Frauen sind in den Chefetagen unterrepräsentiert. Wegen systematischer Diskriminierung? Kaum.
In den Verwaltungsräten und in den Top-Positionen des Managements brauche es Quoten, weil Unternehmen einseitig dominiert würden. Die Entscheidungsträger seien überwiegend Männer. Und diese würden ihren Geschlechtsgenossen den Weg ebnen – anstatt weiblichen Mitarbeitern.
So wird in der parlamentarischen Versammlung des Europarats diskutiert. Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich im Plenum. Und nehme zur Kenntnis, dass sich die vereinigten Linken Europas so äussern. Das Abstimmungsresultat vom Nachmittag ist jetzt schon klar: Die Mehrheit der Vertreter der 47 Europaratsländer wird für Frauenquoten in privaten Unternehmen stimmen.
Das ist nicht weiter schlimm, denn die Resolutionen aus Strassburg haben keine Rechtskraft. Sie sind mehr oder weniger für die Galerie.
Bern überholt Strassburg links
Schlimmer ist das, was in der Sommersession in Bern veranstaltet worden ist: Der Nationalrat will (mit 95 zu 94 Stimmen) Quotenfrauen an den Spitzen der privaten Unternehmen hieven, und zwar 20 Prozent in die Geschäftsleitungen und 30 Prozent in die Verwaltungsräte.
Ja, Frauen sind in den Chefetagen unterrepräsentiert. Wegen systematischer Diskriminierung? Kaum. In westlichen Ländern haben Frauen heute keine schlechteren beruflichen Chancen als Männer. Eine Frau kann Ingenieurin werden. Oder Ärztin. Oder Top-Managerin. Oder Bundesrätin.
Vorwärtskommen bedingt Einsatz und Opfer
Wer im Beruf oder in der Politik an die Spitze kommen will, muss Opfer bringen. Diese Feststellung ist beileibe nichts Neues. Es ist richtig und wichtig, dass Leistung belohnt wird. Die Leistungsstarken sollen vorwärts kommen – und nicht die «Quotenberechtigten» oder diejenigen mit privilegierten Beziehungen.
Ist das Leben immer gerecht? Nein. Selbstverständlich gründen Jobentscheide auch auf persönlicher Sympathie und weichen Faktoren.
Stimmt die «Chemie»? Passt die Person ins Team? Solche Fragen werden nicht immer rational beantwortet. Das ist so.
Unnötige Unsicherheit
Wie kann sich frau nach dem Katastrophenentscheid des Nationalrats künftig sicher sein, dass sie die Stelle oder die Beförderung wegen ihrer Fähigkeiten bekommen hat – und nicht, weil es gerade noch eine Quotenfrau braucht?
Nicht weniger schlimm als die Selbstzweifel der Betroffenen ist das neue Misstrauen der Kolleginnen und Kollegen. Das ist Gift für ein gesundes Arbeitsklima.
Frauen brauchen keine politische Unterstützung, damit sie erfolgreich sind. Unternehmen prosperieren dann, wenn sie dafür sorgen, dass die besten Leute vorwärts kommen. Können, Einsatz und menschliche Qualitäten zählen, nicht das Geschlecht.
Zum Schluss: Die besten Vorgesetzten, die ich in meinem Leben hatte, waren Chefinnen. Qualität statt Quotenquantität. Ganz einfach.
Roland Rino Büchel (*1965) ist seit 2010 Nationalrat für die SVP des Kantons St. Gallen. Der Rheintaler ist Mitglied der Büros des Nationalrats, der Aussenpolitischen Kommission und Europarats. Er steht für eine klar bürgerliche Politik und war bei der letzten grossen parlamentarischen Auswertung der Ostschweizer Nationalrat mit dem besten Rating.
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