Es war zum Glück kein Scherz: Ausgerechnet am 1. April 2022 beendete der Bundesrat mit der Rückkehr zur «normalen Lage» offiziell die Corona Pandemie in der Schweiz.
Zuvor wurde der Schweizer Bevölkerung mit der Zertifikatspflicht indirekt ein Impfzwang auferlegt, basierend auf einer bewussten Falschaussage von Bundesrat Alain Berset («Mit dem Zertifikat kann man zeigen, dass man nicht ansteckend ist»).
Wie sich das anfühlte, erlebte ich als Ungeimpfter (mittlerweile genesen) am eigenen Leib. Restaurants waren Off Limit, im Kino, Theater oder Museum stand ich vor verschlossenen Türen, vom Basler Zolli wurde ich mit meiner 5-jährigen Tochter abgewiesen, auch bei Konzerten blieb mir der Eintritt verwehrt. Es war nicht einmal mehr möglich, in der Bibliothek ein Buch auszuleihen.
Lange wurden gefährliche oder tödliche Nebenwirkungen der Covid-Impfung in die Zwischenwelt der Verschwörungstheorien verbannt.
Wer sie thematisierte, wurde als Corona-Leugner diffamiert oder als Demokratiefeind, Covidiot, Querdenker und herzloser Senioren-Mörder beschimpft. Bis zum Nazi war es dann oft nicht mehr weit.
In letzter Zeit werden jedoch immer mehr Impfschäden bekannt, vermehrt auch mit Todesfolgen.
Mittlerweile tadelt sogar die normalerweise stramm auf Staatslinie getrimmte SRF-Ombudsstelle die in der Tagesschau» geäusserte Bezeichnung «Impfkritikerin» als «meinungsverfälschend».
Auch der Corona-Turbo Tages-Anzeiger titelt in einem Artikel von Eveline Rutz und Edgar Schuler, Impffolgen könnten «mittlerweile nicht mehr wegdiskutiert werden».
Wie jetzt? Wurden sie demnach in der Vergangenheit wegdiskutiert? Etwa auch vom Tages-Anzeiger? Und wenn ja, warum wurden sie wegdiskutiert?
Inlandredaktor Edgar Schuler will sich auf schriftliche Anfrage nicht festlegen: «Alles was ich dazu zu sagen habe, steht im Artikel», heisst es am Telefon. Ich solle mich an die Chefredaktion wenden.
Doch auch Chefredaktor Arthur Rutishauser, der seinerzeit einen «indirekten Impfzwang über das Corona-Zertifikat» gefordert hatte, will sich nicht dazu äussern, ob der Tages-Anzeiger Impffolgen wegdiskutiert habe. Er halte «die Covid-Impfungen nach wie vor für eine grossartige, wenn auch nicht perfekte Errungenschaft».
Das war aber nicht meine Frage. Nach einer Bitte um Präzisierung verliert Rutishauser die Nerven. Er könne mir «offensichtlich nicht mehr weiterhelfen» wäffelt der mächtige Medienmacher, und setzt Roger Köppel in cc, um mich beim Herausgeber der Weltwoche, wo ich regelmässig publiziere, anzuschwärzen.
Was er mit dieser Aktion genau erreichen wollte, mochte Rutishauser auf Anfrage nicht beantworten.
Rutishausers Meltdown erinnert mich an ein Intermezzo mit dem ehemaligen Kommunikationschef des Schweizer Aussendepartements (EDA), Jean-Marc Crevoisier.
Dieser verlor aufgrund eines akuten Argumentationsnotstands ebenfalls die Fassung und versuchte, mich bei Markus Somm, Herausgeber der damals noch erfrischend aufmüpfigen Basler Zeitung, zu desavouieren: «Ich habe Herrn Somm, Chefredaktor der Zeitung, die in der Regel Ihre Texte veröffentlicht, in Kopie dieser Mail gesetzt», schrieb der Chefbeamte auf eine Presseanfrage meinerseits. «Er sollte in der Lage sein, Ihre Methoden und Ihre Art der Informationsbeschaffung einzuschätzen und zu beurteilen, ob sie mit der journalistischen Ethik übereinstimmen.»
Da hatte Crevoisier seine Pflichten als Staatsdiener offensichtlich gründlich missverstanden, denn es ist beileibe nicht die Aufgabe des mit Steuergeldern hochbesoldeten Kommunikationschefs eines Departements der Bundesverwaltung, Journalisten, die unbequeme Fragen stellen, zu verunglimpfen und ihnen Informationen zu verweigern.
Doch auch bei Rutishauser, immerhin «Super-Chefredaktor» der Tamedia-Zeitungen, sind die Prioritäten z’underobsi. Seine Aufgabe als verantwortlicher Chefredaktor ist es, Presseanfragen zu beantworten, nicht unliebsamen Journalisten das Leben schwer zu machen.
Derlei Eskapaden eines einflussreichen Meinungsmachers stärken nicht unbedingt das ohnehin stark angeschlagene Vertrauen in die Mainstream-Medien.
Ich rate Herrn Rutishauser zu etwas mehr Gelassenheit. Oder zu einem Job beim Staat, dort kann er nach Herzenslust wegdiskutieren.
David Klein, geboren in Basel und Sohn des Jazzmusiker-Ehepaares Miriam und Oscar Klein, kommt sehr früh mit Musik und vor allem mit Jazz in Berührung. Neben seiner musikalischen Tätigkeit arbeitet David Klein seit 2012 als Journalist.
Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.