logo

Ostblick-Hinweis

So erwacht St.Gallen

Hat Morgenstund’ tatsächlich Gold im Mund? Wir haben nachgefragt. Bei einem waschechten Local, einem Wahl- und einem Berufs-St.Galler.

Die Ostschweiz am 12. April 2020
St. Gallen erwacht

Stefan Grob, Kommunikationsberater, Dozent, Kundalini-Yoga-Lehrer, Stadtparlamentarier.

Entspannung über der Stadt

Einzigartig, dieses Gefühl, ganz früh am Morgen, bei Sonnenaufgang, im ruhigen Wasser der Drei Weieren zu treiben. In diesem Moment gibt es keinen schöneren Ort auf der Welt. So starte ich im Sommer oft in den Tag. Oben auf dem Hügel, nur 10 Minuten von der Stadt entfernt, wo die Verbundenheit mit der Natur und die Kraft der Elemente so leibhaftig zu spüren sind. Das Wasser und der Wald haben eine meditative Wirkung – der perfekte Ort für Morgen-Yoga. Mit Kundalini-Yoga Körper und Geist in die Balance bringen, eins werden mit sich selbst, das perfekte Morgenritual. Zum Kundalini-Yoga kam ich ganz zufällig, via Kampfsport und Kung-Fu.

Auch für Nicht-Yogis haben die Drei Weieren einiges zu bieten. Sie sind ein wunderbarer Naherholungsraum für Spaziergänge mit Familie und Freunden, mit einem atemberaubenden Blick über die ganze Stadt – zu jeder Jahreszeit. Im Sommer geniessen wir die Abkühlung im Wasser und die Leckereien des kultigen Milchhüsli. Besonders schön sind die Weieren auch bei Unwetter: Wer bei Gewitter im Schutz der Badehütte den prasselnden Regen beobachtet, erlebt ein höchst eindrückliches Spektakel.

Mein Tipp: die Tivoli-Brücke und die Tivoli-Treppe im Osten der Stadt.

St. Gallen erwacht

Aline Streule, dipl. Pflegefachfrau, Onkologie, Kantonsspital St.Gallen

Wenn die Nacht zum Tag wird

Es ist ganz ruhig auf dem Stock. Bis auf das Geräusch der Topfmaschinen ist nichts zu hören. Es ist mitten in der Nacht. Ich drehe meine Runden, schaue nach dem Rechten. Ich kümmere mich um die Patienten, fülle Bestände auf, mache Bestellungen, erledige ad- ministrative Arbeiten. Die Nachtschichten bringen einen ganz eigenen Rhythmus mit sich. Die Nacht wird zum Tag. Alleinsein ist schön und hat auch etwas Anspruchsvolles. Dann, wenn doch plötzlich vieles gleichzeitig ist und man allen gerecht werden will. Auch der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen kommt zu kurz. Besonders ist, dass ich auf eine neue Art und Weise erlebe, wie der Tag anderer erwacht, während meiner langsam zu Ende geht. Auf dem Heimweg beobachte ich die Menschen, wie sie ganz unterschiedlich in den Tag starten. Ein buntes Durcheinander, eine unvergleichliche Stimmung. Ich mittendrin. Und doch nicht ganz dabei. Wie in einem Film, in dem das Rundherum im Schnelldurchlauf geschieht. Die Magie des Morgens aus einem anderen Blickwinkel. Zu Hause falle ich frisch geduscht ins Bett und schlafe sofort ein. Ich liebe, was ich tue. Die Patienten, das Team, die Arbeit. Es war kein Zu- fall, dass ich mich für diese Arbeit entschieden habe. Eher Bestimmung. Und Leidenschaft. Sicher, es ist ein Knochenjob, der viel abverlangt, der aber mindestens genauso viel zurückgibt. Und man ist immer mit dem Herzen dabei.

Mein Tipp: der Poulet-Salat in der Focacceria oder das Poulet süss-sauer im Goldenen Drachen. Und danach gemütlich durch das heimelig-friedliche Klosterviertel schlendern.

