logo

Ivana

Das Auto als Statussymbol

Wie kein zweites Konsumgut eignet sich das Auto bestens, seinen eigenen Rang in der Gesellschaft zu demonstrieren.

Ivana Mijailovic am 01. Juni 2018

Ich entstamme einer Generation, welche mit dem Automobil aufgewachsen ist. Wie eine andere Errungenschaft des 20. Jahrhunderts, das Fernsehen, war das Auto gewissermassen einfach schon da und wurde von den Eltern und uns Kindern als Gebrauchsgegenstand des täglichen Lebens akzeptiert und schätzen gelernt.

Selbstverständlich gilt es auch die Kehrseite der Mobilität zu erwähnen:

Sich häufende Staus, Unfälle, Umweltverschmutzung, zunehmende Knappheit der fossilen Energie und damit verbunden, Umweltkatastrophen wie im Golf von Mexiko.

Wir Konsumenten sind an dieser Situation nicht unschuldig, sondern vielmehr aktiv mitbeteiligt. Durch unsere stetige Nachfrage nach Erdölprodukten wie Benzin beleben wir die Aktivitäten der Erdölunternehmen wie etwa BP.

Die erfolgreiche Suche und Förderung des schwarzen Goldes ist ohne Zweifel mit steigenden Risiken verbunden, an denen wir als Nachfrager auch partizipieren.

Gleichzeitig gilt aber auch: Die Ära der benzingetriebenen Autos neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu. Mit Hochdruck arbeiten weltweit die Ingenieure der grossen Automobilproduzenten an der Entwicklung sparsamer, leichter und vor allem elektrisch angetriebener Autos.

Diese Entwicklung wird das Autofahren, wie wir es bisher kannten, verändern: Nahezu lautlos werden wir uns von A nach B bewegen, mit der Zeit werden sich die Leistungen der Batterien erhöhen und damit eine grössere Reichweite erlauben. Die Fussgänger werden sich hüten müssen vor leise heranfahrenden Autos. Die Ohren der Anwohner von bisher lauten Strassen werden aufatmen, die Luftverschmutzung durch benzingetriebene Motoren wird sinken. Die Tankstellen werden schrittweise vom Benzinausschank zum Stromlieferanten umstellen müssen.

Das Automobil bietet uns zahlreiche Vorteile und Annehmlichkeiten. Wir können uns zu jeder Tages- und Nachtstunde von A nach B bewegen, sitzen im Trockenen, die Heizung entwickelt angenehme Wärme, die bisweilen garstige Witterung bleibt draussen. Blech, Glas und Gummi vermitteln vor allem zu später Stunde Sicherheit. Nicht ohne Grund flüchten Prominente, Sportler oder Politiker gerne ins Auto, um den aufdringlichen Medien zu entfliehen.

Für viele bedeutet das Auto jedoch weit mehr als ein Transportmittel: Es ist Ausdruck des persönlichen Lebensstils, der eigenen Persönlichkeit und des eigenen sozialen Status. Seit es Autos gibt sind die Leute bereit, viel Geld in die Ausstrahlung eines Autos der gehobenen Preisklasse zu investieren. Die Botschaft ist immer dieselbe: Man ist schliesslich jemand und vermag es, sich ein teures Auto zu leisten.

Wie kein zweites Konsumgut eignet sich das Auto bestens, seinen eigenen Rang in der Gesellschaft oder auch nur den Schein davon zu demonstrieren. Koste es, was es wolle, muss das Umfeld beeindruckt werden. Fehlt das nötige Kleingeld, ist es dem Auto überhaupt nicht anzusehen, dass es nicht gekauft, sondern geleast wurde und die Bank der wahre Eigentümer ist! Wenn die anderen auftrumpfen, gilt es, mitzuhalten – auch wenn man sich das geliebte Automobil am Mund absparen muss.

Ich höre von jungen Männern, die als Gruppe einen sehr teuren, pechschwarzen Audi leasen, weil einer allein dies nicht könnte.

Eine immer raffiniertere Werbung sorgt dafür, dass das Auto auch innerhalb der jungen Generation weiterhin attraktiv und begehrenswert bleibt. Ich höre von jungen Männern, die als Gruppe einen sehr teuren, pechschwarzen Audi leasen, weil einer allein dies nicht könnte. Am Wochenende gilt es dann, die jungen Damen zu beeindrucken. Schliesslich strahlt ein teures Auto immer auch finanzielle Möglichkeiten aus.

Die meisten Autobesitzer und Möchtegern-Besitzer scheinen nicht rechnen, nicht eiskalt kalkulieren zu können. Der automobile Auftritt ist teurer als sich die meisten träumen lassen. Aber es geht eben um Emotionen und jeder flüstert sich nur zu gerne zu, dass man schliesslich nur einmal lebe und sich ansonsten nichts gönne.

Zur happigen Leasinggebühr gesellen sich die Kosten für Treibstoff, Vollkasko-Versicherung, Wartung, Wagenwäsche usw. Im Durchschnitt reicht ein Franken für einen zurückgelegten Kilometer längst nicht mehr. Fazit: Das Aufschneiden, das Erzielen von Prestige war eben immer schon kostspielig.

