Die Grünen fordern: Job-Sharing im Bundesrat. Wir zeigen exklusiv alle Vorteile dieses Modells.
Es ist das Schicksal jeder weltverändernden Idee: Zuerst wird sie als unmöglich taxiert, später als selbstverständlich. Das dürfte auch beim neuesten Wurf aus den Kreisen der Grünen so sein: Sie wollen Regierungsämter im Jobsharing ermöglichen. Im Parlament der Stadt Bern ist die Vision bereits aufgegleist und soll bald kommen.
Das weckt Appetit nach mehr. Eine grüne Nationalrätin sieht das Modell auch für den Bundesrat. 14 von ihnen hätten wir dann, jeweils zwei teilen sich ein Departement. Klingt verrückt, hat aber Vorteile. Und zwar diese:
Schwingfestveranstalter, regionale Wirtschaftsforen und Jodelclubs jubeln: Auf einen Schlag können doppelt so viele Hundsverlocheten von Bundesräten besucht werden als bisher (wobei man natürlich zuerst den einen oder anderen Helikopter mehr anschaffen muss).
Man muss nicht mehr beleidigt sein, wenn man als halber (SVP-)Bundesrat bezeichnet wird wie einst Samuel Schmid. Der Begriff ist dann ja zutreffend für alle.
Dossiersicherheit: Mindestens einer von zwei wird vor der Bundesratssitzung die Akten seines Departements ja sicherlich gelesen haben - und vielleicht sogar verstanden.
Bundesrat 2 kann Bundesrat 1 wecken, wenn er kurz einnicken sollte - oder umgekehrt. Oder ihn schlafen lassen und ihm wenigstens nach der Sitzung eine Kurzzusammenfassung liefern. Johann Schneider-Ammann wäre vermutlich länger im Amt geblieben, wenn es das schon früher gegeben hätte.
Wir können endlich alle Regionen berücksichtigen, die immer wieder bei Bundesratswahlen übergangen werden. Mehr noch: Aus Mangel an valablen Kandidaten im eigenen Land können wir vermutlich im Sinn der Völkerverständigung auch Leute aus Süddeutschland und dem Vorarlberg dazu nehmen.
Die üblichen Kommunikationspannen können in jedem Departement auf zwei Leute verteilt werden. Das gibt pro Bundesratsnase eine etwas reinere Weste.
Die berühmte «Nacht der langen Messer» vor Bundesratswahlen, die ja meist feuchtfröhlich verläuft, kann zu einem «Wochenende der langen Messer» verlängert werden, weil bei 14 Halbmandaten viel mehr windige Hinterhofstrategien geschmiedet werden können.
Wir werden im Ausland viel ernster genommen dank dem neuen Bundesrats-Gruppenbild. Bisher hatten ausländische Staatsoberhäupter das mickrige Häufchen stets etwas mitleidig wahrgenommen.
Nachteile des neuen Modells hingegen sehen wir so gut wie keine. Ausser vielleicht, dass danach definitiv keine Schweizerin und kein Schweizer bei einer Strassenumfrage alle Bundesratsmitglieder aufzählen kann.
Stefan Millius (*1972) ist freischaffender Journalist.
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