Das Weiher-Hüsli.
Walter Eggenberger, der «Zeigefinger der Nation», hat sich auf den Weg durch die Treppenwelt seiner Stadt St.Gallen gemacht. Er hat Stichworte und Eindrücke mitgebracht von dieser, wie er sagt, (anstrengenden) kleinen Stadt. Hier ist sein persönliches Protokoll.
Wir treffen uns an der Talstation des Mühleggbähnli, lösen aber kein Ticket, denn wir laufen die ganze Schlucht hinauf – einen solchen Wasserlauf nur 100 Meter von einer der schönsten Kathedralen Europas kann nicht jede Stadt aufweisen. Weiter oben: die Naturbrücke. Einzigartig! Nicht verpassen. Neben der Bergstation des Mühleggbähnli links hinauf zur den Weieren: sensationelle Sicht über die Stadt – von Winkeln bis zum Bodensee. Mitwanderer kann man mit Ortskenntnis beeindrucken: Kloster / Laurenzen / Hochschule / Kanti / Spital / Bodensee / Friedrichshafen – vielleicht entdecken wir sogar einen Zeppelin.
Vor lauter Stadt nicht vergessen, auch rechts über die Weiher zu schauen: die schönste Badeanlage der Schweiz. Dann das Hüüsli am mittleren Weiher – hat keine Bezeichnung, aber man wird ermahnt, keine Velos anzustellen! Der Text (Infotafel am Haus) ist gut: Der mittlere Weiher wurde bereits 1677 zum ersten Mal neu gestaltet … und man habe einen 17-pfündigen Hecht gefangen. En Guete.
Das Weiher-Hüsli.
Kurzer Abstecher zur Schillerlinde, 200 Meter weiter in Richtung Notkersegg: Die «dankbare Jugend» hat diese Linde 1905 dem Dichter Schiller gewidmet – wofür die Jugend so dankbar war, ist nicht zu erfahren. Für das Schauspiel «Wilhelm Tell»? Keine Ahnung. Bei einer kurzen Pause lohnt es sich, den Text auf der Infotafel beim Foto-Spot «Grand Tour of Switzerland» zu lesen. Man erfährt einiges über die Drei Weieren. Und dann gehts stressig treppab – Gesstreppe heisst sie und bringt einem Franz Hohlers «Totemügerli» in den Sinn: «U dene ischs i d Chnöde glöötet.»
Die Stägeli-Infotafel.
Und glaubt ja nicht, mit dem Ende der Gesstreppe sei es dann fertig. Dort schliesst sich das Drei-Weieren-Wegli an, was schlicht die Fortsetzung der langen Treppe ist. Erlösung naht. Kaffeehaus! Man hat die Pause verdient, und der Kaffee ist hervorragend. Lohnt sich. Und dann sind wir wieder in der Stadt und haben Musse, die übel beleumdete Linsebühlstrasse mal so wahrzunehmen, wie sie wirklich ist: belebt, freundlich, aktiv.
Schliesslich finden wir zurück in den Klosterbezirk – Spisergasse mit den Erkern rechts und links und eine kleine Trouvaille: an der Mauer des Hauses Spisergasse 11 ein stilisiertes kleines Weinfass. Der Text ist interessant und gleichzeitig rätselhaft. Lohnt sich zu lesen und darüber zu philosophieren: Was ist da passiert? Lies selber … Aber erst nach der Wanderung Mülenenschlucht–Drei Weieren–Kaffeehaus–Altstadt St.Gallen. Viel Vergnügen!
Die Aussicht von unterwegs.
3 weitere Inspirationen für Wanderer
Über 18 Brücken sollst du gehen
Zauberhafte Wanderung entlang der Sitter mit Informationen zu Konstruktion und Bau der Brücken.
Tipp: Schnitzelpause im Restaurant Spisegg – in Mäuse-, Esel- oder Elefantenohrgrösse.
4 Prinzessinnen sollst du küssen
Schlösserrundweg im Rorschacherberg, führt hoch hinauf, vorbei an vier Schlössern und belohnt mit fantastischem Blick auf den Bodensee.
Tipp: Hinfahrt mit der Zahnrad- bahn Rorschach-Heiden (Ausstieg: Haltestelle Wartensee).
37 wilde Tiere sollst du streicheln
Wunderschöner Wildpark (Peter und Paul) auf einer Hügelkuppe bei Rotmonten, wo sich Hirsch, Gams, Luchs, Murmeltier und Steinbock Gute Nacht sagen.
Tipp: Tiere im Park besser nicht streicheln … :-) Dafür ab ins Naturmuseum: www.naturmuseumsg.ch
*Dieser Artikel wurde erstmals in der Juni-Ausgabe von «612, dem Guide-Magazin von St.Gallen-Bodensee Tourismus» publiziert
Walter Eggenberger.
Walter Eggenberger (1944) war bis 1995 Moderator beim Schweizer Fernsehen und Radio und wurde vor allem mit der Nachrichtensendung «10vor10» bekannt. Er lebt in St.Gallen.
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