logo

Aufreger der Woche

Die Rechnung der Post kann einfach nicht aufgehen

Haben Sie auch schon mal versehentlich zu wenig Porto auf eine Sendung aufgeklebt? Dann bekommen Sie danach bald Post von der Post. Die müssen Sie dann mit einer zusätzlichen Frankatur zurückspedieren. Das Ganze ist so unwirtschaftlich, dass der gesunde Menschenverstand aufjault.

Stefan Millius am 30. Juli 2022

Mir ist völlig klar, dass es die Post nicht grundsätzlich durchgehen lassen kann, wenn der Wert der Briefmarken auf einem Brief oder einem Paket nicht dem entspricht, was da kleben müsste. Das ist ein bisschen wie die Kontrollen im öffentlichen Verkehr: Wüsste man, dass sie niemals stattfinden, würde man auch nie wieder ein Ticket lösen. Etwas tun muss man also.

Aber das, was die Post macht, grenzt an Absurdistan. Da verliert man mal die Übersicht betreffend Tariftabelle über Formate, Gewicht und so weiter und klebt beispielsweise Marken im Wert von 1.50 Franken statt 1.60 Franken auf eine Sendung. Schon bald kommt eine hübsche Postkarte. Absender: Die Post. Dort wird man aufgefordert, den fehlenden Betrag von 10 Rappen in Form einer Marke aufzukleben und der Post zurückzusenden. Da kein Mensch eine 10-Rappen-Marke zuhause hat, nimmt man vermutlich, was gerade rumliegt. Und seien es 85 Rappen. Oder man nimmt die 10-Rappen-Marke von 1883 aus der Briefmarkensammlung des Grossvaters, die ein paar Tausend Franken wert ist.

Schauen wir das aus der Perspektive der Post an. Die prüft eine Sendung, stellt fest, dass sie unterfrankiert ist, muss die erwähnte Postkarte generieren, verschickt sie (und schickt damit einen Briefträger auf die Reise), nimmt dann die mit dem nötigen Porto frankierte Postkarte entgegen, prüft sie wiederum und erklärt den Fall für erledigt. Dazu kommen Materialkosten der Karte.

Mir kann kein Mensch sagen, dass der Arbeitsaufwand, den sich die Post damit aufhalst, auch nur ansatzweise das deckt, was da zurückkommt. Wenn jemand wirklich den Aufwand auf sich nimmt, eine 10-Rappen-Marke zu beschaffen, dürfte alles in allem locker eine Stunde Arbeit für die Post angefallen sein für die Vergütung von 10 Rappen. Das ist möglicherweise der Stundenlohn einer Kleidernäherin in Bangladesh, aber kaum für einen Mitarbeiter der Schweizer Post.

Wie man es sonst löst? Keine Ahnung, und die muss ich auch nicht haben, ich bin kein Postangestellter. Sicher ist nur, dass dieses Vorgehen grausam unwirtschaftlich ist. Vor allem, wenn man noch den Aufwand der Person einrechnet, die sich – obwohl es sich meist um einen unbeabsichtigten Fehler handelt – noch mit der Beschaffung der richtigen Marke und dem Zurücksenden der Karte herumschlagen muss.

Die Post gibt sich ja gern privatwirtschaftlich. Aber im tiefsten Innern ist sie ein lupenreiner Staatsbetrieb geblieben. Da geht es nicht darum, was Sinn macht. Sondern nur ums Prinzip. Selbst wenn man dabei drauf zahlt.

Kollege Bossart steigert die Aufregung:

Ja, da hast du in allen Punkten zu 100 Prozent recht, vergisst dabei allerdings, dich über den wahren Skandal aufzuregen: Im umgekehrten Fall - und den gibt's zuhauf! - macht die Post nämlich keinen Mucks.

Da kann man den Brief oder das Paket noch so überfrankieren und vom gelben Riesen im Staatsbetriebspelz  kriegt man nichts zurück. Weder ein Dankeschön, geschweige denn das zu viel bezahlte Porto in Form von Wertzeichen oder Bargeld. Ich bin mir sicher, fragte man nach, warum dem so ist, würde rasch die Betriebswirtschaftlichkeit als Argument herbeigezogen werden. Von wegen, dass es zu viel kosten würde, den Absender zu eruieren, um ihm 10 Rappen zurückzuerstatten.

Ha. Genau.

