Elon Musk und seine Firmen: Das ist auch ein «Big Reset» für die Welt, aber einer ganz nach meinem Gusto. – Ein Gastbeitrag des Schweizer Raumfahrtexperten Bruno Stanek in zwei Teilen.
Bild oben: Elon Musk (Bild: Wikimedia/ Dmoberhaus)
Nachhaltigkeit bei Autos und Raketen machte einen «Technologischen Reset» seit der Energiespar-Eskalation bitter nötig. Die Politik tat wirklich alles, um uns in die Sackgasse zu manövrieren, welche uns technophobe Philosophen und Grüne, nicht etwa technikkundige Technokraten, vorgezeichnet hatten. Die Kapriolen der Schildbürger mit der von den 1950er- bis 1970ern überzeugenden und binnen nur 20 Jahren erfolgreich in der Schweiz angewendeten Kernenergie gehörten eigentlich bereits an diese Stelle, denn die Irrationalität als Bremskraft gegen jeden Fortschritt ist natürlich der Dachverband von allem, was auch mit dem Widerstand gegen die täglich sichtbar logischen Erfolge von Elon Musk zu tun hat.
Der «Reset» im All von etwa 2010-2015
Schon immer reagierte Unverstand mit vehementer Ablehnung, von der Maschinenstürmerei bis zur Dampfkraft vor den bald zu feiernden rund 200 Jahren. Vom ersten bis zum letzten Mondbesucher Neil Armstrong und Gene Cernan bezeichneten noch vor acht Jahren alle ausgerechnet den 10 bis 100-fach alles verbilligen Pionier als Scharlatan! Alleweil schön loyal zu ihrem ehemaligen Arbeitgeber, der NASA. Derlei tat dem verdienten Pionier, von bedeutungslosen TV-Moderatoren schnöde weltweit exponiert, jeweils sichtbar weh. Er würde nie eine wiederverwendbare Rakete zum Erfolg bringen, hiess es im Brustton der Überzeugung, obwohl genau diese Kunst von unmöglich geglaubter Stufenbergung etablierte Raumfahrtfirmen und nationale Organisationen in wenigen Jahren wegen Preiszerfall buchstäblich vernichtet hat. Die Steuerzahler hat das allerdings gefreut.
Bis Mitte April 2022 sind jetzt 151 Falcon-Erststufen fehlerfrei gestartet, wieder 112 gelandet und 90 mehrmals gestartet worden! Falscher könnten bisher teuer honorierte Prognosen als «Beweis» für Erfolglosigkeit von SpaceX gar nicht liegen!
Anderseits stellte der US-Inspector General im Februar 2022 fest: die ersten vier Mondflüge vom Typ SLS-Artemis von «Old Space NASA» würden trotz Milliarden Dollar bereits verlochter Entwicklungskosten je 4.1 Mia Dollar kosten! Falls man sie nicht augenblicklich auf dem Friedhof der Technologiegeschichte entsorgt, muss man beifügen. Im Moment wird zwar der jeweils nächste Testtermin im Tagesrhythmus verschoben. Wie soll das Space Launch System (SLS) jemals billiger werden, wenn die Hardware überhaupt nicht wiederverwendbar ist?
Der rasche Bau neuer Flugeinheiten liefert SpaceX anderseits ständig zuverlässigere Kosten-Kalkulationen pro Flug, als dies Papierstudien über Jahre tun könnten. Derzeit rechnet man bei einem StarShip-Flug mit etwa 5 Millionen Dollar pro Start. Selbst wenn das Luftamt mit einem einzigen juristischen Federstrich einen Start um z.B. 6 Monate verzögert, kann sich SpaceX bereits leisten, die nächstmodernere Flugeinheit zum Test vorzuziehen und für kaum mehr als die genannten 5 Millionen zum Start vorzubereiten. 800mal preiswerter als jeder einzelne SLS-Artemis-Mondflug allein auf dem Papier!
Es wird noch schöner: Im Falle des Weiterfluges aus dem niederen Satellitenorbit zur einfachen Mondumkreisung ist das ganze Lande- und Rückkehr-Schiff (also die Oberstufe des Zweistufen-StarShips) jedes Mal von Anfang an dabei! Es braucht nicht z.B. einen von einer weiteren Firma risikobehaftet entwickelten Mondlander für eine Landemission, dazu eine zusätzliche Wiederaufstiegsstufe wie einst bei Apollo 1969-1972. Dies wäre so etwa die Technologiestufe, auf der die NASA und ihre Hoflieferanten stecken geblieben sind, wenn man den Space Shuttle nicht in Betracht zieht, weil jener gar nicht mehr bis zum Mond fliegen konnte. Sogar die noch viel komplexeren Marslandungen werden mit den genau gleichen StarShips möglich, sobald man sie nachtanken kann! Mit diesem nächsten Schritt will SpaceX schon im Jahr 2023 beginnen.
Wie man es auch betrachtet: Nirgends kommt Elon Musks Ingenieur-Weisheit Nr. 1 besser zur Geltung als bei seinen eigenen Projekten: Kein zusätzlich neuer Teil ist immer der beste Teil! In seiner englischen Kurzfassung: No part is the best part.
Teil 2 folgt am Mittwoch, 20. April 2022.
Bruno Stanek (1943) aus Raumfahrtexperte und Fernsehmoderator. Nach einem Mathematikstudium an der Eidgenössischen Technischen Hochschule, das er mit der Promotion 1971 abschloss, begann Stanek freiberuflich als Mathematiker und Schriftsteller zu arbeiten. Bekannt wurde er vor allem als wissenschaftlicher Experte für Raumfahrt, nachdem er die Fernsehübertragung der Mondlandung 1969 im Schweizer Fernsehen kommentiert hatte. Nach zahlreichen Auftritten in Live-Sendungen zu grösseren Raumfahrtereignissen erhielt er 1975 und 1976 eine eigene Sendereihe unter dem Titel Neues aus dem Weltraum. Als 1992 bis 1996 der Schweizer Claude Nicollier dreimal ins All flog, erlebte Stanek ein Comeback als populärer Raumfahrtexperte. Daneben führte er auf begleiteten Reisen Interessierte durch verschiedene Raumfahrtzentren der USA und wirkte an der Gestaltung des Raumfahrt-Pavillons im Mystery Park mit
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