Das Stammgebiet von Thurcom – neu kann der Provider seine Dienste in alle Schweizer Breitbandnetze einspeisen.
Thurcom ist neu schweizweit auf jedem Breitbandanschluss empfangbar – für TV, Internet und Telefon. Der Provider bleibt aber mit seinem eigenen Netz rund um Wil verankert und will hauptsächlich in der Region wachsen.
Wer von dort wegzieht, darf den Thurcom-Anschluss aber neu überallhin im Land mitnehmen, wie Thurcom-Leiter Peter Trüby (im Bild) im Interview erklärt.
Thurcom ist heute der Telekommunikationsdienstleister in der Region Wil. Weshalb soll man andernorts auf ihr Angebot zugreifen?
Peter Trüby: Treue Kunden schrieben uns leider oft: «Aufgrund eines Umzugs sind wir gezwungen, unser Abo bei der Thurcom zu kündigen.» Das tat uns weh, das ist nun vorbei. Wir beliefern Abwandernde nun weiterhin, in der ganzen Schweiz. Das sind mehrere hundert Kunden im Jahr. Bei uns ist jede oder jeder einzelne wichtig. Wir bleiben ein regionaler Anbieter, aber uns gibt es jetzt auch «zum Mitnehmen». Die technischen Grenzen dafür wurden aufgehoben.
Ein Service nur für Auswanderer?
Es geht nicht nur um Auswanderer: Zieht man von Wil nach Zuzwil, sind das wenige Kilometer – aber die Anschlüsse gehen auf ein anderes Netz. Bisher wurde man von uns physisch zwangsentkoppelt. Dank neuer Technologien und Regulierungen kommen wir nun schweizweit problemlos in jede Wohnung. Wer noch klassisches Kabelfernsehen konsumierte, muss allerdings auf IPTV umsteigen – empfängt uns also am neuen Ort via Internet. Dafür braucht es eine Set-Top-Box. Manche ältere Kunden haben das heute noch nicht. Ihr Fernseher läuft noch über einen HF-Anschluss eines ehemaligen Fremdnetzbetreibers – also Live-TV, wo Sendungen nicht zeitversetzt gestreamt werden können. Da rüsten wir dann gemeinsam auf. Kein zufriedener Kunde muss aber mehr den Anbieter wechseln.
… oder sich mit mehreren Providern für mehrere Wohnungen herumschlagen.
Genau! Wer beispielsweise ein Ferienhaus im Tessin hat oder Wochenaufenthalter ist, kann künftig alle Anschlüsse von uns bedienen lassen. Übrigens ist es auch für Firmen mit mehreren Standorten interessant, dass nicht jede Filiale einen anderen Provider hat, sondern alle gleich vernetzt sind. Das machen wir nun gerne. Natürlich können wir neu auch schweizweit Kunden annehmen, die ihren Provider für TV, Internet, Festnetz- oder Mobiltelefonie wechseln wollen – weshalb auch immer. Auch die nehmen wir gerne auf. Wir werben nun aber nicht im ganzen Land um Kunden. Bei uns ist man auch, weil wir nahe sind, man den persönlichen Kontakt schätzt und wir unsere Region bestens kennen. Interessant ist das auch für alle angrenzenden Gebiete.
Welches ist denn heute «Ihr» Gebiet?
Unser klassisches Versorgungsgebiet erstreckt sich im Westen von Aadorf bis Flawil im Osten. Die nördliche Grenze liegt in Affeltrangen, im Süden geht es bis Nesslau. Inzwischen kam auch Gaiserwald dazu. Aber wie gesagt, diese Grenze gibt es technisch nicht mehr. Sie ist historisch begründet mit der gewachsenen Netzinfrastruktur der Region.
Das Stammgebiet von Thurcom – neu kann der Provider seine Dienste in alle Schweizer Breitbandnetze einspeisen.
Wie entstand dieses Netz?
