Die E-Trottinetts in der Stadt St.Gallen sind in Gebrauch und immer wieder zu sehen. Eine ältere Dame hatte aber ihre liebe Not damit.
«Entschuldigung, können Sie mir helfen? Dieses Ding geht einfach nicht.»
Eine ältere Dame steht an der Merkurstrasse in St.Gallen neben einem der neuen E-Trottinetts, die man seit einiger Zeit mieten kann. Sie blickt hilflos in meine Richtung. Ich bin der letzte Mensch, den man bei technischen Fragen beiziehen sollte, aber ich kann ja kaum eine Seniorin einfach stehen lassen. Also schaue ich mir die ganze Sache an.
Sie versuche das zum ersten Mal, aber bisher laufe das Trottinett nicht, sagt die Dame. Dabei sieht es nicht sehr kompliziert aus: Ein Stop- und ein Go-Knopf. Also «Go»: Aber es geht nichts. Strom scheint es aber zu haben, das Display läuft und zeigt 0km/h an. Logischerweise.
An der Frontstange ist eine Anleitung angebracht. «Haben Sie die schon gelesen?», will ich wissen. «Das wollte ich tun, aber es ist viel zu klein geschrieben», so die Antwort. Da steht, dass man zum Start drei Mal den Go-Knopf anklicken soll. Das tun wir brav. Es geht nichts. Ich bin überzeugt, dass nichts kaputt ist, sondern wir den Dreh einfach nicht raus haben. Aber eigentlich müssten die Gefährte selbsterklärend sein - auch und gerade für Ältere.
Die ältere Dame schaut durch die Gegend. «Ich versuche es schon eine Weile, eigentlich hatte ich ja gehofft, dass mal eine junge Person vorbeiläuft, die kennen sich eher damit aus.» Ich schlucke brav die Aussage, dass ich offenbar nicht mehr als junge Person durchgehe.
Nach mehreren vergeblichen Versuchen verabschiedet sich die ältere Dame schliesslich und setzt sich mit Muskelkraft in Bewegung. Was natürlich nicht der Sinn der Sache ist. «Ich habe doch dafür bezahlt», sagt sie noch und winkt zum Abschied. Bei der nächsten Kreuzung wartet sie auf Passanten, die das Rätsel entschlüsseln können.
Und ich beschliesse, weiterhin zu laufen.
Stefan Millius (*1972) ist freischaffender Journalist.
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