Einige Highlights

Uzwilerin mit begrenzter Lebenserwartung

Das Schicksal von Beatrice Weiss: «Ohne Selbstschutz kann die Menschheit richtig grässlich sein»

am 11. Mär 2024
Im Gespräch mit Martina Hingis

«…und das als Frau. Und man verdient auch noch Geld damit»

am 19. Jun 2022
Das grosse Gespräch

Bauernpräsident Ritter: «Es gibt sicher auch schöne Journalisten»

am 15. Jun 2024
Eine Analyse zur aktuellen Lage

Die Schweiz am Abgrund? Wie steigende Fixkosten das Haushaltbudget durcheinanderwirbeln

am 04. Apr 2024
DG: DG: Politik

«Die» Wirtschaft gibt es nicht

am 03. Sep 2024
Gastkommentar

Kein Asyl- und Bleiberecht für Kriminelle: Null-Toleranz-Strategie zur Sicherheit der Schweiz

am 18. Jul 2024
Gastkommentar

Falsche Berechnungen zu den AHV-Finanzen: Soll die Abstimmung zum Frauenrentenalter wiederholt werden?

am 15. Aug 2024
Gastkommentar

Grenze schützen – illegale Migration verhindern

am 17. Jul 2024
Sensibilisierung ja, aber…

Nach Entführungsversuchen in der Ostschweiz: Wie Facebook und Eltern die Polizeiarbeit erschweren können

am 05. Jul 2024
Pitbull vs. Malteser

Nach dem tödlichen Übergriff auf einen Pitbull in St.Gallen: Welche Folgen hat die Selbstjustiz?

am 26. Jun 2024
Politik mit Tarnkappe

Sie wollen die angebliche Unterwanderung der Gesellschaft in der Ostschweiz verhindern

am 24. Jun 2024
Paralympische Spiele in Paris Ende August

Para-Rollstuhlfahrerin Catherine Debrunner sagt: «Für ein reiches Land hinkt die Schweiz in vielen Bereichen noch weit hinterher»

am 24. Jun 2024
Politik extrem

Paradox: Mit Gewaltrhetorik für eine humanere Gesellschaft

am 10. Jun 2024
Das grosse Bundesratsinterview zur Schuldenbremse

«Rechtswidrig und teuer»: Bundesrätin Karin Keller-Sutter warnt Parlament vor Verfassungsbruch

am 27. Mai 2024
Eindrucksvolle Ausbildung

Der Gossauer Nicola Damann würde als Gardist für den Papst sein Leben riskieren: «Unser Heiliger Vater schätzt unsere Arbeit sehr»

am 24. Mai 2024
Zahlen am Beispiel Thurgau

Asylchaos im Durchschnittskanton

am 29. Apr 2024
Interview mit dem St.Galler SP-Regierungsrat

Fredy Fässler: «Ja, ich trage einige Geheimnisse mit mir herum»

am 01. Mai 2024
Nach frühem Rücktritt: Wird man zur «lame duck»?

Exklusivinterview mit Regierungsrat Kölliker: «Der Krebs hat mir aufgezeigt, dass die Situation nicht gesund ist»

am 29. Feb 2024
Die Säntis-Vermarktung

Jakob Gülünay: Weshalb die Ostschweiz mehr zusammenarbeiten sollte und ob dereinst Massen von Chinesen auf dem Säntis sind

am 20. Apr 2024
Neues Buch «Nichts gegen eine Million»

Die Ostschweizerin ist einem perfiden Online-Betrug zum Opfer gefallen – und verlor dabei fast eine Million Franken

am 08. Apr 2024
Gastkommentar

Weltweite Zunahme der Christenverfolgung

am 29. Mär 2024
Aktionswoche bis 17. März

Michel Sutter war abhängig und kriminell: «Ich wollte ein netter Einbrecher sein und klaute nie aus Privathäusern»

am 12. Mär 2024
Teuerung und Armut

Familienvater in Geldnot: «Wir können einige Tage fasten, doch die Angst vor offenen Rechnungen ist am schlimmsten»

am 24. Feb 2024
Naomi Eigenmann

Sexueller Missbrauch: Wie diese Rheintalerin ihr Erlebtes verarbeitet und anderen Opfern helfen will

am 02. Dez 2023
Best of 2023 | Meine Person des Jahres

Die heilige Franziska?

am 26. Dez 2023
Treffen mit Publizist Konrad Hummler

«Das Verschwinden des ‘Nebelspalters’ wäre für einige Journalisten das Schönste, was passieren könnte»

am 14. Sep 2023
Neurofeedback-Therapeutin Anja Hussong

«Eine Hirnhälfte in den Händen zu halten, ist ein sehr besonderes Gefühl»

am 03. Nov 2023
Die 20-jährige Alina Granwehr

Die Spitze im Visier - Wird diese Tennisspielerin dereinst so erfolgreich wie Martina Hingis?

am 05. Okt 2023
Podcast mit Stephanie Stadelmann

«Es ging lange, bis ich das Lachen wieder gefunden habe»

am 22. Dez 2022
Playboy-Model Salomé Lüthy

«Mein Freund steht zu 100% hinter mir»

am 09. Nov 2022
Neue Formen des Zusammenlebens

Architektin Regula Geisser: «Der Mensch wäre eigentlich für Mehrfamilienhäuser geschaffen»

am 01. Jan 2024
Podcast mit Marco Schwinger

Der Kampf zurück ins Leben

am 14. Nov 2022
Hanspeter Krüsi im Podcast

«In meinem Beruf gibt es leider nicht viele freudige Ereignisse»

am 12. Okt 2022
Stölzle /  Brányik
Autor/in
Ivana Mijailovic

Ivana Mijailovic (*1993) ist Schauspielstudentin und Model. Sie lebt in Männedorf (ZH).

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.