Der «Dies academicus» ist der Höhepunkt im Kalender der Universität St.Gallen (HSG). Er ist ein Treffen von Mitgliedern, Ehemaligen und prägenden Persönlichkeiten auf dem Campus. Während des Festaktes wurden verschiedene Ehrungen und Preise verliehen.
Eröffnet wurde der Festakt von Alt-Rektor Bernhard Ehrenzeller, der auf eine spannende Rektoratszeit zurückblickte, geprägt von Kollegialität und hohem Engagement innerhalb der Universität und spürbarem Rückhalt in der Bevölkerung. Die Universität unterscheide sich von anderen autonomen Institutionen des Kantons, sagte er. «Sie ist eine geführte Expertenorganisation, die im Wesentlichen nicht auf hierarchische Entscheidungsprozesse ausgelegt ist.»
Das neue Universitätsgesetz habe die Mitwirkungsrechte insbesondere der Studierenden, des Mittelbaus und der Verwaltung, aber auch die Führungsverantwortung auf allen Ebenen, deutlich verstärkt. In diesem einzigartigen Zusammenspiel verschiedener Interessensgruppen sei es wichtig, aufeinander zu hören. Bernhard Ehrenzeller betonte dabei: «Bei aller fruchtbaren Auseinandersetzung sollten wir uns immer als eine umfassende Universitätsgemeinschaft verstehen.» Dem neuen Rektor Manuel Ammann wünschte er jenes ‹Quäntchen Glück›, das es zum guten Gelingen manchmal brauche.
Demut und offener Dialog
Ein wichtiger Begleiter der Universität St.Gallen ist seit 2008 auch Stefan Kölliker, Bildungsdirektor des Kantons St.Gallen und Präsident des Universitätsrates. Er kam damals als Quereinsteiger in die St.Galler Regierung. Was er mitbringen musste? – «Den Mut, der akademischen Welt auf Augenhöhe zu begegnen», sagte er. Er habe sich bewusst in Demut geübt, auch in Zeiten der ‹Issues›. Fehler seien zum Lernen und zur Selbstreflexion da. In diese Richtung sollten auch Universitäten gehen, wünschte sich Stefan Kölliker. «Für mich erfüllt eine Ausbildungsstätte ihren sozialen Integrationsauftrag, wenn sie die jungen Menschen zu Offenheit inspiriert – zu Offenheit sich selbst und anderen gegenüber.»
Talente fördern, Innovationen vorantreiben
Die Kompetenz, eigenständig und kritisch zu reflektieren, hob auch Rektor Prof. Dr. Manuel Ammann in seiner Festrede hervor. Es gehe darum, Talente zu fördern, denn sie seien die entscheidende Ressource, um den Wohlstand in der Schweiz zu sichern. «Wir wollen unsere Studierenden dabei unterstützen, einen inneren Kompass zu entwickeln, der ihnen auf ihrem weiteren Berufs- und Lebensweg Orientierung bietet.» Solche zukunftsorientierten Kompetenzen zu entwickeln und einzuüben, geschehe in einem Prozess der Interaktion, erklärte Rektor Manuel Ammann. Die Studierenden wie Forschenden stünden deshalb in stetigem Austausch mit Partnern aus der Praxis, um unternehmerische Initiativen zu entwickeln und umzusetzen.
«Innovation schafft Wirkung, Wertschöpfung und damit Wohlstand – regional, national und international.» Am Samstagnachmittag werde ausserdem das St.Gallen Collegium eröffnet, das herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der HSG zusammenführt, hob der Rektor hervor. Schliesslich sei die Universitätslandschaft von einer Dynamik der Differenzierung geprägt. Zur «Champions League», so Manuel Ammann, einer kleinen Gruppe führender Universitäten in der Wirtschafswissenschaft, möchte auch die HSG gehören.
Um dies zu realisieren, wurde eine neue Vision formuliert: «Wir sind dank wirkungsorientierter Forschung, ganzheitlicher Aus- und Weiterbildung und einem aktiven Netzwerk die führende Wirtschaftsuniversität in Europa. Wir sind die erste Wahl für engagierte Talente und entwickeln sie zu verantwortungsvollen, unternehmerischen Fachkräften und Führungspersönlichkeiten. Wir schaffen gemeinsam innovative und nachhaltige Zukunftslösungen für die grossen Herausforderungen in Wirtschaft und Gesellschaft.»
Gemeinsam über Pässe
Die Präsidentin der Studentenschaft und Rechtsstudentin Ann Julie Sevray setzte in ihrer Ansprache drei Akzente: Demokratie, studentisches Engagement, «Tour de France». Wie bei vielen ihrer Mitstudierenden weckte die Ausbildung an der HSG ihr Interesse für Prozesse im Kantonsrat, Stadtparlament, in universitären Gremien. Besonders beindruckt hat sie die studentische Initiative «Law Clinic», ein Verein, der sich für kostenlose Rechtsberatung in St.Gallen einsetzt. Gemeinsame Anstrengungen, Teamgeist und Abwechslung gehörten auch in der Studentenschaft zum Alltag. Die vergangenen zwei Jahre seien eine wahre «Tour de France» gewesen. «Es gibt asphaltierte, gerade Strecken, die man als Etappen mit vertretbarem Aufwand schnell schafft. Aber die Pässe und Bergetappen haben es in sich.»
