Seit einer Woche hat der Kanton St.Gallen wieder zwei Ständeräte. Und am 20. Oktober 2019 müssen beide zur Wiederwahl antreten. Die FDP, die ihren Sitz verloren hat, wird ihn verteidigen: Sie informiert am Montag, 27. Mai 2019 über ihr Vorgehen - und über ihre Kandidatur.
Eine wirkliche Überraschung ist es nicht, dass die St.Galler FDP am 20. Oktober 2019 bei den Gesamterneuerungswahlen einen der bisherigen Ständeratssitze angreifen wird. Sie hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie einen der Sitze als den «ihren» ansieht. Und der Verlust vom 19. Mai, als Benedikt Würth (CVP) gewählt wurde, wiegt schwer - wenn auch dieser Verlust ebenfalls nicht völlig überraschend war.
Nun sind aber auch die letzten Zweifel ausgeräumt. Die FDP des Kantons St.Gallen lädt am Montagvormittag zur Medienkonferenz ein. Dann will sie informieren über «das weitere Vorgehen sowie die FDP-Kandidatur». Will heissen: Das bewusste Vorgehen bedeutet laut dieser Formulierung mit Sicherheit eine Kampfkandidatur.
Die Einladung kommt sehr kurzfristig. Ein Zeichen dafür, dass die Partei unmittelbar nach der Wahlniederlage vom 19. Mai begonnen hat, eine Kandidatur zu suchen und diese möglichst schnell publik machen will.
In erster Linie geht es der FDP darum, den Sitz zurückzuholen: Dennoch: Diese Kampfkandidatur muss in erster Linie SP-Ständerat Paul Rechsteiner gelten. Im Erfolgsfall wäre dann das frühere bürgerliche Duo aus CVP und FDP wieder hergestellt. So harmonisch sich seit einigen Jahren das frühere Duo aus FDP und SP gab, so klar ist, dass sich bei einigen relevanten Fragen vor allem rund um Wirtschaft oder Soziales eine geteilte Standesstimme ergab. Auf Kosten des neuen Ständerats Würth in die kleine Kammer einzuziehen, kann für die FDP nur halbwegs befriedigend sein.
Das würde bedeuten, dass es der FDP gelingen muss, einen bürgerlichen Block für diese Wahl zu bilden, um eine Chance zu haben. Die SVP aber wird zumindest im ersten Wahlgang mit Sicherheit ebenfalls antreten. Und die CVP wird wenig Lust haben, einen Gegenkandidaten zu Rechsteiner zu unterstützen, weil ihr bei diesem Verhalten die Stimmen von links flöten gehen.
Nach einem Block sieht das zumindest in der ersten Runde nicht aus. Kommt der CVP-Mann am 20. Oktober durch, Rechsteiner aber nicht, sieht für den zweiten Wahlgang im November alles wieder anders aus.
Wer aber wird für die FDP das Unternehmen Ständerat in Angriff nehmen? Im Fokus steht derzeit FDP-Nationalrat Marcel Dobler. Von allen möglichen Optionen ist seine Kandidatur die aussichtsreichste. Er hat sich in den dreieinhalb Jahren als Nationalrat in Bern und im Kanton St.Gallen einen Namen gemacht und gilt als engagierter Wahlkämpfer. Dass er interessiert ist an einem Wechsel in den Ständerat, ist ebenfalls bekannt.
Über sehr viel mehr chancenreiche Alternativen verfügt die FDP nicht. Sonst hätte sie die Verteidigung des Sitzes kaum mit der kantonsweit vor dem Wahlkampf wenig bekannten Susanne Vincenz-Stauffacher gewagt - wobei diese im Nachhinein ein sehr achtbares Resultat erreicht hat.
Das Antreten mit einem Mann hat eine unschöne Komponente. Im Wahlkampf zur Ersatzwahl hatte die FDP fleissig für eine Frau geworben und immer wieder von den Vorteilen eines geschlechtlich gemischtes Teams gesprochen. Ein Stück weit würde sich die Partei jetzt untreu, wenn sie mit einem Mann kommt.
«Die Ostschweiz» wird am Montagvormittag berichten.
Stefan Millius (*1972) ist freischaffender Journalist.
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