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Die Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons St.Gallen hat im vergangenen Jahr verstärkt eigene Projekte initiiert. Gerade in der heutigen Zeit werde es immer wichtiger, sich für den Erhalt von demokratischen Werten einzusetzen, sagte Johannes Gunzenreiner, ggk-Präsident an der Jahresversammlung.
Kriege, Klimawandel, Populismus: Aktuell gibt es einige Herausforderungen, die alle Menschen, ob in einzelnen Krisengebieten oder in eher stabilen Gesellschaften, stark beschäftigten. Eine latente Verunsicherung macht sich breit. Die Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons St.Gallen (ggk sg) beobachtet dies mit Sorge. «Es führt uns aber auch zur Überzeugung, dass das Engagement jedes einzelnen mit Fokus auf das Gemeinwohl eine wichtige Grundlage für eine intakte Gesellschaft ist», sagte ggk-Präsident Johannes Gunzenreiner an der Jahresversammlung vom Montag, 27. Mai 2024, im Raum für Literatur in St.Gallen. Zudem werde es immer wichtiger, sich aktiv für den Erhalt von demokratischen Werten und Strukturen einzusetzen. «Wir müssen gemeinsam handeln, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und die demokratischen Grundwerte zu bewahren. Genau hier setzt das Engagement der ggk an.»
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Mehr eigene Projekte lancieren
Im Jahresbericht blickte Johannes Gunzenreiner auf das vergangene Jahr zurück. Dabei erwähnte er unter anderem die Jahresversammlung im Square an der Universität St. Gallen, an der das Jubiläumsprojekt www.sozialgeschichte.ch gewürdigt wurde. «Die finanzielle Unterstützung seitens ggk ist abgeschlossen», so der Vereinspräsident. Dank weiterer Stiftungen könne das Projekt aber fortgesetzt werden. Er erinnerte auch an das GGK-Forum zum Thema «Zukunft unbekannt: wie KI unser gesellschaftliches Zusammenleben beeinflusst», das in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (PHSG) organisiert wurde. Eine finanzielle Unterstützung durch die ggk sg bekamen im Jahr 2023 verschiedene gemeinnützige Projekte und Institutionen, wie der Verein Latzhose zur Förderung von Inklusion in St.Gallen, der Verein Frauenspur Gossau für sein zweites Buchprojekt «Frauenspuren», der Freiwilligenmonitor der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft sowie das Projekt «JugendkonferenzSGAIAR», das im November 2023 zusammen mit rund 100 Jugendlichen aus den Kantonen St.Gallen und beider Appenzell durchgeführt wurde.
Der Vorstand der ggk sg möchte weiterhin verstärkt eigene Projekte initiieren und zusammen mit externen Partnern umsetzen. Ein solches ist der «Demokratibus – Demokratie trifft Schule». Die ggk sg ist dabei die Initiantin, die Fachstelle Demokratiebildung und Menschenrechte der PHSG hat die Projektleitung inne. «Die Schule ist in demokratischen Gesellschaften ein zentraler Ort, an dem Kinder und Jugendliche Demokratie lernen können», sagte Johannes Gunzenreiner. Deshalb soll der Bus, der interaktive Impulseinheiten und Anschauungsmaterial zum Thema beinhaltet, zusammen mit Expertinnen und Experten sowie Studierenden der PHSG an Ostschweizer Schulen haltmachen. Im Schuljahr 2025/26 wird das Projekt in ausgewählten Schulen getestet. Danach soll der Demokratiebus im schulischen Regelbetrieb etabliert werden.
Die anwesenden Mitglieder genehmigten nebst dem Jahresbericht auch die Jahresrechnung 2023. Als neues Mitglied der Kontrollstelle wurde Heinz Loretini gewählt. Er ersetzt Daniel Jordan, der auf die Jahresversammlung hin zurückgetreten ist. Heinz Loretini war bis Ende April 2024 Leiter des Finanzamts der Stadt Gossau und ist seither pensioniert. Er präsidiert die Gemeinnützige und Hilfsgesellschaft der Stadt St.Gallen sowie die Spitex Gossau.
**Diskussion über neue Volksinitiative **
Im Anschluss an die Jahresversammlung diskutierten die beiden GGK-Vorstandsmitglieder Larissa Schuler und Donat Ledergerber mit Noémie Roten über die Volksinitiative «Für eine engagierte Schweiz» («Service-citoyen-Initiative»). «Unser Milizsystem ist Garant für ein gutes und sicheres Zusammenleben in der Schweiz, doch es verliert an Boden», sagte Noémie Roten, Kampagnenleiterin und Geschäftsführerin von servicecitoyen.ch. Die Initiative fordert deshalb, dass jeder junge Mensch als Teil der Grundausbildung einen Einsatz zugunsten der Allgemeinheit und der Umwelt leistet; in der Armee, im Zivilschutz, im Zivildienst oder in einem anderen Milizbereich. «So setzen sich alle jungen Menschen vielfältig für die Gemeinschaft ein – nicht mehr nur die Schweizer Männer in der Armee.» Gegner der Initiative befürchten, dass ein obligatorischer Gemeinschaftsdienst zu Lohndumping führt, andere Engagements von Freiwilligen und die Care Arbeit in Haushalt und Familie schwächt sowie gegen das völkerrechtliche Zwangsarbeitsverbot verstosst. «Mit dem Militärdienst haben wir bereits heute ein Obligatorium», sagte Noémie Roten. «Wenn dieses mit dem Völkerrecht vereinbar ist, dann ist es auch Service Citoyen, das uns ja mehr Freiheiten und Wahlmöglichkeiten erlaubt.» Zudem sei es nicht die Idee von Service Citoyen, gut qualifizierte Arbeitskräfte zu ersetzen. «Die Bereiche, in denen wahrscheinlich am meisten neue Einsätze geleistet würden, sind in der Pflege und im Umweltschutz – und das sind Systeme, die bereits heute überfordert sind.» Die Geschäftsführerin von servicecitoyen.ch ist überzeugt, dass junge Menschen im obligatorischen Gemeinschaftsdienst neue Kompetenzen entwickeln, Leuten mit völlig anderen Lebensrealitäten treffen, Kontakte zu Personen und Institutionen knüpfen und lernen, im Notfall richtig zu reagieren. «Wer sich früh für andere einsetzt, ist später auch eher bereit, sich freiwillig (weiter) zu engagieren.»
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