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Zeyer zur Zeit

Maskenlos durch den Tag

Und durch die Nacht. Kein Aprilscherz: Es ist vorbei. Corona, war da mal was? Aber nicht nur die Maskenpflicht fällt nun überall. Man kann allgemein aufatmen.

«Die Ostschweiz» Archiv am 31. März 2022

Eine Pandemie wurde zum echten Belastungstest. Hält es eine moderne Gesellschaft aus, wenn archaische Ängste ausbrechen? Eine Seuche kam über uns. Zunächst unterschätzt, dann alle Arten von Befürchtungen weckend.

Schliesslich eine Kette von Versagen auslösend. Zunächst versagte die Wissenschaft. Statt sich auf das Vermitteln von gesicherten Erkenntnissen und das Vermeiden von Spekulationen zu konzentrieren, wollten sich Epidemiologen und Virologen, die ansonsten ein unbeachtetes Dasein in Labors fristen, ihre 15 Minuten Ruhm abholen. Das ging nur, indem sie sich gegenseitig mit Horrorprognosen überboten.

Tausende von Toten, Zehntausende, Hunderttausende in der Schweiz. Der Zusammenbruch des Gesundheitssystems, des gesellschaftlichen Zusammenhalts, überhaupt der Schweiz. All das wurde herumgeboten, ohne dass der Strafartikel über Schreckung der Bevölkerung zum Einsatz kam. Dann versagte die Politik, genauer die Regierungen und die Bürokratie. Viele Vorkehrungen zur Bewältigung einer Pandemie erwiesen sich als nicht praxistauglich.

Das fing mit unglaublichen Mängeln an wie dem, dass wichtige Daten im 21. Jahrhundert per Fax übermittelt werden mussten. Durch die entstehenden Fehler und Verzögerungen litt die Glaubwürdigkeit des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Der Bundesrat als oberster Krisenmanager stellte fest, dass er zwar von Krisenstäben umzingelt war wie der Panther im Rilke-Gedicht, und dass er hinter all diesen Stäben keine Welt erkennen konnte.

Also berief er eine Sonder-Task-Force ein, die eigentlich den Bundesrat beraten und öffentlich nur in Abstimmung mit dem BAG hätte auftreten sollen. Stattdessen hielt sie eigene Pressekonferenzen ab, in denen sie die Entscheidungen des Bundesrats – ohne eigene Verantwortung übernehmen zu müssen – selten lobte, häufige kritisierte. Bis es selbst dem Gesundheitsminister Alain Berset den Nuggi raushaute und er klarstellte, dass die Verantwortung und die Entscheidung immer noch beim Bundesrat liege.

Der sich auch nicht gerade mit Ruhm bekleckerte, indem er zu häufig einfach Entscheidungen der EU übernahm und nicht wirklich Krisenresistenz zeigte.

Schliesslich setzten die Massenmedien ihren Weg nach unten fort. Statt ihrer Aufgabe als Kontrollinstanz staatlicher Entscheidungen nachzuleben. Denaturierten die Mainstream-Medien zu Sprachrohren, zu Lautsprechern der offiziellen Corona-Politik. Und denunzierten nach Kräften alle, die eine kritisch-abweichende Meinung hatten.

Verschwörungstheoretiker, Aluhutträger, Corona-Leugner. Holzgeschnitzte Darstellung der Wirklichkeit, jeder einfältige Redaktor mutierte zum Seuchenspezialist, der dem Bundesrat und den Wissenschaftlern erklären konnte, was nun zu tun sei. Mit anderen Worten: Verantwortungslosigkeit wurde kompensiert mit markigen Forderungen und Ratschlägen.

Was an Positivem bleibt: Natürlich traf kein einziges der Weltuntergangsszenarien ein. Natürlich wurde die Fascho-Gruppe, die Anschläge plante, rechtzeitig unschädlich gemacht. Aber vor allem: endlich wurden die unsäglichen TV-Serien in den Hintergrund verdrängt, in denen es letztlich um nichts anderes geht, als dass am Schluss immer das Gute siegt, weil es unbezweifelbar gut ist.

Die Task Force ist glücklicherweise aufgelöst, der Bundesrat ist der richtigen Auffassung, dass eine Weiterführung der Corona-Massenahmen kontraproduktiv sei. Ob das letzten, versprengten SS-Desperados passte oder nicht. Denn sinnlos Verzweifelte in materiell abgesicherten Umständen: was für ein Luxusproblem.

Was bleibt: ein Virus, das vorübergeht wie alle seine Vorfahren. Ein eklatanter Vertrauensverlust für alle Beteiligten. Wäre das Ziel Rufschädigung gewesen, könnte man von einem überwältigendem Erfolg sprechen. Die Wissenschaft samt Vakzinen und Boostern und Fake-Statistiken: desavouiert. Die Entscheidungsträger in der Wirtschaft und Regierung: entlarvt als inkompetente Windfahnen.

Die Medien: durch indifferente und obrigkeitshörige Berichterstattung, erwischt in einer Spirale nach unten, verspielten sie grosse Stücke des wichtigsten Kapitals: Vertrauenswürdigkeit.

Die Gesellschaft: statt einvernehmlicher Debatte über divergierende Auffassungen eine bittere Abrechnung über Haltungen. Kein Schlagabtausch von Argumenten mehr, sondern Denunziation von Haltungen. Nicht: wer das sagt, liegt falsch, weil. Sondern: wer das sagt, zeigt damit eine verabscheuungswürdige Haltung, Gesinnung.

Aber immerhin: die völlig nutzlose Task Force to the Bundesrat ist endlich aufgelöst. Auch in öffentlichen Verkehrsmitteln müssen keine Masken mehr getragen werden. Alle Weltuntergangs-Propheten sind verstummt. Vielleicht können wir wenigstens teilweise zur Normalität zurückkehren.

Und das Beste: es ist kein Aprilscherz.

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«Die Ostschweiz» Archiv

«Die Ostschweiz» ist die grösste unabhängige Meinungsplattform der Kantone SG, TG, AR und AI mit monatlich rund einer halben Million Leserinnen und Lesern. Die Publikation ging im April 2018 online und ist im Besitz der Ostschweizer Medien AG.

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