Freiheit ist ein weiter Begriff. Zunehmend erscheint er in Form von «…frei» in ironisch gemeinten Wortkombinationen im Sinne von «…los» oder «ohne …». Dabei wird der eigentliche Wortsinn ins Gegenteil verwandelt. Ein Gastbeitrag von Rolf Bolt.
Die Sprache ist ein Mittel des Ausdrucks unserer Gedanken und Emotionen. Und sie verändert sich. Laufend. Das ist nicht grundsätzlich schlecht. Dennoch sind Trends zu erkennen, auch wenn man mal die Gender-Sinnfreiheit ausklammert. Im Rahmen von Propaganda findet man oft solche Veränderungen in der Verwendung der Sprache.
«Propaganda» bezeichnet in seiner modernen Bedeutung die zielgerichteten Versuche, politische Meinungen oder öffentliche Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und das Verhalten in eine vom Propagandisten oder Herrscher erwünschte Richtung zu steuern. (Quelle: Wikipedia)
Aus Skeptikern und Kritikern werden auf einmal Leugner, Verweigerer oder noch Übleres, egal wie gut fundiert ihre Argumente sind. Wo vor Corona die Presse sich oft kritisch zu Handlungen von Regierung und Parlament äusserte und als sogenannte 4. Gewalt in der Gewaltentrennung galt, ist seit 12 Monaten bei den Konzernmedien eine einhellige Kritik-Freiheit gegenüber der Regierung eingekehrt. Die Kritik gilt nun den Gegnern der Einheitsmeinung. Nicht geldfrei, versteht sich.
Wörter mit der Endung «...frei? sind jedoch nicht immer negativ in ihrer Bedeutung. So sind wir sicherlich gerne schmerzfrei. Nicht unbeliebt sind nebenwirkungsfreie Medikamente und Impfungen. Und wenn wir im Winter mit dem eigenen Fahrzeug zur Arbeit fahren, schätzen wir es, wenn am Morgen die Scheiben und die Strassen schnee- und eisfrei sind. Auch immer gerne genommen werden phosphatfreie Waschmittel und pestizidfreie Nahrungsmittel. Neuerdings auch immer mehr laktose- und glutenfrei. Wir wünschen uns eine kriegs- und konfliktfreie Welt, in welcher wir gewaltfrei miteinander kommunizieren können.
Je länger sie andauert, desto mehr bringt uns die Corona-Zeit jedoch mit den lichtfreieren Seiten der «...frei»-Wörter in Berührung. So wirken die C-Massnahmen der Regierung auf viele Menschen frei von:
• Vernunft und Verstand
• Empathie
• Evidenz
• Sinn
• positiven Perspektiven
• Hoffnung
• Lebensfreude
• Nähe und Wärme
• (Mit-)Menschlichkeit
• Begegnung
• Berührung
• freudvollen Kontakten
• und vielem mehr.
Das Parlament macht mutfrei mit, wie in der vergangenen Session zu beobachten war. Und auch die Kantonsregierungen singen widerstandsfrei das gleiche langweilige Lied, um ja spannungsfrei mit der Landesregierung weiter zusammen-arbeiten zu können.
Illusionsfrei muss man leider feststellen, dass wir uns immer mehr in eine Demokratie-Freiheit bewegen. Denn keiner der für uns Entscheidenden hat uns je gefragt, ob wir das alles so wollen. Hochbetagte werden einwilligungsfrei getestet, isoliert und beim kleinsten Anzeichen ins Spital verfrachtet, wo sie kontakt- und zuneigungsfrei in die ewigen Jagdgründe eingehen.
An den Schulen wird die Distanz- und Maskenpflicht kompromissfrei durchgesetzt, rücksichtsfrei gegenüber der gesundheitlichen Entwicklung unserer schutzbedürftigen Kinder und Jugendlichen.
Abstimmungsfrei werden unsere mühsam verdienten Steuergelder verbraten für völlig sinn-, evidenz- und wirkungsfreie Massnahmen. 100% gesundheitsförderungsfrei.
Und dies alles, weil die Pharmabranche keine test- und impffreie Welt will. Wir sollen auch nicht wieder distanz- und maskenfrei werden. Und digitalfrei erst recht nicht. Sonst bleiben wir womöglich noch frei von lebenslanger, unnötiger Kontrolle durch internationale Grosskonzerne und Geheimdienste.
Wenn wir jedoch zunehmend einkommensfrei der staatlichen Willkür ausgesetzt werden, sinn-, hoffnungs- und perspektivenfrei vor uns hinvegetieren, verlässt uns in nicht allzu ferner Zeit auch noch das letzte Fünkchen Lebensenergie. Als Tote sind wir dann endlich ... steuerfrei.
Wenn wir nicht aufpassen, sind wir aber vielleicht schon bald freiheitsfrei. Alternativfrei.
Derzeit noch nicht Calanda-frei aus Graubünden, cordials salids.
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