Ob Mailand oder Mörschwil: Eine Umhängetasche aus Reststoffen der Sitze und Kopfleder vom «alten» Voralpen-Express zieht Blicke an.
Nirgendwo kommt man so gut mit der Bahn voran wie in der Schweiz. 612 hat die beiden Wahl-St.Galler Anne Treichel (Berlin) und Christoph Fleischmann (Wien) auf den Weg geschickt. Ein Mini-Urlaub der Extraklasse.
Im Kreis mit vielen Verheissungen
Der Ringzug der Südostbahn (SOB) ist das erste Verkehrsmittel unserer Wahl. Wir fahren ins Landesinnere; nicht hinunter zum Bodensee also, sondern Richtung Uznach. Ein für auswärtige Ohren eher unbekannter Name, der im Streckennetz der SOB allerdings einen prominenten Platz einnimmt. Dazu gleich mehr. Am Rand von St.Gallen passieren wir das Sitterviadukt. Mit 99 Metern die höchste Eisenbahnbrücke der Schweiz. Wir erfreuen uns am Ausblick über das Sittertal. Nach diesem ersten prächtigen Erlebnis geht es munter dahin durch die hügeligbergige Gegend. Die vorbeiziehende Landschaft ist in ihrem Abwechslungsreichtum vielfältig und betörend. Es scheint unmöglich, sich daran sattzusehen.
Wiesen, Bäume, Hänge in den unterschiedlichsten Grüntönen, einzelne Höfe, Streusiedlungen, kleine Orte sowie allerlei Getier, hauptsächlich Kühe, das sich am saftigen Gras erfreut. Alles in Bewegung, alles im Einklang. Als wäre ein Gemälde zum Leben erwacht. Und wir mittendrin.
Eine Zugreise voll seelenerwärmender Eindrücke. Immer wieder erhaschen wir auch Blicke auf das Alpsteingebirge, den Pol der Region.
Ob Mailand oder Mörschwil: Eine Umhängetasche aus Reststoffen der Sitze und Kopfleder vom «alten» Voralpen-Express zieht Blicke an.
Ab in den Süden
Nach einer knappen Dreiviertelstunde halten wir am Bahnhof Uznach. Wechseln wir in den Voralpen-Express? Der fährt ab St.Gallen dieselbe Strecke wie der Ringzug, zweigt in Uznach jedoch Richtung Rapperswil-Jona ab. Dort überquert er den Zürichsee, schlängelt sich anschliessend bergauf vorbei am Zugersee und rund um die Rigi bis nach Luzern. Eine einmalige Fahrt. Die man mit einer brandneuen Zuggeneration absolviert, dem Traverso. Auffällig: sein markantes kupferfarbenes Äusseres.
Auf dem Weg nach Luzern gibt’s in Arth-Goldau die exzellente Möglichkeit, in einen aus Zürich kommenden Fernreisezug der SBB umzusteigen. Um zum Beispiel nach Lugano zu fahren. Wir sind ob der Verheissungen hin- und hergerissen. Wir bleiben im Ringzug sitzen und vergnügen uns an der Tatsache, vor solchen Luxusproblemen zu stehen.
Im Traverso, dem kupferfarbenen Blitz, die wohl schönste Region der Welt erkunden.
Der Walensee, ein Bijou mit Sehnsuchtspotenzial.
Ein Halt in Walenstadt
Anne möchte trotzdem in den Süden, also steigen wir zwei Stationen später in Walenstadt aus. Wir machen einen Ausflug nach Quinten: mit dem Schiff (Fahrplan: www.walenseeschiff.ch). Ein autofreier Ort, der uns dank seiner durch die Churfirsten geschützten Lage mit mediterranem Klima schmeichelt. Gefühlt unter Palmen, laben wir uns am Seeufer an Fischknusperli.
Schön, schöner, Seeburgpark Kreuzlingen.
Kaffee trinken im Restaurant Weitblick und Kunst geniessen in der Ausstellung: Würth Haus Rorschach.
Mit dem Turbo dem See entlang.
Ab nach Hause?
Retour nach St.Gallen geht es durch das zauberhafte Rheintal auf der anderen Seite des Alpsteins und vorbei an Liechtenstein und Österreich. In Rorschach beschliessen wir spontan, auszusteigen. Rorschach lockt mit einer netten Uferpromenade sowie dem Würth Haus, das mit seinen sehenswerten Wechselausstellungen (kostenlos) immer einen Besuch wert ist.
Mit dem Thurbo fahren wir am Seeufer entlang in den Thurgau. Unweit der Grenze zu Deutschland schlendern wir durch den Kreuzlinger Seeburgpark, der uns mit seinem über 100-jährigen Bestand an teils exotischen Bäumen beeindruckt. Sommers bietet sich zudem ein kühlender Sprung in den See an – Kreuzlingen und einige nachfolgende Orte locken mit angenehm zugänglichen Uferabschnitten.
Wer nicht baden möchte, geniesst einfach die besondere Atmosphäre des Sees.
Ab durch die Mitte
Und weiter geht’s: ins Herz der Region – mit der Appenzeller Bahn (AB). Sie verbindet den Kanton St.Gallen mit beiden Appenzell. Wie fast überall in dieser an Historie reichen Gegend sind auch die Strecken der AB zeitgeschichtlich wertvoll. Drei Zahnradbahnen bieten zudem besondere Erlebnisse, die nicht nur Bahn-Aficionados begeistern dürften.
Zum Beispiel die Strecke Altstätten–Gais. Ab Altstätten Stadt mitsamt ihrer pittoresken Innenstadt fahren wir gemächlich per Zahnradbahn durch die Landschaft. Sommers auch in offenen Wagen. Der wohltuende Rundumblick über die Bodenseeregion ist wie immer inklusive.
Gute 20 Minuten und 500 Höhenmeter später haben wir das Tableau erreicht. Das hübsche Gais empfängt uns mit seiner typisch appenzellischen Architektur und der Möglichkeit, eine leichte Wanderung auf den Gäbris (1246 m) zu unternehmen.
Ein kleines Stück moderne Nostalgie mit der Bergbahn Rheineck–Walzenhausen.
Auch schön: eine Fahrt mit der Bergbahn Rorschach–Heiden.
Mit der Zahnradbahn von Altstätten nach Gais.
Geschichte erleben
Die Appenzeller Bahnen bieten neben dem regulären Linienbetrieb zahlreiche Erlebnisfahrten mit historischem Zugmaterial an – eine schöne Gelegenheit, sich entschleunigt seinen Sinneseindrücken hinzugeben.
«612», das Guide-Magazin von St.Gallen-Bodensee Tourismus, inspiriert Gäste und ist wertvoll für Einheimische. Die Printversion ist vollbepackt mit Tipps, Insiderwissen und Geschichten von Menschen, die mit ihren Ideen und Lebensentwürfen Stadt und Region prägen, neue Räume und Orientierung schaffen – und ein einzigartiges Lebensgefühl entwickeln.
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