logo

Zeyer zur Zeit

Jeder hat das Recht

Grundrechte bilden das Fundament einer freiheitlichen Zivilisation. Eine Pandemie gefährdet die Gesundheit. Beschneidung der Grundrechte gefährdet die Gesellschaft.

«Die Ostschweiz» Archiv am 28. Oktober 2021

Freiheiten benützt man, ohne sich Gedanken darüber zu machen, was für ein Privileg sie darstellen. Und wie schnell sie gefährdet sein können.

Verfassungsmässige Grundrechte, das weiss jeder Laie, sollten unantastbar sein. Dazu gehören Meinungs-, Versammlungs- und Bewegungsfreiheit. Sowie die Freiheit von Zwang, ausser der ist gesetzlich legitimiert.

Die eigene Freiheit findet normalerweise dort ihre Grenze, wo sie die Freiheitsrechte von anderen tangiert. Dem Staat, beziehungsweise seinen Organen, ist es vorbehalten, Regeln notfalls auch mit Gewalt durchzusetzen. Soweit die Grundlagen der Staatskunde. Bevor gegähnt wird: die Pandemie gefährdet nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Freiheit.

Wer das beklagt, wird normalerweise als Wirrkopf, Corona-Leugner, Aluhut-Träger oder gestörter Freiheitstrychler abgekanzelt. Dabei sitzen Antidemokraten an medialen Schalthebeln. So der Politchef des grössten Medienkonzerns der Schweiz Denis von Burg. Der fordert – flächendeckend multipliziert durch die unzähligen Kopfblätter von Tamedia – Zwangsimpfungen, obwohl es keinen Impfzwang gibt. Theoretisch.

Auf der anderen Seite melden Staatsrechtsprofessoren schwere Bedenken bezüglich der Einschränkungen von Freiheitsrechten durch das Covid-19-Gesetz an. Sie stellen es sogar grundsätzlich in Frage. «Die Änderung des Covid-19-Gesetzes ist ein weiterhin verfassungswidriges Vorhaben.» Schreibt Andreas Kley in der NZZ. Der Professor für öffentliches Recht, Verfassungsgeschichte sowie Staats- und Rechtsphilosophie an der Universität Zürich bemängelt, dass das Covid-Gesetz dem Bundesrat ein «Kompetenzgeschenk» mache: «Es will lediglich gesetzliche Grundlagen für schon bestehende (Not-)Verordnungen schaffen.»

Schlimmer noch: «Im Gesetz heisst es immer wieder «Der Bundesrat kann, kann, kann . . .»» Es handle sich um ein «undemokratisches Vorhaben», «die Bundesgesetze dürfen keine inhaltsarmen Blankettgesetze sein». Also im Wesentlichen nur Verweise auf andere Gesetze enthalten.

Schlimmer noch: «Das Gesetz übergeht den Verfassungsgeber und damit Volk und Stände. Der Titel des Covid-19-Gesetzes dokumentiert ein substanzielles Versagen der Bundesversammlung. Sie nimmt ihre Kernaufgabe, die Gesetzgebung, nicht ernst.»

Schlimme Schlussfolgerung: «Das demokratisch gewählte höchste Organ des Bundes hat mit dem Covid-19-Gesetz und seinen Änderungen zwei wichtige Artikel der Bundesverfassung missachtet und die schweizerische Demokratie grob beschädigt.»

Beat Rieder ist Ständerat der «Mitte», Advokat und Notar. Ausserdem ist er Präsident der Rechtskommission der «chambre de réflexion» und machte sich dort dafür stark, die Hürden für superprovisorische Verbote der Publikation von Artikeln niedriger zu legen. Dafür wurde er auch auf ZACKBUM scharf kritisiert. 

Aber nun sagt er zur Zertifikatspflicht und dem Impfpass, das sei grundrechtswidrig, unhaltbar, ein «Missgriff». Das Gesetz sei überstürzt zusammengenagelt worden, wirtschaftliche Auswirkungen und mögliche Einschränkungen der Grundrechte seien nicht genügend berücksichtigt.

Oder in einem Satz: «Wir befinden uns seit Ausbruch der Krise auf einer schiefen Ebene und bewegen uns eigentlich immer mehr in Richtung der Verletzung elementarster Grundrechte in der Schweiz», gibt er gegenüber CH Media zu Protokoll.

