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Interview mit Züger-Frischkäse-Chef

Nationalratskandidat Christof Züger: «Wir haben nichts zu verbergen, aber Zeitpunkt und Aufmachung des Artikels sind aussergewöhnlich»

Ein nicht rechtskräftiger Strafbefehl gegen die Züger Frischkäse AG in Oberbüren gibt zu reden. Nicht zuletzt, weil deren CEO in den Nationalrat möchte. Christof Züger erklärt, dass er sich zwar nicht als Opfer sehe. Den Zeitpunkt jedoch, zu dem der Fall publik wird, hält er für fraglich.

Manuela Bruhin am 04. Oktober 2023

Christof Züger, dass der drei Jahre alte Fall gerade jetzt aufgerollt wird, sei auf den Wahlkampf zurückzuführen, schreibt die FDP – und stellt sich damit hinter Sie. Fühlen Sie sich als Opfer einer Schlammschlacht?

Der Zeitpunkt der Publikation im «St.Galler Tagblatt», wenige Tage vor den Nationalratswahlen, an denen ich als Kandidat teilnehme, war überraschend. Das Vorkommnis erfolgte vor rund drei Jahren während unserer Bauarbeiten. Es wird nun öffentlich diskutiert. Zufall oder Absicht, der geneigte Leser und die geneigte Leserin mögen selbst entscheiden. Trotz des Medienrummels fühle ich mich nicht als Opfer.

Wie alt ist der Fall, und wo steht er juristisch zurzeit?

Das Vorkommnis ereignete sich im Jahr 2020/2021. Nach den Messungen des zuständigen Amtes und unserer eigenen, als kleinste Mengen Milchpartikel entdeckt wurden, hatten wir sofort reagiert und die nötigen Gegenmassnahmen getroffen. Nun hat mein Bruder als Verantwortlicher für die Infrastruktur vor rund drei Monaten einen Strafbefehl erhalten, den wir aus grundsätzlichen Überlegungen so nicht anerkennen. Wir haben zu keinem Zeitpunkt absichtlich etwas in die Thur geleitet. Zudem bestand zu keiner Zeit eine Gefahr für Menschen, Tiere oder die Natur.

Glauben Sie, die Angelegenheit wurde den Medien absichtlich zugespielt? Wenn ja, von wem?

Es steht mir nicht an zu spekulieren. Der Zeitpunkt, kurz vor den Nationalratswahlen, lässt dies aber zumindest vermuten.

Die FDP schreibt weiter, dass im besagten Fall eher Ihr Bruder im Fokus stehe. Doch die Züger Frischkäse steht genau dafür ein, ein Familienbetrieb zu sein. Sieht das nicht zu sehr nach Ausrede aus? Schliesslich amten Sie als CEO.

Wir sind ein Familienbetrieb und entscheiden gemeinsam, keine Frage. Wir sind auch für die Züger Frischkäse AG gemeinsam verantwortlich. Als CEO trage ich allerdings die operative Gesamtverantwortung. Zu dieser stehe ich auch.

Sie haben Einsprache erhoben und weisen den Vorwurf der Gewässerverunreinigung zurück. Weshalb?

Ich will nicht in Abrede stellen, dass Milchpartikel unbemerkt in die Thur gelangten. Und zwar im Verhältnis von 50 Litern Milch zu 200'000 Litern Prozesstrinkwasser. Wir haben die Thur nicht «verschmutzt», weil zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Mensch, Tier oder die Natur bestand. Wir bedauern das Vorkommnis, das leider geschah. Andererseits ist es in anderen Kantonen wie auch im nahen Ausland beispielsweise üblich, dass Prozesstrinkwasser, ohne Milchpartikel, direkt eingeleitet werden dürfen. Wir warten hingegen seit Monaten auf eine entsprechende Bewilligung.

Ist es nicht die Aufgabe der Medien, über politische Kandidierende, die sich als erfolgreiche Unternehmer im Wahlkampf positionieren, Transparenz zu schaffen – auch wenn es im betreffenden Unternehmen einmal nicht rund läuft?

Durchaus, aber bitte mit der gebührenden Sachlichkeit und Verhältnismässigkeit. Wir haben nichts zu verbergen. Wenn Fragen kommen, dann versuchen wir, diese zu beantworten. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, der Zeitpunkt und die Aufmachung der Publikation ohne Vorankündigung waren aussergewöhnlich.

Es seien «fälschlicherweise während der letzten Bauphase vorübergehend gereinigtes Prozesstrinkwasser sowie kleinste Mengen von Milchbestandteilen direkt der Thur anstatt der öffentlichen Abwasserreinigungsanlage Niederbüren zugeführt worden», heisst es in der Stellungnahme. Geht dies auf menschliches oder technisches Versagen zurück?

Ausschlaggebend hierfür war unsere Bautätigkeit. Wie bei der Eisenbahn funktionieren in Bauphasen die standardisierten Kontroll- und Überwachungsprozesse leider nicht immer optimal. Es besteht ein erhöhtes Risiko, dass menschliche und technische Fehler geschehen. Bei unserem nächsten Bauprojekt werden wir diesem Restrisiko eine noch grössere Beachtung beimessen.

Wie stehen Sie zu Umweltfragen, besonders zum Thema Gewässerschutz? Wofür stehen Sie ein?

Als Produzent von Nahrungsmitteln liegt mir der Natur- und Umweltschutz sehr am Herzen. Gleiches gilt für den Gewässerschutz. Wir benötigen für die Produktion unseres Käses sauberes Prozesstrinkwasser, weshalb wir auch für den nötigen Gewässerschutz besorgt sind. Wir haben in den letzten 20 Jahren auch mehrere Millionen Franken für den Gewässerschutz und den sparsamen Umgang mit Ressourcen am Standort Oberbüren investiert. Taten statt Worte, das leben wir!

Wie lauten die Reaktionen auf die aktuelle Berichterstattung, die bei Ihnen ankommen?

Ich habe viele Rückmeldungen erhalten. Die Berichterstattung wurde als unangemessen, aufgebauscht und wahltaktisch angesehen. Viel Ermutigung und Verständnis, dass dort, wo gearbeitet wird, auch Fehler geschehen, kamen ebenfalls.

Wie gross schätzen Sie den Imageschaden für Ihr Unternehmen ein?

Ich hoffe, dass es keinen Imageschaden gibt. Wir werden in den nächsten Wochen aufklären, erklären und für unser Unternehmen und unsere Produkte kämpfen.

Was würden Sie rückblickend anders machen?

Bei der nächsten Bauphase gilt es, die Kontrollen aller angepassten Arbeitsprozesse noch intensiver durchzuführen.

Bild: PD

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Autor/in
Manuela Bruhin

Manuela Bruhin (*1984) ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».

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