logo

DG: DG: KMU-Insider

Die Motivation macht den Unterschied

In den meisten kleineren und mittleren Unternehmen kommt ideellen Zielsetzungen eine entscheidende Bedeutung zu. Es geht nicht darum, in möglichst kurzer Zeit möglichst gross zu werden, sondern um die Unabhängigkeit und den Fortbestand der Unternehmung.

Kurt Weigelt am 08. Oktober 2022

Dies gelesen: «Bei den Motiven zum Schritt in die Selbständigkeit stehen intrinsische Faktoren wie Selbstverwirklichung, Unabhängigkeit und Durchsetzung eigener Ideen klar an der Spitze. (…) Ebenfalls als sehr wichtig wird die Ausübung einer sinnstiftenden Tätigkeit angegeben.» (Quelle: Die neuen Selbständigen 2020, Forschungsbericht, www.fhnw.ch)

Das gedacht: Seit 20 Jahren untersucht das Institut für Unternehmensführung der Fachhochschule Nordwestschweiz, welche Motive in die berufliche Selbständigkeit geführt haben, mit welchen Herausforderungen sich Jungunternehmer konfrontiert sehen, wie erfolgreich sie sind und wie sie ihre Zukunft einschätzen.

Nicht verändert haben sich in all diesen Jahren die Motive zum Schritt in die Selbständigkeit. In erster Linie geht es um Selbstverwirklichung, Unabhängigkeit, um die Durchsetzung eigener Ideen und die Ausübung einer sinnstiftenden Tätigkeit. Viel weniger wichtig sind die Fortführung der Familientradition, das Erzielen eines höheren Einkommens, Macht oder Prestige.

Ideelle Motive sind entscheidend. Nicht nur bei Unternehmensgründern, sondern auch bei vielen etablierten Familienunternehmen. Die Motivation macht den Unterschied.

Börsenkotierten Konzerne und Firmen in den Händen von Finanzinvestoren orientieren sich an Finanzkennzahlen. Die Gewinn- und die Wachstumsoptimierung stehen im Vordergrund. Das Ziel ist, den Unternehmenswert möglichst stark und möglichst rasch zu vergrössern.

In Familienunternehmen hingegen spielen materielle Zielsetzungen eine weit weniger wichtige Rolle. Selbstverständlich will man auch hier gutes Geld verdienen und durch ein angemessenes Wachstum die Zukunft des Unternehmens sichern. Die Fragen von Gewinn und Wachstum werden jedoch in den meisten kleineren und mittleren Unternehmen der strategischen Zielsetzung der langfristigen Unabhängigkeit untergeordnet. In letzter Konsequenz geht es nicht darum, möglichst viel zu verdienen und in möglichst kurzer Zeit möglichst gross zu werden, sondern um den Fortbestand der Unternehmung.

In diese Richtung weist auch eine vor vielen Jahren von Professor Thomas Zellweger durchgeführte Befragung zur Bedeutung der Geschäftsziele bei privat gehaltenen Unternehmen. Das Überleben und die Unabhängigkeit der Unternehmung stehen an vorderster Stelle. Auf Platz drei folgt das ebenfalls der Unabhängigkeit verpflichtete Ziel, die Schulden zu reduzieren. Die Rendite- und Vermögenssteigerung landen an vierter und fünfter Stelle. Das Schlusslicht der Antworten bei der Frage nach der Bedeutung der Geschäftsziele bildet das Wachstum des Unternehmens.

Für alle mit einer Verbindung zum privaten Unternehmertum wenig überraschende Erkenntnisse. In der Politik allerdings sind diese nicht angekommen. Tagtäglich werden neue Gesetze und Verordnungen in die Welt gesetzt, die unsere Unternehmen in ihrer Entscheidungs- und Bewegungsfreiheit einschränken. Aus der Zeit gefallene Arbeitsgesetze, eine hochkomplexe Steuergesetzgebung, staatliche Kontrollorgane wie die Lebensmittelkontrolle, die Arbeitsmarktpolizei oder die Finma, perfektionistische Bau- und Umweltvorschriften und vieles mehr reduzieren die unternehmerische Freiheit.

