Stefan Grob, Kommunikationsberater, Dozent, Kundalini-Yoga-Lehrer, Stadtparlamentarier.
Hat Morgenstund’ tatsächlich Gold im Mund? Wir haben nachgefragt. Bei einem waschechten Local, einem Wahl- und einem Berufs-St.Galler.
Stefan Grob, Kommunikationsberater, Dozent, Kundalini-Yoga-Lehrer, Stadtparlamentarier.
Entspannung über der Stadt
Einzigartig, dieses Gefühl, ganz früh am Morgen, bei Sonnenaufgang, im ruhigen Wasser der Drei Weieren zu treiben. In diesem Moment gibt es keinen schöneren Ort auf der Welt. So starte ich im Sommer oft in den Tag. Oben auf dem Hügel, nur 10 Minuten von der Stadt entfernt, wo die Verbundenheit mit der Natur und die Kraft der Elemente so leibhaftig zu spüren sind. Das Wasser und der Wald haben eine meditative Wirkung – der perfekte Ort für Morgen-Yoga. Mit Kundalini-Yoga Körper und Geist in die Balance bringen, eins werden mit sich selbst, das perfekte Morgenritual. Zum Kundalini-Yoga kam ich ganz zufällig, via Kampfsport und Kung-Fu.
Auch für Nicht-Yogis haben die Drei Weieren einiges zu bieten. Sie sind ein wunderbarer Naherholungsraum für Spaziergänge mit Familie und Freunden, mit einem atemberaubenden Blick über die ganze Stadt – zu jeder Jahreszeit. Im Sommer geniessen wir die Abkühlung im Wasser und die Leckereien des kultigen Milchhüsli. Besonders schön sind die Weieren auch bei Unwetter: Wer bei Gewitter im Schutz der Badehütte den prasselnden Regen beobachtet, erlebt ein höchst eindrückliches Spektakel.
Mein Tipp: die Tivoli-Brücke und die Tivoli-Treppe im Osten der Stadt.
Aline Streule, dipl. Pflegefachfrau, Onkologie, Kantonsspital St.Gallen
Wenn die Nacht zum Tag wird
Es ist ganz ruhig auf dem Stock. Bis auf das Geräusch der Topfmaschinen ist nichts zu hören. Es ist mitten in der Nacht. Ich drehe meine Runden, schaue nach dem Rechten. Ich kümmere mich um die Patienten, fülle Bestände auf, mache Bestellungen, erledige ad- ministrative Arbeiten. Die Nachtschichten bringen einen ganz eigenen Rhythmus mit sich. Die Nacht wird zum Tag. Alleinsein ist schön und hat auch etwas Anspruchsvolles. Dann, wenn doch plötzlich vieles gleichzeitig ist und man allen gerecht werden will. Auch der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen kommt zu kurz. Besonders ist, dass ich auf eine neue Art und Weise erlebe, wie der Tag anderer erwacht, während meiner langsam zu Ende geht. Auf dem Heimweg beobachte ich die Menschen, wie sie ganz unterschiedlich in den Tag starten. Ein buntes Durcheinander, eine unvergleichliche Stimmung. Ich mittendrin. Und doch nicht ganz dabei. Wie in einem Film, in dem das Rundherum im Schnelldurchlauf geschieht. Die Magie des Morgens aus einem anderen Blickwinkel. Zu Hause falle ich frisch geduscht ins Bett und schlafe sofort ein. Ich liebe, was ich tue. Die Patienten, das Team, die Arbeit. Es war kein Zu- fall, dass ich mich für diese Arbeit entschieden habe. Eher Bestimmung. Und Leidenschaft. Sicher, es ist ein Knochenjob, der viel abverlangt, der aber mindestens genauso viel zurückgibt. Und man ist immer mit dem Herzen dabei.
Mein Tipp: der Poulet-Salat in der Focacceria oder das Poulet süss-sauer im Goldenen Drachen. Und danach gemütlich durch das heimelig-friedliche Klosterviertel schlendern.
Bruno Dörig, Strassenwärter, Strasseninspektorat der Stadt St.Gallen
Heinzelmännchen der St.Galler Strassen
04.30 Uhr – Tagwacht. An verschneiten Wintertagen noch früher. Ich stehe jeden Morgen mit Vorfreude auf den Tag auf. Und schenke mir als Erstes ein Lächeln – im Badezimmerspiegel. Dieses Ritual, das ich heute ganz bewusst lebe, hat sich vor Jahren zufällig ergeben. Das Leben ist das Schönste, was wir haben. Wir sollten es geniessen und würdigen. Auch heute ist ein guter Tag. Es kann losgehen. Zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen sorge ich Tag für Tag dafür, St.Gallen noch schöner zu machen, als es sowieso schon ist. Oft so unauffällig, dass es niemand wirklich mitkriegt. Wenn’s niemand machen würde, würden es alle sofort merken. Wir räumen Schnee, reinigen die Strassen, führen bauliche Unterhaltsarbeiten aus und mehr. Ich mache diesen Job seit bald 40 Jahren. Weshalb? In den frühen Morgenstunden kann ich zusehen, wie der Tag, die Stadt und die Menschen langsam erwachen – das ist irgendwie mystisch, mit einem eigenen Charme.
Vergleichbar mit dem Frühling, wenn die ersten Knospen spriessen und die Natur zu neuem Leben erwacht. Erst ist alles gemächlich und ruhig; je später die Stunde, desto reger wird das Treiben. Das ist die Zeit, in der wir dafür sorgen, dass die Stadt in ihrem wohlverdienten Glanz erstrahlt. Was mir ebenfalls gut gefällt: die vielen Menschen, die ich unterwegs treffe. Ich gehe auf Leute zu, knüpfe neue Bekanntschaften, teile meine Lebensfreude. Wo immer und so oft ich kann. Die Offenheit und die Herzlichkeit kommen immer zurück. Das ist, was ich an diesem Ort, dieser Stadt so schätze. St.Gallen hat mich in ihrer Ganzheit gewonnen – ich fühle mich wohl wie in einem zweiten Zuhause.
Mein Tipp: Blick heben und sich die Riegelbauten mit ihren wunderschönen Erkern in der Altstadt genauer ansehen. Und dabei unbedingt auf dem Gallusplatz vorbeischauen. Einfach schön dort. Für mich das Herzstück der Stadt.
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