«Kneift SP-Meyer vor Schawinski?» trompetet der Blick. Was war passiert? Medien-Schwergewicht Schawinski hatte SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer in seine neue Talkshow beordert. Sie hat ihm «höflich abgesagt».
Schawinskis Antwort jedoch, so munkle man in Meyers Umfeld, sei «weniger diplomatisch ausgefallen», schreibt der Blick weiter.
Dabei interviewt der «begnadete Flirter und Charmeur» sowieso lieber Männer, wie er in der Frauenzeitschrift Annabelle («Ihr seid ja nur ein Strick- und Modeheft») unumwunden zugibt: «Das liegt daran, dass Frauen in unserer Gesellschaft zu selten interessante Positionen einnehmen. Es ist einfach schwierig, in der Schweiz spannende Frauen zu finden.»
Ob sich Schawinski deshalb Frauen gegenüber des Öfteren «weniger diplomatisch» verhält?
Die Psychologin und Autorin Catherine Herriger, die in Schawinskis «Talk Täglich» auf Tele Züri ihr Buch vorstellen will, herrscht er an: «Die Leute geben Geld aus, für etwas, was Schrott ist. Ich habe das noch nie in einer Sendung gesagt, jetzt sage ich es zum ersten Mal!» Danach wirft er das Buch, diesen «Schrott», quer durchs Studio. «Sie ging mir auf die Nerven», so Schawinskis lapidarer Kommentar zu seinem Ausraster.
Die sichtlich überforderte ESC-Teilnehmerin Gunvor, die in «Talk Täglich» unter Tränen über den Missbrauch ihres Fotografen Jürg Wyss spricht, bedrängt er schamlos: «Oraler Sex? Oder manuell?»
Derartig deplatziertes Verhalten offenbart nicht nur mangelnden Anstand, sondern auch Schawinskis problematisches Verhältnis zu Frauen, das im Zeitalter von «MeToo» eine vertiefte Analyse verdient.
Rückblick: Schawinski kommt nach zwei gescheiterten Ehen mit seiner Jugendliebe Rachel zusammen. Ihr plötzlicher Tod wirft den erfolgsverwöhnten Strahlemann aus der Bahn. Man ist versucht, Schawinskis oft unflätiges Verhalten Frauen gegenüber, mit dieser Zäsur in Verbindung zu bringen. Als eine späte Rache an dem Geschlecht, das ihn, den Medienpionier, einst derart hat leiden lassen.
Diese latente Geringschätzung zeigt sich bereits im Tele 24-Interview, das Schawinski 1998 mit Aline Graf führte, die über ihre Zeit als heimliche Geliebte des legendären Schweizer Skandal-Journalisten Niklaus Meienberg ein indiskretes Buch veröffentlicht hatte. Schawinski mokiert sich auf Grafs Kosten über «Frauen von berühmten Männern, die nur durch ihren berühmten Mann selbst berühmt geworden sind».
Als Beispiele nennt er Alma Mahler-Werfel, die hochbegabte Pianistin, Komponistin und Ehefrau von Gustav Mahler, die ihr Pianostudium auf Druck ihres Stiefvaters, des Kunstmalers und Nationalsozialisten Carl Moll, aufgeben musste, sowie Mick Jaggers Muse, die Pop-Ikone, Buchautorin und gefeierte Kurt Weill-Interpretin Marianne Faithfull. Schawinski marginalisiert beide als «Frauen von berühmten Männern».
Graf blafft er an, sie befände sich auf einer «Mission», grosse Männer (zu denen er sich wohl selbst auch zählt) «herunterzureissen». Als man auf ein Theaterstück von Graf zu sprechen kommt, welches «Gebären» zum Thema haben soll, höhnt Schawinski: «Das haben Sie selber nie erlebt, oder?»
Dieser hämische Seitenhieb klingt wie eine unheilvolle Antizipation des übergriffigen Frontalangriffs gegen die deutsche Autorin Salomé Balthus. Schawinski insinuierte in seiner SRF-Talkshow, Balthus sei von ihrem Vater, dem renommierten DDR-Musiker und Kinderhörspiel-Autor Reinhard Lakomy, sexuell missbraucht worden.
Inwiefern es sich ziemt, dass ein Talkmaster seiner Interviewpartnerin öffentlich sexuelle Missbrauchserfahrungen unterstellt, dafür fand die deutsche Radiokolumnistin Renee Zucker deutliche Worte: «Welcher normale Mann kommt auf die Idee, eine ihm unbekannte Frau in der Öffentlichkeit so etwas zu fragen?»
Derartig frauenfeindliche Totalausfälle ihres Chefs hätten den Frauen in Schawinskis TV-Team eigentlich die Schamröte ins Gesicht treiben müssen.
Doch Schawinskis Gratismut gegenüber Frauen hat durchaus Grenzen. Nirgends zeigt sich das deutlicher, als beim Vorgespräch mit seiner ganz persönlichen Nemesis, SRF-Direktorin Nathalie Wappler, anlässlich einer seiner letzten SRF-Talkshows. Ein gebückter Schawinski eröffnet seiner ihn um Haupteslänge überragenden Vorgesetzten, «die eine oder andere kritische Frage» stellen zu wollen.
Wapplers herablassenden Konter «Nein, jetzt überrascht Du mich aber, Roger», nimmt Schawinski mit einer abwehrenden Handbewegung entgegen, als fürchte er, Wappler würde ihm gleich eine scheuern.
Natürlich kann unser «Roschee» auch anders. Während er sich bei Graf und Balthus für keine Niederträchtigkeit zu schade war, wandelt sich der Talk-Rüpel bei der von SRF hofierten Stand Up-Komikerin Hazel Brugger, deren kleinkarierter, in radebrechendem Deutsch vorgetragener Bünzli-Humor er wohl für die ultimativen Hipness hält, vom «Chauvinski» zum «Charminski».
Der alternde Beau mutiert vom gnadenlosen Boulevard-Inquisitor zum schmachtenden Backfisch, die solariumversengten Gesichtszüge zum depperten Dauergrinsen entgleist, und versucht sich im Jugendslang: «Wow»!
Dass sich Schawinski in einem Interview zu seiner neuen Talkshow ausgerechnet mit Pablo Picasso vergleicht, mag seinem nicht eben geringen Selbstbewusstsein («Ich bin der Allergrösste») geschuldet sein.
Gleichzeitig mutet der Vergleich an wie ein Freudscher Versprecher, denn auch Picasso hatte eine komplizierte Beziehung zu Frauen, die zwischen Vergötterung und Missbrauch pendelte.
«Ich bin als Interviewer eben kein Eunuch», brüstet sich der Allergrösste.
Man darf gespannt sein, in welche misogynen Niederungen Schawinski dereinst noch herabsteigt.
(Bild: KEYSTONE/Gaetan Bally)
David Klein, geboren in Basel und Sohn des Jazzmusiker-Ehepaares Miriam und Oscar Klein, kommt sehr früh mit Musik und vor allem mit Jazz in Berührung. Neben seiner musikalischen Tätigkeit arbeitet David Klein seit 2012 als Journalist.
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