Auszeichnungen für Mentoring und inspirierende Lehre
Im Anschluss wurden der «Mentorinnen- und Mentoren-Preis» und eine Auszeichnung für hervorragende Lehre und Interaktion mit Studierenden verliehen. Die Studentenschaft (SHSG) zeichnete Mathieu S. Jaus, Präsident von HSG Alumni, zum besten Mentor aus. Er sei ihnen stets gut gelaunt, aufrichtig interessiert und mit Sinn für Humor begegnet. Dr. Stefan Legge, Dozent für Aussenhandel, wurde von der SHSG mit dem «Teaching Award» zum besten Dozenten ernannt und erhält einen Stern in der «Hall of Teaching Fame». Besonders begeistert sind die Studierenden von Stefan Legges Art, komplexe ökonomische Modelle verständlich zu vermitteln.
Rektor Manuel Ammann, Ehrensenatorin Franziska Tschudi Sauber, Ehrendoktoren Carlo Ranzoni, Helmut Krcmar und Ralph Koijen, Stefan Kölliker und Alt-Rektor Bernhard Ehrenzeller (Bild: pd)
Ehrendoktorate für Fachleute aus Finance, Wirtschaftsinformatik und Recht
Herausragende Forschende aus den Bereichen der Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften wurden mit Ehrendoktorwürden ausgezeichnet:
Prof. Dr. Ralph Koijen gehört zu den bedeutendsten Wissenschaftlern auf den Gebieten Finance, Versicherungen und Makroökonomie. Er leitete verschiedene Arbeitsgruppen des ‘National Bureau of Economic Research’, einer US-amerikanischen Nonprofit-Forschungsorganisation, und ist Mitherausgeber führender Zeitschriften im Bereich Finance. Getreu dem Motto der Universität St.Gallen «From Insight to Impact» inspiriert er heute als Mentor Nachwuchsforschende, die einen ähnlichen Weg anstreben.
Prof. Dr. Helmut Krcmar forscht auf den Gebieten der digitalen Transformation, des Informations- und Wissensmanagements sowie zu plattformbasierten Ökosystemen. Die ‹WirtschaftsWoche› setzte ihn 2019 auf Rang 1 der forschungsstärksten BWL-Professor:innen im deutschsprachigen Raum. Mit der HSG ist er seit Jahren verbunden, in der Forschung wie Weiterbildung. Die Ehrendoktorwürde wurde Helmut Krcmar vom Senat der Universität St.Gallen verliehen, für seine ausserordentlichen Leistungen auf dem Gebiet der Wirtschaftsinformatik.
Carlo Ranzoni, iur. h.c., war in verschiedenen richterlichen Funktionen im Kanton St.Gallen und im Fürstentum Liechtenstein tätig, zuletzt auch auf europäischer Ebene am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Er gilt als Brückenbauer, der sich für die Sichtbarkeit von Klein- und Kleinststaaten vor Gericht einsetzte. Darüber hinaus hat sich Carlo Ranzoni für einen besseren Kinder- und Jugendschutz engagiert. Mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde würdigt die Universität St.Gallen einen Alumnus, der wie die HSG regionale Verankerung mit internationaler Ausstrahlung verbindet.
Drei Forschungsprojekte mit «HSG Impact Awards 2024» ausgezeichnet
Mit dem HSG Impact Award zeichnet die Universität HSG-Forschende aus, die mit ihren Projekten einen besonders wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten. In diesem Jahr reichen die Themenfelder der drei prämierten Projekte von künstlicher Intelligenz über neue, hybride Arbeitsformen bis zum Zusammenhang zwischen grünen Investitionen und Ungleichheit.
Die HSG Impact Awards 2024 gingen an:
Prof. Dr. Stephan Böhm, Dr. Martina Hartner-Tiefenthaler (TU Wien) und Tarek Carls: «Hybride Arbeit evidenzbasiert gestalten»
Prof. Dr. Ola Mahmoud und Lea Tschan: «Green Investments and Top Income Inequality»
Prof. Dr. Thomas Burri: «The First University of St.Gallen Grand Challenge – The EU A.I. Act 2023»
Miriam Caroline Buiten mit «Latsis-Preis» gewürdigt
Die Fondation Latsis Internationale ehrt jährlich an ausgewählten Universitäten der Schweiz Nachwuchsforschende. In diesem Jahr wurde der «Latsis-Preis» verliehen an Prof. Dr. Miriam Caroline Buiten, Assistenzprofessorin für Rechtswissenschaft in Kombination mit Wirtschaftswissenschaften. In ihrer Forschung geht sie insbesondere der Regulierung von Online-Plattformen und neuen Technologien nach. Jüngst auch zu den rechtlichen Rahmenbedingungen beim Einsatz von künstlicher Intelligenz.
Das Orchester der Universität und der Unichor umrahmten den Festakt: zum Abschluss wurde «Gaudeamus igitur» gesungen (Bild: pd)
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