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Linke Narrenfreiheit am Openair

«I bi rechts, ich bi rechts» – Zu viel Politik ist eine Gefahr für die Festivals

Noch läuft die Festivalsaison. Das Openair St.Gallen ist aber bereits wieder Geschichte. Und leider machte es vor allem Schlagzeilen aufgrund politischer Themen und nicht wegen der Musik. Es hätte aber noch schlimmer kommen können.

Jennifer Rissi am 20. Juli 2023

Das OASG ist passé. Im Vorfeld war mir bewusst, dass einige Bands, wie zum Beispiel Kraftklub und Feine Sahnefischfilet eine eher linke politische Ausrichtung haben.

Ich wollte als Besucherin aber natürlich neutral an die Sache herangehen. Nun ja, meine Befürchtungen haben sich dann aber doch bewahrheitet.

Antifa-Flaggen vor der Bühne, Parolen auf der Bühne und Beleidigungen gegen die SVP («Für die Scheiss-Wixxer von der SVP») wurden zum Besten gegeben. Immer wieder schallte ein Strom von Parolen und Ideologien durch die Lautsprecher.

Manchmal fühlte es sich an, als wäre ich in einem politischen Manifest gefangen. Ich habe nichts gegen künstlerische Freiheit, da darf auch ein bisschen Politik dabei sein, aber das war doch einiges zu viel.

Stelle man sich nur mal vor, es gäbe rechtsgesinnte Bands, die ihre Parolen auf einer öffentlichen Bühne wie dem OASG lautstark verbreiten würden. Oder ihre Songtexte würden mit Zeilen wie "I bi rechts, i b rechts, mini Elterä sind rechts und alli mini Fründe sind rechts" gefüllt sein.

Kaum auszumalen, welche Ausmasse das annehmen würde.

Die Schreie der Empörung und die Proteste würden eine neue Dimension erreichen. Die schweizerischen Medien würden förmlich explodieren. Das OASG würde in Verruf geraten. Nicht so aber bei dem ganzen «Linken Theater», da herrscht anscheinend Narrenfreiheit, das nimmt man einfach so hin, ohne Konsequenzen.

Es gibt rechte Bands, die stehen von dem Verfassungsschutz in Deutschland unter Beobachtung, sind sogar teilweise verboten.

Warum man dies macht? Anscheinend wird in ihren Texten Hass geschürt und zur Gewalt aufgefordert.

Unsere linksextremen Bands am Openair St. Gallen hatten da aber ganz ähnliche Tendenzen.

Ausserdem kenne ich kaum eine Band, auch wenn eher rechts, die sich auf der Bühne so politisch reinhängt, wie es die Linksextremen tun. Es ist fast so, als würde die Bühne genutzt werden, um eine politische Agenda voranzutreiben.

Sollte das OASG nicht einfach ein neutraler Ort bleiben? Und die Krawalle: können die bitte wieder an Zürich abgeben werden? Die Politik sollte, genau wie die Flaggen von der ANTIFA vor dem Festival-Eingang abgelegt werden. Politische Diskussionen sind sicherlich wichtig, sie gehören aber nicht an ein Festival. Schliesslich geht man zum Festival, um eine gute Zeit zu haben, die Musik zu hören und die Stimmung zu geniessen.

Ich hoffe, dass das Openair St. Gallen die Situation ernst nimmt. Selbst wenn die Verantwortlichen versuchen, die Angelegenheit herunterzuspielen oder zu ignorieren, bin ich mir sicher, dass das Publikum dies nicht einfach so hinnehmen wird. Die Stimmen von der anderen Seite sind laut, selbst von den neutralen Rängen. Die Menschen sind zunehmend sensibilisiert für politische Themen und reagieren entsprechend darauf - und das wird auf Dauer nicht gut enden.

Wir möchten keinen zweiten 1. Mai im Sittertobel - oder?

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Autor/in
Jennifer Rissi

Jennifer Rissi arbeitet als Sekretärin in einer Anwaltskanzlei und teilzeit in einer Bar in St.Gallen. Für «Die Ostschweiz» schreibt sie über die hiesige Ausgangsszene.

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