In Sachen Corona war bisher von ihm nichts zu hören. Nun wird der Thurgauer Unternehmer Karl Müller aktiv. Der Namensgeber des «Kybunpark» hat eine Vereinigung gegründet, die den Lockdown bekämpfen will.
«Wenn du auch genug hast von den ständigen Lockdowns mit seinen Zwangsmassnahmen und auch glaubst, dass wir Schweizer mündig genug sind, uns und unsere Mitmenschen selbst zu schützen, dann trage dich als 'Sympathisant' in die Liste im Link unten ein.»
Das ist ein Absatz aus einer Nachricht, die derzeit kursiert. Absender ist ein «Aktionsbündnis Ostschweiz», der Meldung angefügt ist ein kurzer Videoclip, in dem der Unternehmer Karl Müller, Präsident des Vereins, über seine Beweggründe spricht. Müller ist eine der schillerndsten Figuren der Ostschweiz. Er hat einst die MBT-Technologie erfunden, die zur gleichnamigen Schuhmarke führte. Diese verkaufte er später, um mit der Marke Kybun noch einmal durchzustarten. Vor einem halben Jahr zog er sich dort als CEO zurück, amtet aber weiter als Verwaltungsratspräsident.
Mit Kybun ist der Unternehmer auch der Namensgeber des Stadion des FC St.Gallen, des Kybunpark. Es ist deshalb zu erwarten, dass seine klare Wortmeldung nachhallt und einiges auslöst – Kritik inbegriffen.
Das Engagement des 69-Jährigen Roggwilers kommt überraschend. Aber es scheint von langer Hand vorbereitet. Das Aktionsbündnis hat eine Webseite bereitgestellt, die Namen der Leute, die den Verein tragen, sind zum Teil klingend. An Karl Müllers Seite ist die Thurgauer SP-Kantonsrätin Barbara Müller als Vizepräsidentin aktiv, dazu kommen weitere Thurgauer Parlamentsmitglieder wie Hermann Lei (SVP), Peter Schenk (EDU) und Oliver Martin (SVP).
Ausserdem werden weitere Unterstützer aufgeführt, die in Sympathisanten und Politiker aufgeteilt werden. Die erste Gruppe umfasst zum Stand von 8. Mai rund 400 Personen. Unter den Politikern sind neben den erwähnten Personen auch die SVP-Nationalräte Mike Egger (SG), Roland Rino Büchel (SG) und David Zuberbühler (AR) dabei, ausserdem weitere Kantons- und Gemeinderäte.
Als Ziel gibt das «Aktionsbündnis Ostschweiz» an: «Wir fordern, den Lockdown sowie sämtliche Zwangsmassnahmen sofort zu beenden.» Die Mitglieder und Unterstützer seien «freiheitsliebende und kritisch denkende Menschen, die in den aktuellen Corona-Massnahmen keine zielgerichtete Lösung sehen.» Man sei nicht bereit, die Freiheit der Sicherheit zu opfern, wobei in den Sternen stehe, «um welche 'Sicherheit' es sich dabei denn handeln soll.» Man sehe bei vielen Leuten, dass die Angst vor dem Virus in eine Angst vor Bussen und Bestrafung kippe – «also eine künstliche Konsequenz.»
Aus Sicht des «Aktionsbündnis Ostschweiz» wurde nach Ausbruch der Viruserkrankung weltweit bewusst die Angst geschürt mit gezielten Aussagen über eine mögliche Gefahr. «Immer mehr wurden renommierte Experten, welche eine andere Ansicht vertraten oder die Massnahmen kritisch hinterfragten als Spinner, Corona-Leugner oder Verschwörungstheoretiker hingestellt», heisst es weiter. Ärzte, Professoren, Wissenschaftler, Polizisten, Lehrer und viele andere, welche sich gegen das Narrativ stellten, seien zwangsversetzt worden, verloren ihren Job oder ihre Behandlungszulassung, Menschen mit anderer Meinung zu den Massnahmen würden in den öffentlichen Medien «immer mehr als lächerlich hingestellt oder man zensiert ihre Meinung grundsätzlich.»
Die Ostschweizer Gruppe wolle sich für eine Welt einsetzen, «in der sich Wissenschaftler zusammensetzen, um über die Wahrheit mit all ihren Perspektiven zu sprechen und Wissen auszutauschen», in der jeder seine Meinung sagen könne «und wir gemeinsam entscheiden, wo die Reise hingehen soll. Das bedeutet für uns Demokratie.»
Stefan Millius (*1972) ist freischaffender Journalist.
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