Am Dienstagabend spielte die Band Amistat am St.Galler Kulturfestival vor ausverkauften Rängen. Wir waren vor Ort dabei.
«A Moment in the sun», singen Josef und Jan Prasil mit lieblicher Stimme im perfekten Zweiklang. Die Songzeile der Zwillingsbrüder hätte nicht passender zu diesem Abend sein können. Liess das Jahr 2024 bis anhin jedes Sommergefühl vermissen, erlebten die rund 400 Zuschauerinnen und Zuschauer am Dienstagabend einen schwülwarmen und wolkenlosen Abend im Innenhof des Völkerkundemuseums. Das Konzert im Rahmen des St.Galler Kulturfestivals war seit Wochen ausverkauft. Dabei sind Auftritte vor vollen Rängen für Amistat noch längst keine Selbstverständlichkeit.
«Bis vor zwei Jahren machten wir einfach Strassenmusik», erzählt Jan. Sie hätten sich nicht erträumen lassen, dass sie nach über zehn Jahren noch den Durchbruch schaffen würden. Jetzt vor so einem Publikum zu spielen, sei grossartig. «We are the happiest people on earth.»
Glücklich waren auch all jene, die sich ein Ticket ergattern konnten, um den beiden Folk-Sängern zu lauschen. Geboren in Deutschland, aufgewachsen in Italien und später nach Australien gezogen, verkörpern die Zwillinge eine kulturelle Mischung, die sich in ihrer Musik widerspiegelt. Mitunter beginnen ihre Songs zart und melancholisch – das Publikum lauscht in andächtiger Stille – bevor es dann im Stile von Mumford and Sons rhythmisch wird und zum Mitklatschen einlädt. Doch es dauert einige Songs, bis erstmals etwas Stimmung aufkommt. «You guys are so quiet», spiegelt Josef diese Zurückhaltung und prompt singt das Publikum beim nächsten Stück lauter mit.
Eine Fahrstunde westlich von hier steht zeitgleich eine gewisse Taylor Swift auf der Bühne und löst Begeisterungsstürme kreischender Fans aus. Amistat sind an diesem Abend ein herrlich entspannter Gegenentwurf, kommen ohne Kostümwechsel und Pyrotechnik aus und schaffen es vielleicht gerade deshalb mit ihren warmen und eingehenden Songs zu berühren.
Punkt 22 Uhr ist die Show vorbei, schliesslich würden sich sonst die Nachbarn beschweren, sagt Jan Prasil mit einem Augenzwinkern. Erfüllt von den Piano- und Gitarrenklängen, strömen die Menschen aus dem drückend warmen Innenhof hinaus in den Stadtpark. «For a moment in the sun», singen zwei junge Frauen. Für einen Abend war Hochsommer in St.Gallen. Danke Amistat.
(Bild: Martin Oswald)
Martin Oswald ist Leiter Regionalmedien und Mitglied der Geschäftsleitung bei Galledia sowie Verlagsleiter bei der Ostschweizer Medien AG.
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