Der Artikel des renommierte Rechtsprofessors erschien am 20. Oktober immerhin in der NZZ. Eine gewichtige Kritik auf einer seriösen Plattform. Reaktion? Null. Während sich ein FAkefakten-Checker von Tamedia immerhin bemüssigt sah, mit untauglichen Mitteln eine Harvard-Studie zu desavouieren, ohne deren Kernaussage, dass es keine signifikante Korrelation zwischen Impfquote und Anzahl Infektion gibt, widerlegen zu können, herrscht hier einfach Schweigen.

Das ist bedenklich. Denn sowohl der Rechtsprofessor wie der Präsident der Rechtskommission wie ein Harvard-Professor könnten sich tatsächlich irren. Aber ihre Analysen, Erkenntnisse und Argumente haben dermassen Gewicht, kommen aus berufenem Mund, dass eine ernsthafte öffentliche Debatte im Vorfeld der Referendums-Abstimmung über das Corona-Gesetz dringend geboten wäre.

Aber stattdessen herrscht in den Mainstreammedien aufkommende Panik, dass das Referendum, das mit aller Medienmacht bekämpft wird, angenommen werden könnte. Obwohl Tamedia, CH Media und Ringier – im Verbund mit der SRG – alles dafür tun, es zu diskreditieren, Befürworter als Verwirrte, Verpeilte, Gestörte, gar gewaltbereite Irre abzustempeln.

Noch angefasster reagieren diese Meinungsmonopolisten, wenn nun auch immer mehr linke Gruppierungen oder Exponenten wie Sibylle Berg sich als Gegner des Gesetzes positionieren. «Trychler und Antifa» brachte das der «Blick» schreckensbleich auf den Punkt. Statt ihre Aufgabe als Meinungsforum wahrzunehmen, wird immer hemmungsloser der eigene Ruf, soweit noch vorhanden, ruiniert.

Gewichtige kritische Stimmen werden ignoriert oder niedergemacht. Wenn am Donnerstag weniger Manifestanten als sonst in Bern auftreten, wird schon jubiliert, dass der Pupf wohl draussen sei. Füllen dann am Samstag Zehntausende den Bundeshausplatz und die umgebenden Strassen, dann werden die in Kleinstmeldungen auf «wenige tausend» runtergestuhlt. Erst nach massivem Protest wird zähneknirschend eingeräumt, dass diese «ersten Schätzungen» vielleicht eine Idee zu niedrig gewesen sein könnten.

Die Pandemie wird vorübergehen, mit diesem Gesetz oder ohne. Die Beschädigung der Glaubwürdigkeit der Medien wird bleiben, die Kritik an einer zusätzlichen Steuermilliarde für diese peinliche Leistung ansteckend werden. Denn ein solcher Schmierenjournalismus, solche ungehemmte Antidemokraten wie Denis von Burg bei Tamedia haben es wirklich nicht verdient, mit Steuergeldern belohnt zu werden.

Sollte das Referendum abgelehnt werden, werden auch unsere Freiheitsrechte tangiert bleiben, was noch unerträglicher wäre. Aber die spürbar anschwellende Panik der Gegner macht Hoffnung.

Einige Highlights

Uzwilerin mit begrenzter Lebenserwartung

Das Schicksal von Beatrice Weiss: «Ohne Selbstschutz kann die Menschheit richtig grässlich sein»

am 11. Mär 2024
Im Gespräch mit Martina Hingis

«…und das als Frau. Und man verdient auch noch Geld damit»

am 19. Jun 2022
Das grosse Gespräch

Bauernpräsident Ritter: «Es gibt sicher auch schöne Journalisten»

am 15. Jun 2024
Eine Analyse zur aktuellen Lage

Die Schweiz am Abgrund? Wie steigende Fixkosten das Haushaltbudget durcheinanderwirbeln

am 04. Apr 2024
DG: DG: Politik

«Die» Wirtschaft gibt es nicht

am 03. Sep 2024
Gastkommentar

Kein Asyl- und Bleiberecht für Kriminelle: Null-Toleranz-Strategie zur Sicherheit der Schweiz

am 18. Jul 2024
Gastkommentar

Falsche Berechnungen zu den AHV-Finanzen: Soll die Abstimmung zum Frauenrentenalter wiederholt werden?

am 15. Aug 2024
Gastkommentar

Grenze schützen – illegale Migration verhindern

am 17. Jul 2024
Sensibilisierung ja, aber…

Nach Entführungsversuchen in der Ostschweiz: Wie Facebook und Eltern die Polizeiarbeit erschweren können

am 05. Jul 2024
Pitbull vs. Malteser

Nach dem tödlichen Übergriff auf einen Pitbull in St.Gallen: Welche Folgen hat die Selbstjustiz?