Dies alles beschädigt die Motivation, sich unternehmerisch zu betätigen. Staatliche Interventionen und ein Übermass an Bürokratie stehen in einem offenen Widerspruch zum Wunsch nach Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Unternehmerinnen und Unternehmer sind schlechte Befehlsempfänger.

Institutionelle Bedingungen sind mit dafür verantwortlich, dass sich unterschiedliche Industriestaaten mit vergleichbaren Voraussetzungen unterschiedlich entwickeln. Dies gilt ganz besonders in Zeiten des rasanten technologischen Fortschritts. Das Silicon Valley liegt in den freiheitlicheren USA und nicht im überregulierten Europa. Die wirksame Umsetzung disruptiver wissenschaftlicher Erfindungen bedingt echtes Unternehmertum und gelingt nur unter der Voraussetzung, dass die Wirtschaftsinnovatoren auf das entsprechende gesellschaftliche und politische Umfeld treffen. Es geht nicht nur um das Können und Wollen, sondern ganz besonders auch um das Dürfen.

Ambitionierte Jungunternehmen genauso wie etablierte Familienunternehmen sind nicht auf staatliche Förderung, politische Innovationsinitiativen und mit Volksvermögen ausgestattete Staatsfonds angewiesen. Weit entscheidender sind Rahmenbedingungen, die das Bestreben nach Unabhängigkeit und Eigenverantwortung unterstützen. Vor zwanzig Jahren verfasste ich eine Publikation mit dem Titel «Mehr KMU – weniger Staat.» An dieser Forderung hat sich bis heute nichts geändert. Im Gegenteil. Sie ist aktueller denn je.

Einige Highlights

Uzwilerin mit begrenzter Lebenserwartung

Das Schicksal von Beatrice Weiss: «Ohne Selbstschutz kann die Menschheit richtig grässlich sein»

am 11. Mär 2024
Im Gespräch mit Martina Hingis

«…und das als Frau. Und man verdient auch noch Geld damit»

am 19. Jun 2022
Das grosse Gespräch

Bauernpräsident Ritter: «Es gibt sicher auch schöne Journalisten»

am 15. Jun 2024
Eine Analyse zur aktuellen Lage

Die Schweiz am Abgrund? Wie steigende Fixkosten das Haushaltbudget durcheinanderwirbeln

am 04. Apr 2024
DG: DG: Politik

«Die» Wirtschaft gibt es nicht

am 03. Sep 2024
Gastkommentar

Kein Asyl- und Bleiberecht für Kriminelle: Null-Toleranz-Strategie zur Sicherheit der Schweiz

am 18. Jul 2024
Gastkommentar

Falsche Berechnungen zu den AHV-Finanzen: Soll die Abstimmung zum Frauenrentenalter wiederholt werden?

am 15. Aug 2024
Gastkommentar

Grenze schützen – illegale Migration verhindern

am 17. Jul 2024
Sensibilisierung ja, aber…

Nach Entführungsversuchen in der Ostschweiz: Wie Facebook und Eltern die Polizeiarbeit erschweren können

am 05. Jul 2024
Pitbull vs. Malteser

Nach dem tödlichen Übergriff auf einen Pitbull in St.Gallen: Welche Folgen hat die Selbstjustiz?

am 26. Jun 2024
Politik mit Tarnkappe

Sie wollen die angebliche Unterwanderung der Gesellschaft in der Ostschweiz verhindern

am 24. Jun 2024
Paralympische Spiele in Paris Ende August

Para-Rollstuhlfahrerin Catherine Debrunner sagt: «Für ein reiches Land hinkt die Schweiz in vielen Bereichen noch weit hinterher»

am 24. Jun 2024
Politik extrem

Paradox: Mit Gewaltrhetorik für eine humanere Gesellschaft

am 10. Jun 2024
Das grosse Bundesratsinterview zur Schuldenbremse

«Rechtswidrig und teuer»: Bundesrätin Karin Keller-Sutter warnt Parlament vor Verfassungsbruch

