Im Fall der Wahl zum Ständerat will Benedikt Würth bis zum Ende der Legislatur St.Galler Regierungsrat bleiben. Das ist ganz schön viel Arbeit. Er hat aber noch ein drittes gewichtiges Amt, das gerne vergessen geht: Das Präsidium der Konferenz der Kantonsregierungen.
Die Konferenz der Kantonsregierungen, kurz KdK, ist in der Öffentlichkeit ein wenig bekanntes Gremium. Aber durchaus ein bedeutsames. In der KdK versammeln sich die Kantonsregierungen mit dem Ziel, die Interessen der Kantone gegenüber dem Bund geballt zu vertreten.
Dabei geht es beispielsweise um die Aufgabenteilung zwischen Bund und Kanton oder auch darum, wie Bundesaufgaben durch die Kantone vollzogen werden sollen.
In der sogenannten Plenarversammlung ist jeder Kanton mit einem Mitglied der Regierung vertreten. Darüber thront ein «leitender Ausschuss» mit neun Mitgliedern. Auch dieser besteht aus Regierungsrätinnen und Regierungsräten.
Und präsidiert wird dieser Ausschuss - und damit auch die KdK - vom St.Galler Finanzdirektor Benedikt Würth. Er wurde erst im März 2017 in dieses prestigeträchtige Amt gewählt. Nach 16 Jahren kam damit erstmals wieder ein Ostschweizer an die Spitze der Konferenz der Kantonsregierungen.
Bleibt Benedikt Würth im Fall einer Wahl in den Ständerat für ein abschliessendes Jahr in der Regierung - was er offenbar vorhat -, so ist nicht anzunehmen, dass er das Präsidium der KdK früher abgeben wird. Zumal er zum Zeitpunkt der Ständeratswahlen erst zwei Jahre KdK-Präsident ist. Und als Regierungsrat erfüllt er auch die Anforderungen für das Amt weiterhin.
Kommt es soweit, würde ein gerüttelt Mass an Arbeit auf Würth warten. Zum einen das Vollamt als Regierungsrat, dann das Ständeratsmandat, das in der Regel mit etwa 50 Prozent eingeschätzt wird - und schliesslich die KdK. Ganz schön viel für einen einzigen Mann, auch wenn dieser allgemein als bienenfleissig gilt.
Das Amt im «Haus der Kantone» in Bern ist auch mit einer recht hohen physischen Präsenz verbunden. Die Agenda der Konferenz der Kantonsregierungen weist jedes Jahr rund ein Dutzend offizieller Termine aus - bilaterale Gespräche und Treffen sowie die ganze Vorarbeit nicht eingerechnet. 2018 befanden sich unter den Terminen auch solche im Ausland, konkret in Brüssel und Strassburg.
Immerhin: Für 2019 sind bisher ausschliesslich Termine in Bern vorgesehen, und dort wäre Benedikt Würth als (möglicher) Ständerat ohnehin schon. Es sei denn natürlich, sie finden dann statt, wenn er eigentlich als Regierungsrat in St.Gallen gebraucht wird.
Übrigens: Als es um die Wahl zum KdK-Präsidenten ging, schaufelte sich Würth - er war der einzige Kandidat - in weiser Voraussicht frei. Er gab das Präsidium der Stiftung «ch» ab, ebenso schied er aus den Verwaltungsräten der Olma und der St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke aus. Auch das ein Indiz dafür, wie umfangreich die KdK-Tätigkeit ist.
Zurückhaltend geschätzt ergibt sich über ein Jahr hinweg durch die drei Ämter ein Pensum, das nahe am Doppelten von demjenigen eines normalen Werktätigen liegen wird. Wenigstens, könnten Lästerzungen sagen, gilt das auch für die Besoldung.
Stefan Millius (*1972) ist freischaffender Journalist.
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