Überall stossen sie zwar nicht auf grosse Gegenliebe, dennoch könnte das Angebot rund um die E-Scooter in St.Gallen weiter ausgebaut werden. Mit neuen Modellen strebt die Betreiberfirma eine noch grössere Nachhaltigkeit an.
Für die einen sind sie eine willkommene Abwechslung zum Drahtesel oder den herkömmlichen Trottinetten, den anderen sind sie schlicht ein Dorn im Auge: die E-Scooter der Stadt St.Gallen. Vor rund einem Monat wurden 100 davon an verschiedenen Orten stationiert, und seither spalten sie die Meinungen. «Zu Fuss war gesünder und schneller.» «VOI hat soeben einen Kunden verloren.» «Der Nutzen dieser Trotti hat sich mir irgendwie nicht erschlossen.» Oder aber: «Coole Sache.» «Handling ist einfach.» «Macht Spass.» Die Reaktionen auf Twitter könnten unterschiedlicher nicht sein. Dennoch zieht Claus Unterkircher, General Manager für den DACH Raum der Firma VOI, eine positive erste Bilanz. «Wir sind sehr zufrieden mit unserem Start in St.Gallen!»
Einige Mängel
Die schwedische Firma VOI platzierte die E-Trottinette bei den bestehenden Zweiradparkplätzen und der Velostation bei der Fachhochschule. Über eine App können sie gebucht und ausgeliehen werden. Dieses Angebot ist bereits in anderen Städten umgesetzt worden – mit Erfolg, wie Unterkircher weiter erklärt. «Eine Woche nach dem Launch in Deutschland konnten wir die fünf Millionen Fahrten-Marke knacken, nur eine Woche später dann die sechs Millionen – und das nur zehn Monate nach der Gründung von VOI.»
Das Erreichen dieses Meilensteins habe noch einmal verdeutlicht, wie gross das Interesse an alternativen Mobilitätsangeboten sei. Dies ist zwar auch in St.Gallen spürbar. Dennoch brachten die ersten Wochen einige Mängel ans Tageslicht. Diese betreffen beispielsweise die Akkus, welche bereits bei der Übergabe (fast) leer waren. Von einigen Nutzern wurde das Parkgebiet als zu klein angesehen, und andere wiederum konnten die Scooter nicht entsperren, das Geld wurde jedoch eingezogen. Auch die Brems- und Zugkraft der E-Trottinette wurde auf Twitter als zu schwach angesehen. Unterkircher nimmt wie folgt Stellung:
Akkus: «Jeder E-Scooter ist mit GPS ausgestattet. So wissen wir 24 Stunden am Tag, wo sich unsere Flotte befindet und ob alles in Ordnung ist. VOI sowie VOI-Logistikpartner lokalisieren via App E-Scooter mit niedrigem Ladestand und laden diese wieder auf. Über die Voi-App ist der Ladestand der Scooter sofort ersichtlich, so dass der Nutzer immer einen anderen Scooter wählen kann, der einen höhere Ladestand hat. Scooter mit einem niedrigen Akkustand deaktivieren wir in der App und markieren sie zur Abholung.»
Parkgebiet: «Wir sind in ständigem Kontakt mit der Stadt und erweitern unser Geschäftsgebiet entsprechend den Anforderungen und Bedürfnissen. Für ein grösseres Gebiet braucht man aber auch eine entsprechende Anzahl an Scootern, um die gewöhnte Abdeckung und Servicequalität anbieten zu können. In Stockholm zum Beispiel sind wir mit demselben Prinzip bereits im September 2018 gestartet. Inzwischen deckt unser Geschäftsgebiet fast ganz Stockholm ab. In Hamburg, wo wir mit der Hochbahn zusammenarbeiten, wird es unsere E-Scooter auch schon diesen Monat in den weiter aussen gelegenen Stadtbezirken geben.»
Entsperren: «Wir refundieren normalerweise solche Fahrten automatisch und möchten den besten Kundenservice anbieten. Sollte es doch mal ein Problem geben, sind wir jederzeit gerne erreichbar, am besten in-app oder unter support@voiapp.io, wo wir direkt weiterhelfen werden.»
Brems- und Zugkraft: «Wir setzen unser stärkstes Modell hier ein, das auch bergauf die meisten Steigungen schafft. Sollte es wirklich einmal zu steil sein, kann man per Fuss sehr leicht unterstützen und kommt immer noch mit wenig Anstrengung voran. Zudem haben wir zwei Bremsen, eine Rücktrittsbremse und eine Bremse am Lenker montiert, die man auch gleichzeitig verwenden kann. Generell empfehlen wir immer, vorausschauend und den Bedingungen entsprechend zu fahren und natürlich auch einen Helm zu tragen.»
Angebot ausbauen
In St.Gallen stellen die E-Scooter erst einmal ein Pilotprojekt für insgesamt drei Monate dar. Am Ende werde zusammen mit dem Anbieter über eine Weiterführung und eine allfällige Ausdehnung auf die ganze Stadt und Region entschieden, heisst es seitens der Stadt. Für die Firma VOI ist indes klar: Sie werden grundsätzlich ihr Angebot mit einem neuen E-Scooter-Modell, den Voiager 2, weiter ausbauen. «Die Batterie können wir bei den neuen Modellen austauschen – somit werden sie noch nachhaltiger», sagt Unterkircher.
Auch E-Bikes und E-Cargobikes mit austauschbaren Batterien seien geplant. Die vergleichsweise kleinen Batterien werden dann mit Lastenfahrrädern getauscht und von der Firma aufgeladen. Unterkircher: «Aus Erfahrung lässt sich sagen, dass die Nachfrage nach unserem Angebot mit der Zeit zunimmt. Das liegt daran, dass die lokale Bevölkerung nachhaltige Elektromobilität immer mehr in ihre Alltagswege aufnimmt.»
Manuela Bruhin (*1984) ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».
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