am 27. Mai 2024
Eindrucksvolle Ausbildung

Der Gossauer Nicola Damann würde als Gardist für den Papst sein Leben riskieren: «Unser Heiliger Vater schätzt unsere Arbeit sehr»

am 24. Mai 2024
Zahlen am Beispiel Thurgau

Asylchaos im Durchschnittskanton

am 29. Apr 2024
Interview mit dem St.Galler SP-Regierungsrat

Fredy Fässler: «Ja, ich trage einige Geheimnisse mit mir herum»

am 01. Mai 2024
Nach frühem Rücktritt: Wird man zur «lame duck»?

Exklusivinterview mit Regierungsrat Kölliker: «Der Krebs hat mir aufgezeigt, dass die Situation nicht gesund ist»

am 29. Feb 2024
Die Säntis-Vermarktung

Jakob Gülünay: Weshalb die Ostschweiz mehr zusammenarbeiten sollte und ob dereinst Massen von Chinesen auf dem Säntis sind

am 20. Apr 2024
Neues Buch «Nichts gegen eine Million»

Die Ostschweizerin ist einem perfiden Online-Betrug zum Opfer gefallen – und verlor dabei fast eine Million Franken

am 08. Apr 2024
Gastkommentar

Weltweite Zunahme der Christenverfolgung

am 29. Mär 2024
Aktionswoche bis 17. März

Michel Sutter war abhängig und kriminell: «Ich wollte ein netter Einbrecher sein und klaute nie aus Privathäusern»

am 12. Mär 2024
Teuerung und Armut

Familienvater in Geldnot: «Wir können einige Tage fasten, doch die Angst vor offenen Rechnungen ist am schlimmsten»

am 24. Feb 2024
Naomi Eigenmann

Sexueller Missbrauch: Wie diese Rheintalerin ihr Erlebtes verarbeitet und anderen Opfern helfen will

am 02. Dez 2023
Best of 2023 | Meine Person des Jahres

Die heilige Franziska?

am 26. Dez 2023
Treffen mit Publizist Konrad Hummler

«Das Verschwinden des ‘Nebelspalters’ wäre für einige Journalisten das Schönste, was passieren könnte»

am 14. Sep 2023
Neurofeedback-Therapeutin Anja Hussong

«Eine Hirnhälfte in den Händen zu halten, ist ein sehr besonderes Gefühl»

am 03. Nov 2023
Die 20-jährige Alina Granwehr

Die Spitze im Visier - Wird diese Tennisspielerin dereinst so erfolgreich wie Martina Hingis?

am 05. Okt 2023
Podcast mit Stephanie Stadelmann

«Es ging lange, bis ich das Lachen wieder gefunden habe»

am 22. Dez 2022
Playboy-Model Salomé Lüthy

«Mein Freund steht zu 100% hinter mir»

am 09. Nov 2022
Neue Formen des Zusammenlebens

Architektin Regula Geisser: «Der Mensch wäre eigentlich für Mehrfamilienhäuser geschaffen»

am 01. Jan 2024
Podcast mit Marco Schwinger

Der Kampf zurück ins Leben

am 14. Nov 2022
Hanspeter Krüsi im Podcast

«In meinem Beruf gibt es leider nicht viele freudige Ereignisse»

am 12. Okt 2022
Stölzle /  Brányik
Autor/in
Kurt Weigelt

Kurt Weigelt, geboren 1955 in St. Gallen, studierte Rechtswissenschaften an der Universität Bern. Seine Dissertation verfasste er zu den Möglichkeiten einer staatlichen Parteienfinanzierung. Einzelhandels-Unternehmer und von 2007 bis 2018 Direktor der IHK St.Gallen-Appenzell. Für Kurt Weigelt ist die Forderung nach Entstaatlichung die Antwort auf die politischen Herausforderungen der digitalen Gesellschaft.

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.