Mutige Schritte sind nötig, damit wir weiterhin eine hochwertige und doch finanzierbare Versorgung im Gesundheitswesen sicherstellen können.
Der Umbau der St.Galler Spitallandschaft wird insbesondere vom Patientenverhalten getrieben. Patientinnen und Patienten wollen qualitativ hochwertige, hochspezialisierte und tendenziell ambulante Versorgung. Mit unserer heutigen Infrastruktur werden wir diesem Anspruch nicht gerecht. Ein Umdenken und mutige Schritte sind nötig! Dabei müssen Fakten unsere Entscheidungen begründen – nicht Emotionen und regionale Befindlichkeiten.
Aufgrund der neuen Spitalfinanzierung können sich Patientinnen und Patienten in der ganzen Schweiz behandeln lassen. Unabhängig vom Ort der Behandlung muss sich der Kanton mit 55% an den Kosten beteiligen. Damit wurde der Gesundheitsmarkt offener und kompetitiver. Gleichzeitig schreitet der technologische und medizinische Fortschritt mit Meilenstiefeln voran.
Kostenwachstum von knapp 40%
Mehr und mehr lassen sich Operationen genau planen und Patientinnen und Patienten sich nur noch von Spezialisten betreuen. Abgesehen davon ist es für immer weniger Eingriffe ein Spitalaufenthalt nötig. Die Tendenz geht klar in Richtung ambulante Behandlung. Alle diese Entwicklungen wurden jedoch von den Verantwortlichen in unserem Kanton nicht oder zu spät erkannt. Das ist insofern bemerkenswert, als dass sich diese Trends einfach und eindrücklich anhand der Fallzahlen und Kosten ausserkantonaler Hospitalisationen aufzeigen lassen: Liessen sich 2012 10'416 Personen ausserkantonal behandeln, waren es 2017 13'253 Personen. Die Kosten sind in derselben Zeitspanne von 62.5 auf knapp 86 Millionen Schweizer Franken gestiegen. Das bedeutet ein Wachstum von knapp 40%! Unsere St.Gallischen Patientinnen und Patienten suchen vermehrt ausserkantonale Spezialisten oder Zentrumsspitäler auf.
Nur höchste Qualität ist genügend
Die Patientinnen und Patienten wollen und verdienen die qualitativ beste medizinische Versorgung. Mit Investitionen in Beton lässt sich Qualität aber nicht steigern. Stattdessen steigt die Versorgungsqualität mit höheren Fallzahlen, und diese werden nur in genügend grossen Spitälern erreicht. So einfach ist die «Rechnung»! Der notwendige Umbau der Spitallandschaft ist demnach zwar auch, aber nicht primär, betriebswirtschaftlich motiviert: Das Patientenverhalten macht Strukturreformen notwendig. Wenn wir nicht bereit sind, kleine, stationäre Spitäler einer anderen Nutzung (z. B. Ambulatorien) zuzuführen, treiben wir nicht nur die Kosten ins Unermessliche, sondern gefährden auch die Qualität und unser aller Gesundheit.
Steuererhöhungen oder Sparpakete
Ohne Gegensteuer sind die St.Galler Spitäler in rund vier Jahren Konkurs – ausser wir finanzieren rund 70 Mio. pro Jahr in Form von Gemeinwirtschaftlichen Leistungen. Das bedeutet: Entweder gehen wir nun die Strukturreform an, oder investieren ab 2022 zehn Steuerfussprozente in eine ineffiziente Spitalinfrastruktur. Müssen wir diese zehn Steuerfussprozente aufwenden, gibt es nur zwei Wege: Entweder empfindliche Sparpakete schnüren oder den Staatssteuerfuss erhöhen. Unsere Konkurrenzfähigkeit wäre damit weiter massiv reduziert. Eine Negativspirale, die sich nochmals verstärkt und die uns um Jahre zurückwirft.
Trendumkehr jetzt einleiten
Wir brauchen jetzt eine Trendumkehr. Wir müssen unsere Spitalinfrastruktur konsequent überdenken und den neuen Gegebenheiten anpassen: Medizinisch, ökonomisch und finanzpolitisch. Dafür sollten wir auch in grösseren Räumen denken. So wäre beispielsweise ein Ostschweizer Gesundheitskanton eine Möglichkeit, gemeinsam mit unseren Nachbarn die Ressourcen zu bündeln. Ich setze grosse Hoffnungen und Erwartungen in die Fähigkeit der vom Kantonsrat eingesetzten Spitalkommission, in Zusammenarbeit mit Regierung und Verwaltungsrat eine zukunftsgerichtete Spitalversorgung zu erarbeiten - weg von regionalen Befindlichkeiten hin zu höchster Qualität. Und zwar für alle, nicht für wenige.
Beat Tinner ist Gemeindepräsident von Wartau und Mitglied des St.Galler Kantonsrats. Er präsidiert dort die FDP-Fraktion.
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