Neues Kapitel in der St.Galler Spitalfrage: Zwei CVP-Kantonsräte regen eine «Denkpause» für alle Spitäler an. Anlass ist die Tatsache, dass sich der Neubau für das Landesspital Fürstentum Liechtenstein konkretisiert. Das hätte Auswirkungen - vor allem auf den Standort Grabs.
Das Landesspital des Fürstentums Liechtenstein hat eine Leidensgeschichte hinter sich. 2011 wurde ein Neubauprojekt abgelehnt, auch wenn das Spital langsam in die Jahre kommt. Knackpunkt bei den Stimmbürgern waren laut Beobachtern nicht die Kosten von 80 Millionen Franken, sondern die Tatsache, dass diese fanden, es fehle eine schlüssige Strategie.
Das klingt ziemlich bekannt.
Inzwischen hat man im Fürstentum aufgeräumt, ein neuer Stiftungsrat arbeitete eine Strategie aus, Regierung und Parlament unterstützten diese. Nun wird ein Neubau für das Landesspital langsam spruchreif.
Das hat durchaus seine Auswirkungen auf St.Gallen. Denn Liechtenstein hatte zu einem früheren Zeitpunkt seine Geburtenabteilung geschlossen, und davon hat das Spital Grabs profitiert, das die Geburten im Fürstentum gewissermassen «aufgesogen» hat. Doch es ist damit zu rechnen, dass beim Neubau des Landesspitals gewisse Leistungen ausgebaut beziehungsweise wieder eingeführt werden. Gerade bei den Geburten hatte es im Liechtenstein stets geheissen, man könne sich gut vorstellen, das später wieder anzubieten.
Grabs aber gehört im Kanton St.Gallen unter anderem aus diesem Grund zu den gewissermassen unangefochtenen Spitalstandorten.
Solche Überlegungen haben die beiden Rheintales Kantonsräte Andreas Broger und Sandro Hess (beide CVP) zu einer Einfachen Anfrage veranlasst. Für verschiedenen St.Galler Regionen ergibt sich laut ihnen eine neue Ausgangslage durch die Pläne im Fürstentum.
Deshalb wollen die Kantonsräte von der Regierung eine Stellungnahme zur «veränderten Situation» im direkten Grenzgebiet und zu den Auswirkungen auf die St.Galler Spitalstrategie.
Auch ein Vorwurf wird - in der sanften Form einer Frage - laut: «Erweist es sich heute nicht als falsch oder zumindest höchst fahrlässig, dass der Verwaltungsrat von Anfang an ausschliesslich auf den Standort Grabs gesetzt hat – und diesen auch bereits umsetzt – während er die Standorte Walenstadt, Wattwil und Altstätten zur Schliessung vorsieht?»
Die beiden Rheintaler Politiker fahren auch eine kleine Retourkutsche. Am Spital Altstätten wurde bekanntlich eine «Denkpause» in Form eines Aufschubs der geplanten Erneuerung angeordnet. Sie wollen nun wissen, ob man eine solche Denkpause nun an allen Spitalstandorten in Erwägung ziehe, um die weitere Entwicklung zu analysieren.
Dass das Fürstentum heute schon ein Landesspital betreibt und es hier nur um einen Ersatz in Form eines Neubaus gibt, ändert für Andreas Broger nichts daran, dass man nun über die Bücher muss, wie er gegenüber «Die Ostschweiz» sagt: «Es ist damit zu rechnen, dass ein Neubau an einem besseren Standort auch ein grösseres Angebot aufweisen wird.» Verändere sich die Leistung in direkter Nachbarschaft, wirke sich das auf die Situation im Kanton St.Gallen aus. Die Geburtenabteilung ist dafür ein Beispiel - aber vielleicht nicht das einzige.
Stefan Millius (*1972) ist freischaffender Journalist.
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