Die Igelpflegestation im Walter Zoo hatte auch im 2023 viel Betrieb: 1'248 Beratungsgespräche wurden geführt und 281 Igel wurden abgegeben. Dies zeigt, dass der Braunbrustigel ein Sympathieträger der Biodiversität ist und es der Bevölkerung ein Anliegen ist, diese Tiere zu schützen.
Seit Juli 2020 betreibt der Walter Zoo im hinteren Bereich des Zoos eine Igelpflegestation. Und leider ist die Nachfrage nach Hilfeleistung für Igel nach wie vor sehr hoch, teilt das Unternehmen mit. Wer einem Braunbrustigel begegnet, der auffällig aussieht respektive krank oder verletzt ist, soll sich bei einer Igelpflegestation in der Nähe melden. Eine telefonische Beratung hilft zu entscheiden, ob der Igel für sein Überleben Hilfe benötigt oder nicht.
Krankheitsbilder der Igel
Im letzten Jahr wurden in der Igelpflegestation des Walter Zoos etwas weniger Tiere abgegeben als in den beiden Jahren davor, aber es sind immer noch sehr viele. Die häufigsten Erkrankungen waren Parasitenbefall und Verletzungen. Die meisten Igel (86.8 %) hatten Flöhe, 71.2 % hatten Zecken, 12 % hatten Milben, 15.3 % waren bereits von Maden befallen. Bei einem Drittel (33 %) der Tiere wurde ein Wurmbefall (meist in Lunge und/oder Darm) festgestellt und behandelt.
Aufgrund des hohen Parasitenbefalls ist es nicht verwunderlich, dass 35.9 % der Tiere Atemwegserkrankungen hatten, die meist durch Lungenwürmer verursacht wurden. Ähnlich viele Tiere (33.1 %) hatten Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes (meistens mit Durchfall), ebenfalls fast immer verursacht durch einen Wurmbefall.
Beratungen und Informationsmaterial für den Artenschutz
Langfristig ist es entscheidend, nicht nur die akuten Probleme der Igel zu behandeln, sondern auch ihren Lebensraum zu schützen und potenzielle Gefahren zu minimieren. Die Igelpflegestation engagiert sich daher intensiv in der Aufklärung der Bevölkerung über Massnahmen zum Schutz von Igeln und anderen Wildtieren.
Telefonberatungen und Informationsmaterial spielen dabei eine wichtige Rolle. Auch der Naturlehrpfad im Walter Zoo trägt dazu bei, dass sich die Bevölkerung mit dem Artenschutz resp. mit der Förderung der Biodiversität vor der eigenen Haustüre auseinandersetzt. Jeder Finderin und jedem Finder, die einen Igel in die Station bringen, wird zudem ein informativer Flyer ausgehändigt, welcher häufige Fragen zum Thema Igel beantwortet.
Darüber hinaus tragen sowohl Privatpersonen als auch Wildtierpflegestationen durch die Meldung von Funddaten auf der Meldeplattform des Projekts «Wilde Nachbarn» des Vereins StadtNatur bei, um langfristig Veränderungen in den Populationen zu überwachen und zu erforschen.
Viel Arbeit und grosse Unterstützung
Insgesamt bleiben die Pflege und Behandlung von Igeln eine herausfordernde Aufgabe, die einen erheblichen finanziellen und personellen Aufwand für den Walter Zoo bedeutet. Dennoch sind die Bemühungen der Igelpflegestationen unerlässlich, um das Überleben und Wohlergehen dieser faszinierenden Wildtiere zu sichern.
Dank freiwilligen Helferinnen und Helfern, dem grossen Einsatz des Zoo-Teams aber auch dank der finanziellen Unterstützung der Bevölkerung können viele Tiere gepflegt und wieder ausgewildert werden.
Der Walter Zoo in Gossau SG beherbergt rund 900 Tiere aus 100 verschiedenen Arten, die Botschafter für ihre wilden Artgenossen sind. Sie begeistern jährlich rund 290‘000 Besuchende für Natur- und Artenschutz-Themen und wecken Verständnis und Faszination für die Tierwelt und deren Lebensräume. Die artgerechte Pflege und das Wohlbefinden der Tiere hat oberste Priorität.
Der Walter Zoo betreibt zudem zwei Pflegestationen für einheimische Wildtiere (Wildvogelpflegestation St. Gallen und Igelpflegestation in Gossau) und übernimmt so auch für den Schutz der einheimischen Tierwelt Verantwortung.
Der Zoo wurde 1961 durch Walter und Edith Pischl gegründet und war damals als «Tierli-Walter» bekannt. Die heutige Walter Zoo AG beschäftigt über 100 Mitarbeitende.
(Bilder: Walter Zoo)
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