St. Gallen erwacht

Bruno Dörig, Strassenwärter, Strasseninspektorat der Stadt St.Gallen

Heinzelmännchen der St.Galler Strassen

04.30 Uhr – Tagwacht. An verschneiten Wintertagen noch früher. Ich stehe jeden Morgen mit Vorfreude auf den Tag auf. Und schenke mir als Erstes ein Lächeln – im Badezimmerspiegel. Dieses Ritual, das ich heute ganz bewusst lebe, hat sich vor Jahren zufällig ergeben. Das Leben ist das Schönste, was wir haben. Wir sollten es geniessen und würdigen. Auch heute ist ein guter Tag. Es kann losgehen. Zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen sorge ich Tag für Tag dafür, St.Gallen noch schöner zu machen, als es sowieso schon ist. Oft so unauffällig, dass es niemand wirklich mitkriegt. Wenn’s niemand machen würde, würden es alle sofort merken. Wir räumen Schnee, reinigen die Strassen, führen bauliche Unterhaltsarbeiten aus und mehr. Ich mache diesen Job seit bald 40 Jahren. Weshalb? In den frühen Morgenstunden kann ich zusehen, wie der Tag, die Stadt und die Menschen langsam erwachen – das ist irgendwie mystisch, mit einem eigenen Charme.

Vergleichbar mit dem Frühling, wenn die ersten Knospen spriessen und die Natur zu neuem Leben erwacht. Erst ist alles gemächlich und ruhig; je später die Stunde, desto reger wird das Treiben. Das ist die Zeit, in der wir dafür sorgen, dass die Stadt in ihrem wohlverdienten Glanz erstrahlt. Was mir ebenfalls gut gefällt: die vielen Menschen, die ich unterwegs treffe. Ich gehe auf Leute zu, knüpfe neue Bekanntschaften, teile meine Lebensfreude. Wo immer und so oft ich kann. Die Offenheit und die Herzlichkeit kommen immer zurück. Das ist, was ich an diesem Ort, dieser Stadt so schätze. St.Gallen hat mich in ihrer Ganzheit gewonnen – ich fühle mich wohl wie in einem zweiten Zuhause.

Mein Tipp: Blick heben und sich die Riegelbauten mit ihren wunderschönen Erkern in der Altstadt genauer ansehen. Und dabei unbedingt auf dem Gallusplatz vorbeischauen. Einfach schön dort. Für mich das Herzstück der Stadt.

Einige Highlights

Uzwilerin mit begrenzter Lebenserwartung

Das Schicksal von Beatrice Weiss: «Ohne Selbstschutz kann die Menschheit richtig grässlich sein»

am 11. Mär 2024
Im Gespräch mit Martina Hingis

«…und das als Frau. Und man verdient auch noch Geld damit»

am 19. Jun 2022
Das grosse Gespräch

Bauernpräsident Ritter: «Es gibt sicher auch schöne Journalisten»

am 15. Jun 2024
Eine Analyse zur aktuellen Lage

Die Schweiz am Abgrund? Wie steigende Fixkosten das Haushaltbudget durcheinanderwirbeln

am 04. Apr 2024
DG: DG: Politik

«Die» Wirtschaft gibt es nicht

am 03. Sep 2024
Gastkommentar

Kein Asyl- und Bleiberecht für Kriminelle: Null-Toleranz-Strategie zur Sicherheit der Schweiz

am 18. Jul 2024
Gastkommentar

Falsche Berechnungen zu den AHV-Finanzen: Soll die Abstimmung zum Frauenrentenalter wiederholt werden?

am 15. Aug 2024
Gastkommentar

Grenze schützen – illegale Migration verhindern

am 17. Jul 2024
Sensibilisierung ja, aber…

Nach Entführungsversuchen in der Ostschweiz: Wie Facebook und Eltern die Polizeiarbeit erschweren können

am 05. Jul 2024
Pitbull vs. Malteser

Nach dem tödlichen Übergriff auf einen Pitbull in St.Gallen: Welche Folgen hat die Selbstjustiz?