Einige Highlights

Uzwilerin mit begrenzter Lebenserwartung

Das Schicksal von Beatrice Weiss: «Ohne Selbstschutz kann die Menschheit richtig grässlich sein»

am 11. Mär 2024
Im Gespräch mit Martina Hingis

«…und das als Frau. Und man verdient auch noch Geld damit»

am 19. Jun 2022
Das grosse Gespräch

Bauernpräsident Ritter: «Es gibt sicher auch schöne Journalisten»

am 15. Jun 2024
Eine Analyse zur aktuellen Lage

Die Schweiz am Abgrund? Wie steigende Fixkosten das Haushaltbudget durcheinanderwirbeln

am 04. Apr 2024
DG: DG: Politik

«Die» Wirtschaft gibt es nicht

am 03. Sep 2024
Gastkommentar

Kein Asyl- und Bleiberecht für Kriminelle: Null-Toleranz-Strategie zur Sicherheit der Schweiz

am 18. Jul 2024
Gastkommentar

Falsche Berechnungen zu den AHV-Finanzen: Soll die Abstimmung zum Frauenrentenalter wiederholt werden?

am 15. Aug 2024
Gastkommentar

Grenze schützen – illegale Migration verhindern

am 17. Jul 2024
Sensibilisierung ja, aber…

Nach Entführungsversuchen in der Ostschweiz: Wie Facebook und Eltern die Polizeiarbeit erschweren können

am 05. Jul 2024
Pitbull vs. Malteser

Nach dem tödlichen Übergriff auf einen Pitbull in St.Gallen: Welche Folgen hat die Selbstjustiz?

am 26. Jun 2024
Politik mit Tarnkappe

Sie wollen die angebliche Unterwanderung der Gesellschaft in der Ostschweiz verhindern

am 24. Jun 2024
Paralympische Spiele in Paris Ende August

Para-Rollstuhlfahrerin Catherine Debrunner sagt: «Für ein reiches Land hinkt die Schweiz in vielen Bereichen noch weit hinterher»

am 24. Jun 2024
Politik extrem

Paradox: Mit Gewaltrhetorik für eine humanere Gesellschaft

am 10. Jun 2024
Das grosse Bundesratsinterview zur Schuldenbremse

«Rechtswidrig und teuer»: Bundesrätin Karin Keller-Sutter warnt Parlament vor Verfassungsbruch

am 27. Mai 2024
Eindrucksvolle Ausbildung

Der Gossauer Nicola Damann würde als Gardist für den Papst sein Leben riskieren: «Unser Heiliger Vater schätzt unsere Arbeit sehr»

am 24. Mai 2024
Zahlen am Beispiel Thurgau

Asylchaos im Durchschnittskanton

am 29. Apr 2024
Interview mit dem St.Galler SP-Regierungsrat

Fredy Fässler: «Ja, ich trage einige Geheimnisse mit mir herum»

am 01. Mai 2024
Nach frühem Rücktritt: Wird man zur «lame duck»?

Exklusivinterview mit Regierungsrat Kölliker: «Der Krebs hat mir aufgezeigt, dass die Situation nicht gesund ist»

am 29. Feb 2024
Die Säntis-Vermarktung

Jakob Gülünay: Weshalb die Ostschweiz mehr zusammenarbeiten sollte und ob dereinst Massen von Chinesen auf dem Säntis sind

am 20. Apr 2024
Neues Buch «Nichts gegen eine Million»

Die Ostschweizerin ist einem perfiden Online-Betrug zum Opfer gefallen – und verlor dabei fast eine Million Franken

am 08. Apr 2024
Gastkommentar

Weltweite Zunahme der Christenverfolgung

am 29. Mär 2024
Aktionswoche bis 17. März

Michel Sutter war abhängig und kriminell: «Ich wollte ein netter Einbrecher sein und klaute nie aus Privathäusern»

am 12. Mär 2024
Teuerung und Armut

Familienvater in Geldnot: «Wir können einige Tage fasten, doch die Angst vor offenen Rechnungen ist am schlimmsten»

am 24. Feb 2024
Naomi Eigenmann

Sexueller Missbrauch: Wie diese Rheintalerin ihr Erlebtes verarbeitet und anderen Opfern helfen will

am 02. Dez 2023
Best of 2023 | Meine Person des Jahres

Die heilige Franziska?

am 26. Dez 2023
Treffen mit Publizist Konrad Hummler

«Das Verschwinden des ‘Nebelspalters’ wäre für einige Journalisten das Schönste, was passieren könnte»

am 14. Sep 2023
Neurofeedback-Therapeutin Anja Hussong

«Eine Hirnhälfte in den Händen zu halten, ist ein sehr besonderes Gefühl»

am 03. Nov 2023
Die 20-jährige Alina Granwehr

Die Spitze im Visier - Wird diese Tennisspielerin dereinst so erfolgreich wie Martina Hingis?

am 05. Okt 2023
Podcast mit Stephanie Stadelmann

«Es ging lange, bis ich das Lachen wieder gefunden habe»

am 22. Dez 2022
Playboy-Model Salomé Lüthy

«Mein Freund steht zu 100% hinter mir»

am 09. Nov 2022
Neue Formen des Zusammenlebens

Architektin Regula Geisser: «Der Mensch wäre eigentlich für Mehrfamilienhäuser geschaffen»

am 01. Jan 2024
Podcast mit Marco Schwinger

Der Kampf zurück ins Leben

am 14. Nov 2022
Hanspeter Krüsi im Podcast

«In meinem Beruf gibt es leider nicht viele freudige Ereignisse»

am 12. Okt 2022
Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist freischaffender Journalist.

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.