Wir versorgten Wil mit Gas und Elektrizität, als in den 70er-Jahren in der preisgekrönten historischen Altstadt Wil Antennen zu wuchern begannen. Wir stellten also eine Gemeinschaftsantenne auf und versorgten die Altstadt via Kabel, dann weitere Quartiere, ganz Wil und die Agglomeration. Auch die neuen Wohnblöcke sollten antennenfrei bleiben. In den 80ern verbreiteten neue TV-Stationen ihr Programm via Satelliten und unschöne «Schüsseln» in die Wohnzimmer. So investierten wir wiederum in Gemeinschafts-Satellitenspiegel und leiteten die Signale in die bestehenden lokalen Netze. Die umliegenden Gemeinden hatten teilweise ebenfalls solche gebaut. Die schlossen sich dann uns an. Diese Zusammenschlüsse sind heute «unser» Stammgebiet. Hier bedienen wir Endkunden inzwischen direkt und entschädigen dafür die Gemeinden für die Benutzung der Infrastruktur. Früher kauften die Gemeinden unser Signal und stellten dann die TV-Sender selbst in Rechnung.
Das war vor dem Internet.
Genau, in den 90ern wurde dasselbe Netz dann internetfähig gemacht, die Daten fliessen seither in zwei Richtungen. Weitere technische Investitionen überliessen die Gemeinden aber anderen. So begannen wir auch Festnetztelefonie und eben IPTV über diese geografisch begrenzten Netze zu vertreiben. Neu ist, dass wir unsere Dienste in alle Breitbandnetze der Schweiz einspeisen können. Dafür mieten wir zum Beispiel den Glasfaseranschluss einer Wohnung – und sind fortan direkter Provider für deren Bewohnerinnen und Bewohner. Es funktioniert bei allen Breitbandanschlüssen.
Wie viele Kunden bedient Thurcom heute?
Wir haben rund 18'000 Internetkunden, gegen 12'000 Telefonkunden und beim IPTV sind es etwas weniger. In unserer Region sind wir die Nummer eins.
Und warum wollen Sie noch wachsen?
Dass wir überall empfangbar sind, ist eine Dienstleistung gegenüber unseren treuen Kunden. Zudem braucht es stets ein moderates Wachstum, um als Betrieb weiterzubestehen und nicht in eine Negativspirale zu geraten. Deshalb gehen wir nun auch in andere Netze. Wir wollen vor allem «weisse Flecken» um unser Versorgungsgebiet schliessen – zum Beispiel in Uzwil oder Zuzwil.
Und wie machen Sie das?
Zunächst geht es darum, unsere bestehenden Kunden wissen zu lassen, dass wir auch für sie da sind, wenn sie wegziehen – insbesondere bei Kündigungen. Gleichzeitig machen wir in den angrenzenden Gebieten auf unseren persönlichen Service aufmerksam. Die Infrastruktur ist bereit und die ersten Kunden ausserhalb unseres traditionellen Gebiets sind problemlos integriert. Die neuen Anschlüsse wollen wir nun auch mit neusten Set-Top-Boxen ausrüsten. Diese sind in Kürze auslieferbar. Zufriedene Kunden sind die beste Werbung für weitere.
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Mit seiner hybriden Austragung, der «Social Interactive Community» – einer Webplattform mit Livestream und viele Funktionen – verbindet und vernetzt der WTT YOUNG LEADER AWARD viele Menschen innerhalb unserer Region, die etwas leisten wollen. Das unterstützen wir gerne. Diese intensive Vernetzung passt gut zu uns. Der Event trägt dabei unsere Marke aber auch über unser klassisches Versorgungsgebiet hinaus und wir beginnen, damit auch Geschäftskunden anzusprechen. Auch für dieses lancieren wir in Kürze Angebote.
Pascal Tschamper (*1974) ist selbständiger Kommunikationsberater in St.Gallen (Tschamper Kommunikation). Zuvor arbeitete als Kommunikationschef im Bildungsbereich und in diversen Marketing-, PR- und Event-Agenturen in Zürich und St.Gallen.
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