Kirche St. Mangen
Einst verrufen, heute gleichsam mondän anmutendes Bijou: das St.Mangen-Quartier in der nördlichen Altstadt. Mittendrin: das St.Galler Brockenhaus, ältestes Brockenhaus der Schweiz und wertvoller Treffpunkt für die Gesellschaft.
«Es war die Hölle los. Die Rockerbanden waren hier. Die Drögeler. Das Filou, das Ozon. Es gab viele Schlägereien. Manchmal getraute sich die Polizei kaum her.» Roberto Sessolo ist an der benachbarten St.Jakob-Strasse aufgewachsen; das Quartier war sein Tor zur Stadt. «Für uns Jugendliche war das spannend, damals. Es konnte gar nicht wild genug sein.» Das ist 45 Jahre her. Das Quartier hat sich gewandelt: Anständige Beizen, junge Lokale, eine Strassenpflästerung prägen es heute. «Es ist sauber geworden, vielseitiger.» Geblieben sind die Lebendigkeit, das Bunte, das Anderssein. «Ich mag den Mix.» Gemeint sind die Geschäfte genauso wie die Menschen. «Hier wohnen Hipster, Studenten, junge Paare, Familien, Senioren.
Hier treffen sich junge Menschen, alte Menschen, gut Betuchte, Randständige.» Man kommuniziere, kunterbunt. Alteingesessen trifft auf Urbanität «Kennen Sie Mario, den über 70-jährigen Frisör? Er hat mir bis vor ein paar Monaten die Haare geschnitten. Das Buchantiquariat Lüchinger (Magnihalden 3), die Falken Drogerie (Goliathgasse 1), das Schuhhaus Schneider (Goliathgasse 5) oder Velo Stern in der ehemaligen Käsehalle (Magnihalden 13). Daneben die Gewerbeschule, der Kleika Secondhand (Kirchgasse 11), das kinder.musical.theater im ehemaligen Kino Storchen (Magni- halden 7) oder junge Unternehmerinnen und Unternehmer wie die Cupcake-Lady mit ihrer Tiara’s Bakery (Goliathgasse 33).
Es ist einfach schön, durchs Quartier zu schlendern. Vergessen Sie nicht, hier und da den Kopf in den Nacken zu legen und sich belohnen zu lassen mit wunderschönen Fassaden, historischen Verzierungen, überraschenden Details.» Was in diesem Quartier nicht fehlen darf: die Tätowierer und Piercer. «Das sind coole Jungs, bei Skin Deep Art (Goliathgasse 19). Ob ich selbst ein Tattoo stechen lassen würde? Wenn, dann eine Rose – die Abkürzung meines Namens. Bisher allerdings fehlte mir der Mut», bemerkt Roberto Sessolo schmunzelnd. Und denkt – so nehmen wir an – an die gute alte Zeit und den Mythos, der mit diesem Quartier immer verbunden bleiben wird. —
Kirche St. Mangen
Besuchen und Bewundern
Älteste Kirche der Stadt St.Gallen, zu Ehren des heiligen Magnus errichtet. Highlight: die Orgel auf der Westempore – mit 31 Registern auf drei Manualen. Sie wurde nach den Vorbildern von Schnitger-Orgeln des 17. Jahrhunderts in historischer Bauweise errichtet. Wer in den Genuss eines (Bach-) Orgelkonzerts (www.bachstiftung.ch) kommt: Geniessen Sie’s. Minipark und grüner Flecken hinter der Kirche. Innehalten.
Wiborada lebte rund zehn Jahre als Inklusin «auf dem Hügel».
Klug und mutig
Bei dieser (ursprünglichen) Kirche St.Mangen liess sich Wiborada, Einsiedlerin, geweihte Jungfrau, Wohltäterin, Märtyrin, Patronin der Bibliotheken und Bücher, in einer angebauten Klause einmauern. Das war 916, vier Jahre, nachdem Gallus ... Sie wissen schon. Wiborada lebte als Inklusin in St.Gallen. Dank ihrer Vorahnung konnten die Bibliotheksschätze des Klosters St.Gallen vor dem bevorstehenden Überfall der Ungaren auf die Stadt St.Gallen im Jahr 926 rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Wiborada verlor bei diesem Angriff auf die Stadt ihr Leben. 1047 wurde sie als erste weibliche Heilige der katholischen Kirche von Papst Clemens II. heiliggesprochen. Ihr Gedenktag ist der 2. Mai.
Kunterbunter Flohmarkt
Kunterbunter Flohmarkt (Goliathgasse / Schwertgasse)
1979 fand der erste Flohmarkt statt. Seither veranstaltet der Quartierverein St.Mangen diesen traditionellen Markt jeweils am letzten Samstag im Monat. Unbedingt hingehen: März bis Oktober, 7 bis 17 Uhr. Apropos Quar- tierverein (www.stmangen.ch): Er gilt als einer der aktivsten der insgesamt 13 Vereine. Die Mitglieder treffen sich jeden zweiten Dienstag zum Stamm in der Quartierbeiz Krug, von 18.30 bis 19.30 Uhr. Einfach mal reinschauen.
St. Galler Brockenhaus
St.Galler Brockenhaus (Goliathgasse 18)
Fundgrube auf drei Etagen, innerstädtischer Treffpunkt, Galerie. Sauber aufgeräumt wie in einem Warenhaus, ausgewählte Sachen wie in einem Spezialitätengeschäft, persönliche Beratung wie im Dorfladen. Und jedes Stück mit seiner eigenen Geschichte, die fortgeschrieben werden will. Ein positiver Überraschungseffekt ist hier nicht selten. Auch, dass man findet, was man bisher nicht gesucht hat und dennoch braucht.
www.ghg-brockenhaus.ch
Einkehren und Ausgehen
Zum Essen
Hausmannskost im Restaurant Gemsli (Schwertgasse 25).
Kaffee und Kuchen im Café Gschwend (Goliathgasse 7); viele St.Galler sagen, dass es in der gleichnamigen Bäckerei die besten Bürli der ganzen Stadt gibt. So und so ist es eines der ältesten Cafés mit Bäckerei und Confiserie der Stadt. Die Innenhof-Terrasse: umwerfend.
Auserlesene Weine und feine Happen im 1733 (Goliathgasse 2).
Griechische Feinkost bei Kostas der Grieche (Magnihal- den 23); eine Institution.
Asiatischer Abstecher im Thach (Magnihalden 1).
Smørrebrød und andere schwedische Spezialitäten für den Hunger und den Durst im Øya (Schwertgasse 27).
Auf einen Drink
Feierabenddrink oder Absa- cker im Time Out (Goliathgasse 17); mit Smokers’ Lounge.
Qual der Wahl bei der Bierauswahl im Brüw (Torstrasse 25).
Appenzeller auf Eis im Goliath Stübli (Goliathgasse 27); legendär und: ohne Worte.
«612», das Guide-Magazin von St.Gallen-Bodensee Tourismus, inspiriert Gäste und ist wertvoll für Einheimische. Die Printversion ist vollbepackt mit Tipps, Insiderwissen und Geschichten von Menschen, die mit ihren Ideen und Lebensentwürfen Stadt und Region prägen, neue Räume und Orientierung schaffen – und ein einzigartiges Lebensgefühl entwickeln.
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