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Bürokratischer Unsinn

Frauenförderung: Schweiz am Schwanz. Wirklich?

Kurz vor Weihnachten stand das WEF drei Mal in den Schlagzeilen: Erstens mit dem so genannten «Gender Gap Report» (Gleichstellungsreport). Zweitens mit dem angekündigten Besuch von Prinz William. Drittens mit der Bestätigung, dass US-Präsident Trump in Davos sein wird.

Roland Rino Büchel am 28. Dezember 2018

Das Zweitens und das Drittens sind hier schnell erledigt. Zu Prinz William: Dass er am WEF mit einem 92jährigen Naturforscher über dessen Arbeit spricht, interessiert mich nicht wirklich.

Zum US-Präsidenten: Donald Trump nimmt bei seinem Besuch ein halbes Dutzend Minister mit. Und zahlreiche Topleute aus seiner Administration. Betreut werden sie von Trumps Vertreter in der Schweiz, Botschafter Ed McMullen. Er ist ein hervorragender Mann.

Über Trump werden andere genug schreiben. Von mir nur eine Frage: Wie viele Male kam der hochgelobte Barack Obama während seiner Amtszeit offiziell in die Schweiz? Sie erinnern sich nicht? Kein Problem: Nur Tagträumer erinnern sich an etwas, das nicht geschehen ist.

Nun zum Gender Gap Report des WEF. Das ist ein Bericht, der mit enorm viel Aufwand verfasst worden ist. Die Schweiz hat katastrophale Noten erhalten. Unser Land soll sowohl bei den Löhnen als auch bei der weiblichen Vertretung im Management immer mehr an Boden verlieren.

Insbesondere bei der Lohngleichheit und dem Frauenanteil im Management soll die Schweiz während der letzten zwölf Monate Rückschritte gemacht haben. Wir sind im Ranking noch auf Position 44. Das afrikanische Ruanda, um nur ein Beispiel zu nennen, ist um 25 Ränge besser platziert.

Wahrscheinlich kamen die neuen Vorgaben im Gleichstellungsgesetz in der Wintersession zu spät für eine bessere Rangierung. Künftig haben Firmen mit über 100 Angestellten eine Lohnanalyse zu erstellen. Wenn Männer mehr verdienen als Frauen, muss dies begründet werden.

Das ist ein bürokratischer Unsinn. Ich stimmte dagegen. Damit war ich im Nationalrat leider in der Minderheit. In Bundesbern wird der massive Einschnitt in das private Wirtschaften nicht nur mehrheitlich begrüsst. Sondern, noch schlimmer, als «viel zu schwache Massnahme» kritisiert. Offenbar braucht es noch mehr Bürokratie, um mit Ruanda mithalten zu können…

Gleiche Löhne sind das Eine, Quoten das Andere: Das WEF gibt der Schweiz in Sachen Frauenanteil im Management und bei hohen Beamtenposten unterirdisch schlechte Noten. Dort landen wir heuer auf Rang 87. Ich erspare Ihnen eine Auflistung der Nationen vor uns.

Nur so viel: Bei uns verdienen Frauen im oberen und obersten Management (wie die Männer) hohe sechs-, manchmal gar siebenstellige Summen. In vielen Ländern, die im Report vor uns platziert sind, erhalten sie keine 10‘000 Franken im Jahr.

Noch krasser ist der Unterschied bei Arbeiterinnen und einfachen Angestellten. In Ländern, welche vor uns platziert sind, gibt es für sie vielfach keine hundert Franken im Monat. Von einer sozialen Absicherung können sie nur träumen. Übrigens auch in Ruanda, doch dies nur nebenbei.

Für Männer gibt es dort auch wenig bis nichts. Ergo schneiden solche Drittweltstaaten im Vergleich besser ab als die Schweiz, wo es offenbar einen «Gender Gap» geben soll.

Mit allem Respekt vor den Verfassern des weltweit bejubelten Gleichstellungsreports: Wir sollten uns die als «fortschrittlich» dargestellten Entwicklungsländer nicht zum Vorbild nehmen.

Haben wir Vertrauen, in das, was wir tun. Was hat uns wirtschaftlich an die Weltspitze gebracht? Das konkrete Arbeiten – und nicht das Verfassen von Berichten und das Ausfüllen von Formularen.

Machen wir weiter mit unserem Erfolgsrezept. Das heisst: «Liefere statt lafere!»

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Autor/in
Roland Rino Büchel

Roland Rino Büchel (*1965) ist seit 2010 Nationalrat für die SVP des Kantons St. Gallen. Der Rheintaler ist Mitglied der Büros des Nationalrats, der Aussenpolitischen Kommission und Europarats. Er steht für eine klar bürgerliche Politik und war bei der letzten grossen parlamentarischen Auswertung der Ostschweizer Nationalrat mit dem besten Rating.

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