines der wertvollsten Güter in Unternehmen. Diese lässt sich nicht kaufen. Sie entsteht auf emotionaler Ebene. Eben dann, wenn sich die Mitarbeiter mit der Marke verbunden fühlen. Wir wünschen uns, dass viele tolle Teams auf ihre Marken stehen dürfen, in ihren Magic Corporate Sneakern, damit sie alle das Gefühl der Loyalität zur eigenen Marke erleben dürfen. Denn das zieht einfach Menschen an – Kunden, Kollegen, Freunde und Familien.

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Autor/in
Manuela Bruhin

Manuela Bruhin (*1984) ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».

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