David Zuberbühler.
Wir sind in der letzten stillen Phase vor dem Wahlkampf. Nach dem Sommer bringen sich die Politikerinnen und Politiker in Stellung. Im Thurgau könnte Peter Spuhler für Stimmung sorgen. Im Kanton St.Gallen sind Karin Keller-Sutter und Walter Müller zwei entscheidende Faktoren.
Im Oktober 2019 stehen die nächsten Eidgenössischen Wahlen an.
Das heisst, dass sich in Kürze die potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten in Stellung bringen werden.
Am einfachsten wird man das an einer erhöhten Social-Media-Aktivität erkennen. Die Politiker polieren ihre Accounts auf und beginnen, «Fans» und «Freunde» zu sammeln.
Dabei deutet aktuell einiges darauf hin, dass die meisten der Bisherigen nochmals antreten werden, was die Wahlchancen für neue Kandidatinnen und Kandidaten erheblich schmälert.
Appenzell Ausserrhoden - Nationalrat
Im Kanton Appenzell Ausserrhoden sitzt SVP-Mann David Zuberbühler im Nationalrat. Die anderen Parteien werden ihm diesen Sitz kaum kampflos überlassen. Insbesondere die FDP dürfte derzeit gezielt ihre Fühler nach einem Kandidaten bzw. einer Kandidatin ausstrecken. 2015 versuchte man es mit dem künftigen IHK-Direktor Markus Bänziger. Der dürfte sich aber kaum kurz nach seinem Amtsantritt im November 2018 in einen Wahlkampf stürzen wollen.
David Zuberbühler.
Appenzell Innerrhoden - Nationalrat
Innerrhoden ist mit dem 58-jährigen Daniel Fässler vertreten. Der CVP-Politiker wird wohl erneut antreten – und problemlos gewählt werden.
St.Gallen - Nationalrat
Im Kanton St.Gallen erwarten uns spannungsarme Wahlen. Mit einer einzigen Ausnahme. Die Frage, ob FDP-Urgestein Walter Müller nochmals antritt, ist nach wie vor unbeantwortet.
Er ist 70-jährig. Und er sitzt seit 14,5 Jahren im Nationalrat.
Die Meinung, dass Müller schon längst einem «Ersatzmann» Platz gemacht hätte, käme dieser so wie er ebenfalls aus der Landwirtschaft, macht in FDP-Kreisen schon seit geraumer Zeit die Runde.
Nur: Erster Ersatz wäre mit dem St.Galler Walter Locher aktuell ein Anwalt.
Darüber hinaus weiss die FDP-Parteileitung aber auch, dass sie mit Müller einen perfekten Stimmensammler im Köcher hat.
Walter Müller.
Thurgau - Nationalrat
Noch ereignisloser wird es im Kanton Thurgau ablaufen. Nach heutigem Erkenntnisstand werden alle sechs Nationalräte erneut antreten.
Und im Ständerat?
Thurgau - Ständerat
Im Kanton Thurgau könnte einer den Ausschlag geben, der aktuell nicht in Bern sitzt, dort aber schon Akzente gesetzt hat: Peter Spuhler.
Bekundet er sein Interesse, könnte das SVP-Parteikollege Roland Eberle zum Rücktritt bewegen. Der 64-jährige bekleidet dieses Amt seit Dezember 2011.
Roland Eberle.
Appenzell Innerrhoden - Ständerat
Unklar ist ebenfalls, ob der Innerrhoder CVP-Ständerat Ivo Bischofberger eine weitere Wahl in Angriff nehmen wird. Der 60-Jährige sitzt seit 11 Jahren im Rat und will sich «zu gegebener Zeit» entscheiden, ob er nochmals antritt.
Appenzell Ausserrhoden - Ständerat
Gesetzt ist hingegen FDP-Mann Andrea Caroni im Kanton Appenzell Ausserrhoden.
St.Gallen - Ständerat
Das bringt uns letztlich zur grossen Unbekannten im Kanton St.Gallen.
Und das ist nicht Paul Rechsteiner von der SP. Er hat bereits angekündigt, dass er noch nicht genug hat. Der 65-Jährige politisiert seit insgesamt 32 Jahren in Bern, davon rund 25 Jahre als Nationalrat und rund sieben Jahre als Ständerat.
Seine Kollegin Karin Keller-Sutter von der FDP kann hier auf erst 6,5 Jahre im Ständerat zurückblicken.
Die nächsten vier Jahre sind gesetzt, sofern ihre nicht die Wahl in den Bundesrat «dazwischenkommt».
Hier gilt sie seit Monaten als absolute Favoritin, wenn es um die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann geht.
Das Dumme ist nur, dass gerade bei Bundesratswahlen jene Personen, die zu lange als Favoriten gehandelt werden, letztlich oftmals Schiffbruch erlitten haben. Gut möglich, dass hier schon bald die Karten neu gemischt werden.
Übrigens: Bereits im Oktober 2017 forderte Stefan Schmid, Chefredaktor vom «St.Galler Tagblatt», in seinem Leitartikel drei «Sesselkleber» dazu auf, sich zu verabschieden.
«Mit Thomas Müller, Walter Müller und Jakob Büchler sitzen im Nationalrat seit geraumer Zeit drei Politiker, die nie eine Hauptrolle gespielt haben», schrieb Schmid. Zumindest Büchler hat sich das zu Herzen genommen und 2018 Platz für seinen Nachfolger, Olma-Direktor Nicolo Paganini, gemacht.
Ob sich auch Thomas Müller von der SVP und Walter Müller von der FDP von Schmids Aussagen inspiriert fühlen, wird sich zeigen.
Thomas Müller.
Marcel Baumgartner (*1979) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».
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