am 26. Jun 2024
Politik mit Tarnkappe

Sie wollen die angebliche Unterwanderung der Gesellschaft in der Ostschweiz verhindern

am 24. Jun 2024
Paralympische Spiele in Paris Ende August

Para-Rollstuhlfahrerin Catherine Debrunner sagt: «Für ein reiches Land hinkt die Schweiz in vielen Bereichen noch weit hinterher»

am 24. Jun 2024
Politik extrem

Paradox: Mit Gewaltrhetorik für eine humanere Gesellschaft

am 10. Jun 2024
Das grosse Bundesratsinterview zur Schuldenbremse

«Rechtswidrig und teuer»: Bundesrätin Karin Keller-Sutter warnt Parlament vor Verfassungsbruch

am 27. Mai 2024
Eindrucksvolle Ausbildung

Der Gossauer Nicola Damann würde als Gardist für den Papst sein Leben riskieren: «Unser Heiliger Vater schätzt unsere Arbeit sehr»

am 24. Mai 2024
Zahlen am Beispiel Thurgau

Asylchaos im Durchschnittskanton

am 29. Apr 2024
Interview mit dem St.Galler SP-Regierungsrat

Fredy Fässler: «Ja, ich trage einige Geheimnisse mit mir herum»

am 01. Mai 2024
Nach frühem Rücktritt: Wird man zur «lame duck»?

Exklusivinterview mit Regierungsrat Kölliker: «Der Krebs hat mir aufgezeigt, dass die Situation nicht gesund ist»

am 29. Feb 2024
Die Säntis-Vermarktung

Jakob Gülünay: Weshalb die Ostschweiz mehr zusammenarbeiten sollte und ob dereinst Massen von Chinesen auf dem Säntis sind

am 20. Apr 2024
Neues Buch «Nichts gegen eine Million»

Die Ostschweizerin ist einem perfiden Online-Betrug zum Opfer gefallen – und verlor dabei fast eine Million Franken

am 08. Apr 2024
Gastkommentar

Weltweite Zunahme der Christenverfolgung

am 29. Mär 2024
Aktionswoche bis 17. März

Michel Sutter war abhängig und kriminell: «Ich wollte ein netter Einbrecher sein und klaute nie aus Privathäusern»

am 12. Mär 2024
Teuerung und Armut

Familienvater in Geldnot: «Wir können einige Tage fasten, doch die Angst vor offenen Rechnungen ist am schlimmsten»

am 24. Feb 2024
Naomi Eigenmann

Sexueller Missbrauch: Wie diese Rheintalerin ihr Erlebtes verarbeitet und anderen Opfern helfen will

am 02. Dez 2023
Best of 2023 | Meine Person des Jahres

Die heilige Franziska?

am 26. Dez 2023
Treffen mit Publizist Konrad Hummler

«Das Verschwinden des ‘Nebelspalters’ wäre für einige Journalisten das Schönste, was passieren könnte»

am 14. Sep 2023
Neurofeedback-Therapeutin Anja Hussong

«Eine Hirnhälfte in den Händen zu halten, ist ein sehr besonderes Gefühl»

am 03. Nov 2023
Die 20-jährige Alina Granwehr

Die Spitze im Visier - Wird diese Tennisspielerin dereinst so erfolgreich wie Martina Hingis?

am 05. Okt 2023
Podcast mit Stephanie Stadelmann

«Es ging lange, bis ich das Lachen wieder gefunden habe»

am 22. Dez 2022
Playboy-Model Salomé Lüthy

«Mein Freund steht zu 100% hinter mir»

am 09. Nov 2022
Neue Formen des Zusammenlebens

Architektin Regula Geisser: «Der Mensch wäre eigentlich für Mehrfamilienhäuser geschaffen»

am 01. Jan 2024
Podcast mit Marco Schwinger

Der Kampf zurück ins Leben

am 14. Nov 2022
Hanspeter Krüsi im Podcast

«In meinem Beruf gibt es leider nicht viele freudige Ereignisse»

am 12. Okt 2022
Stölzle /  Brányik
Autor/in
«Die Ostschweiz» Archiv

«Die Ostschweiz» ist die grösste unabhängige Meinungsplattform der Kantone SG, TG, AR und AI mit monatlich rund einer halben Million Leserinnen und Lesern. Die Publikation ging im April 2018 online und ist im Besitz der Ostschweizer Medien AG.

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.