Nach den Einstellungen der Bergungsversuche des Dampfschiffs Säntis am Bodensee zeigen sich die Verantwortlichen enttäuscht. Dennoch könnte sich ein kleiner Hoffnungsschimmer abzeichnen.
Sie planten, probten und tüftelten monatelang, damit das Wrack des Dampfschiffs Säntis endlich an die Oberfläche geholt werden konnte – dieser Traum muss nun jedoch seit vergangenem Sonntag wohl endgültig in den Tiefen des Bodensees versenkt werden. «Es war ein herber Rückschlag für uns», sagt Silvan Paganini, Präsident des Schiffsbergevereins, im Gespräch. «Nun müssen wir so schnell wie möglich die Plattform aufheben und wegräumen.»
Grosse Anstrengungen
Im Hintergrund sind Arbeitsgeräusche zu vernehmen, Silvan Paganini muss das Gespräch kurz unterbrechen, um das Schiff manövrieren zu können. Die Abläufe kurz nach dem Misserfolg zeigen das viele Herzblut, welches in das Projekt gesteckt wurde. Viele Freiwillige investierten unzählige Stunden, um das versenkte Dampfschiff Säntis aus ihrem Tiefschlaf zu holen. Alle Anstrengungen und Bemühungen wurden jedoch nicht von Erfolg gekrönt.
Am Ende entschied eine Seilwinde, die den Belastungen nicht Stand hielt, über den Misserfolg des zweiten Bergungsversuchs. Das Wrack sei leicht beschädigt, die Bergungsplattform hingegen stark. «Die Bobine haben wir im Vorfeld an einer Waage an einem Kran getestet. Wir hatten es überhaupt nicht auf dem Schirm, dass sie Probleme machen könnte», sagt Paganini. Das Projekt habe jedoch mit vielen Unbekannten zu kämpfen – nun sei es eben die Bobine, die nicht mitgemacht hätte.
Schwierige Koordination
Schweren Herzens habe man sich entschieden, an dieser Stelle aufzuhören. Man habe viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten, die meisten davon positiv und wohlwollend. «Einige waren jedoch etwas schwierig – man stellte unser Vorgehen in Frage, wieso man nicht dieses oder jenes ausprobiert hätte», so Paganini. Um nicht missverstanden zu werden: Für konstruktive Kritik sei man offen. Aber gewisse «besserwisserische Kommentare» seien in dieser Situation nicht angebracht.
Gerade auch deshalb, weil sich so viele Freiwillige für das Projekt engagiert hätten. Rückblickend vielleicht etwas, was Paganini anders machen würde. «Klar, im Nachhinein ist man immer schlauer. Es war jedoch eine sehr grosse Herausforderung, alles koordinieren zu können. Jeder ist natürlich anderswo eingespannt, sei es beruflich oder privat.»
Hohe Kosten
Die zweite Schwierigkeit betraf die Finanzen. Der Verein hatte, unter anderem durch ein Crowdfunding, rund 250'000 Franken zur Verfügung – was jedoch nur die Bergung mit Hebesäcken und nicht mit Litzenhebern möglich machte. Die sichere Methode hätte 500'000 Franken gekostet. Man habe von Beginn weg damit gerechnet, dass das Projekt nicht einfach reibungslos verlaufen würde. Doch die Kosten und Risiken stiegen, der Ausblick auf Erfolg jedoch sank. Ein solches «Low-Budget-Projekt» würde Paganini wohl so nicht mehr starten wollen.
Nachdem beim ersten Bergungsversuch ein Seil riss, war es nun die Bobine, die der Belastung nicht Stand hielt. Für Paganini ist klar, «wenn man etwas anfängt, muss man es auch zu Ende bringen.» Alleine die Bergung des Materials sei aber enorm schwierig und aufwendig – und wird das Team wohl noch weitere Monate beschäftigen.
«Natürlich hätten wir es uns anders gewünscht. Alle Arbeiten, die jetzt noch folgen, haben mit dem Aufräumen zu tun – und nicht mit dem eigentlichen Ziel, der Bergung des Dampfschiffs», so Paganini.
Doch noch ein Versuch?
Für den Rückbau der Plattform arbeiten die Verantwortlichen nun mit einem Startup der ETH Zürich zusammen, um 3D-Aufnahmen des Schadenplatzes realisieren zu können. «Dort unten ist alles so verwickelt, dass wir nicht genau wissen, was als nächstes passiert», erklärt Paganini.
Jetzt geht es nur noch um die Schadensbegrenzung. Ein kleiner Hoffnungsschimmer gibt es aber dennoch. Wenn dem Antrag, der beim Kanton Thurgau eingereicht wurde, stattgegeben wird, um die Hebeseile am Wrack bestehen zu lassen, könnte ein späterer Bergungsversuch von der enormen Vorleistung des Vereins profitieren. «Dass wir es geschafft haben, die Leinen unter dem Schiff durchzubringen, wäre dann immerhin nicht vergebens gewesen», sagt Paganini.
Wäre er bei einem weiteren Bergungsversuch ebenfalls wieder an Bord? Noch lässt sich der Präsident nicht in die Karten blicken. Nur so viel: «Wenn sich bei beiden Punkten, also bei der Freiwilligenarbeit und den Kosten, etwas ändern würde, wäre ich vielleicht wieder dabei.»
(Bild: Archiv)
Manuela Bruhin (*1984) ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».
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