am 26. Jun 2024
Politik mit Tarnkappe

Sie wollen die angebliche Unterwanderung der Gesellschaft in der Ostschweiz verhindern

am 24. Jun 2024
Paralympische Spiele in Paris Ende August

Para-Rollstuhlfahrerin Catherine Debrunner sagt: «Für ein reiches Land hinkt die Schweiz in vielen Bereichen noch weit hinterher»

am 24. Jun 2024
Politik extrem

Paradox: Mit Gewaltrhetorik für eine humanere Gesellschaft

am 10. Jun 2024
Das grosse Bundesratsinterview zur Schuldenbremse

«Rechtswidrig und teuer»: Bundesrätin Karin Keller-Sutter warnt Parlament vor Verfassungsbruch

am 27. Mai 2024
Eindrucksvolle Ausbildung

Der Gossauer Nicola Damann würde als Gardist für den Papst sein Leben riskieren: «Unser Heiliger Vater schätzt unsere Arbeit sehr»

am 24. Mai 2024
Zahlen am Beispiel Thurgau

Asylchaos im Durchschnittskanton

am 29. Apr 2024
Interview mit dem St.Galler SP-Regierungsrat

Fredy Fässler: «Ja, ich trage einige Geheimnisse mit mir herum»

am 01. Mai 2024
Nach frühem Rücktritt: Wird man zur «lame duck»?

Exklusivinterview mit Regierungsrat Kölliker: «Der Krebs hat mir aufgezeigt, dass die Situation nicht gesund ist»

am 29. Feb 2024
Die Säntis-Vermarktung

Jakob Gülünay: Weshalb die Ostschweiz mehr zusammenarbeiten sollte und ob dereinst Massen von Chinesen auf dem Säntis sind

am 20. Apr 2024
Neues Buch «Nichts gegen eine Million»

Die Ostschweizerin ist einem perfiden Online-Betrug zum Opfer gefallen – und verlor dabei fast eine Million Franken

am 08. Apr 2024
Gastkommentar

Weltweite Zunahme der Christenverfolgung

am 29. Mär 2024
Aktionswoche bis 17. März

Michel Sutter war abhängig und kriminell: «Ich wollte ein netter Einbrecher sein und klaute nie aus Privathäusern»

am 12. Mär 2024
Teuerung und Armut

Familienvater in Geldnot: «Wir können einige Tage fasten, doch die Angst vor offenen Rechnungen ist am schlimmsten»

am 24. Feb 2024
Naomi Eigenmann

Sexueller Missbrauch: Wie diese Rheintalerin ihr Erlebtes verarbeitet und anderen Opfern helfen will

am 02. Dez 2023
Best of 2023 | Meine Person des Jahres

Die heilige Franziska?

am 26. Dez 2023
Treffen mit Publizist Konrad Hummler

«Das Verschwinden des ‘Nebelspalters’ wäre für einige Journalisten das Schönste, was passieren könnte»

am 14. Sep 2023
Neurofeedback-Therapeutin Anja Hussong

«Eine Hirnhälfte in den Händen zu halten, ist ein sehr besonderes Gefühl»

am 03. Nov 2023
Die 20-jährige Alina Granwehr

Die Spitze im Visier - Wird diese Tennisspielerin dereinst so erfolgreich wie Martina Hingis?

am 05. Okt 2023
Podcast mit Stephanie Stadelmann

«Es ging lange, bis ich das Lachen wieder gefunden habe»

am 22. Dez 2022
Playboy-Model Salomé Lüthy

«Mein Freund steht zu 100% hinter mir»

am 09. Nov 2022
Neue Formen des Zusammenlebens

Architektin Regula Geisser: «Der Mensch wäre eigentlich für Mehrfamilienhäuser geschaffen»

am 01. Jan 2024
Podcast mit Marco Schwinger

Der Kampf zurück ins Leben

am 14. Nov 2022
Hanspeter Krüsi im Podcast

«In meinem Beruf gibt es leider nicht viele freudige Ereignisse»

am 12. Okt 2022
Stölzle /  Brányik
Autor/in
Die Ostschweiz

«Die Ostschweiz» ist die grösste unabhängige Meinungsplattform der Kantone SG, TG, AR und AI mit monatlich rund 300'000 Leserinnen und Lesern. Die Publikation ging im April 2018 online und ist im Besitz der Ostschweizer Medien AG, ein Tochterunternehmen der Galledia Regionalmedien.

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.