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Neue Arbeitswelten bedingen neue Fähigkeiten

New Work und Future Skills: Einblicke von der EcoOst Arena 2024

Die Arbeitswelt ändert sich. Persönliche und soziale Fähigkeiten werden zusätzlich zum Fachwissen wichtiger. In der Ausbildung werden sie gemäss einer Umfrage der IHK Thurgau und der IHK St.Gallen-Appenzell an den Berufsfachschulen noch zu wenig berücksichtigt.

Die Ostschweiz am 30. August 2024

Aufgrund der Ergebnisse fordern die beiden IHK, sie in der Bildung noch gezielter zu fördern, ohne jedoch die notwendigen Basiskompetenzen Deutsch und Mathematik zu vernachlässigen. Weiter soll die gesetzliche Regelung der Arbeitszeiten flexibler gestaltet werden, um den Realitäten in der heutigen Arbeitswelt besser gerecht zu werden Diese Erkenntnisse und Forderungen wurden an der diesjährigen EcoOst Arena aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

«New Work» hält Einzug in der Ostschweizer Wirtschaft. Das gilt längst nicht mehr nur für Grossunternehmen, sondern auch für KMU. Digitalisierung, Globalisierung und Multikrisen fordern Flexibilität und Agilität der Unternehmen. Neue Arbeitsformen wie flexible Arbeitszeiten, Teilzeitarbeit, Homeoffice oder flache Hierarchien sind ihn vielen Ostschweizer Unternehmen bereits Alltag: «Vier von fünf befragten Unternehmen in der Ostschweiz stellen im eigenen Betrieb einen Trend hin zu flexibleren und selbstbestimmteren Arbeitsformen fest. Diese verlangen auch nach neuen Fähigkeiten – sogenannten ‹Future Skills›», hielt Markus Bänziger, Direktor der IHK St.Gallen-Appenzell, bei der Begrüssung an der gestrigen EcoOst Arena in Romanshorn vor 180 Gästen aus Politik und Wirtschaft fest.

Umsetzung neuer Arbeitsformen auch für Industriebetriebe wichtig

Für Referentin Dr. Katrin Gajo, Head of Modules R&D des Sensorherstellers IST AG in Ebnat-Kappel, ist das Angebot selbstbestimmter Arbeitsformen seitens der Arbeitgebenden ein entscheidender Faktor im Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte. Das Unternehmen bietet flexible Arbeitszeitmodelle, eine moderne technologische Infrastruktur und bekennt sich zu Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung. Katrin Gajo betont, dass es bei der Einführung neuer Arbeitsweisen unerlässlich ist, auch die Unternehmens- und Führungskultur zu entwickeln: «Bei uns ist das eine Evolution, keine Revolution.»

Leidenschaft als zentraler Erfolgsfaktor im Beruf

Martina Wick, Chef de Service im Hotel Hofweissbad und Gewinnerin der Swiss und World Skills, ist aus Arbeitnehmersicht überzeugt: «Leidenschaft ist eine Voraussetzung für Erfolg im Beruf und kann durch empathische Führungskräfte, die ihre Mitarbeitenden fördern und unterstützen, entscheidend beeinflusst werden.» So gelang es Martina Wick, ihr berufliches Können zu perfektionieren, sich persönlich weiterzuentwickeln und an den Swiss und World Skills Höchstleistungen zu erbringen.

«Future Skills» sind nötig, um in der neuen Arbeitswelt zu bestehen

«Die Bildung muss den derzeitigen Lehrplan straffen und dafür mehr auf die Ausbildung von ‹Future Skills setzen›, um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden», zeigte sich Referent Reto Ammann, CEO des SBW Haus des Lernens, überzeugt. Er identifiziert sechs Kompetenzen, die über den traditionellen Lehrplan hinausgehen und den Fokus auf die Persönlichkeitsentwicklung legen: Leidenschaft, Resilienz, Weltoffenheit, Nachhaltigkeit, Kreativität und Unternehmertum.

Leidenschaft und Resilienz schon in der Ausbildung stärken

Anschliessend diskutierten die Referierenden gemeinsam mit Regierungsrat Alfred Stricker, Bildungsdirektor des Kantons Appenzell Ausserrhoden, die Thematik vertieft. Moderatorin Pascale Ineichen, stellvertretende Direktorin der IHK Thurgau, stellte mit Verweis auf die Umfrage fest, dass sich über 80 Prozent der Unternehmen eine stärkere Ausrichtung der Bildung auf den Arbeitsmarkt wünschen. Einig war man sich auf dem Podium, dass Leidenschaft für die Sache und Resilienz gegenüber Rückschlägen entscheidende Faktoren für Erfolg und Befriedigung im Beruf sind. Dies könne man am besten im Rahmen von praxisorientierten Projekten ausbilden. Regierungsrat Stricker betonte denn auch: «Wir haben sehr gute Erfahrungen mit gemeinsamen Projekten von Schule und Wirtschaft gemacht und können diese Zusammenarbeit sicher noch intensivieren.»

Drei Forderungen der beiden IHK

«Das Arbeitsgesetz, das im Wesentlichen von 1964 stammt, muss an die neue Realität im Arbeitsmarkt angepasst werden und flexiblere Arbeitszeiten zulassen», hielt Jérôme Müggler, Direktor der IHK Thurgau, abschliessend fest. «Dies entspricht dem Bedürfnis von vielen Arbeitnehmenden und Unternehmen und unterstützt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.» Weiter sollen die «Future Skills» Leidenschaft, Resilienz und Unternehmergeist gezielter gefördert werden. Es sind dies die Fähigkeiten, die gemäss IHK-Mitgliederumfrage besonders wichtig sind, gleichzeitig aber in der Ausbildung – insbesondere an den Berufsfachschulen – zu wenig entwickelt werden. Schliesslich, so Jérôme Müggler, dürfen trotz steigender Bedeutung der Future Skills die Basiskompetenzen Deutsch und Mathematik nicht vernachlässigt werden.

EcoOst-Standpunkt zu New Work und Future Skills

Die beiden Ostschweizer Industrie- und Handelskammern leiten die drei Forderungen im EcoOst-Standpunkt «New Work und Future Skills – Neue Arbeitsformen bedingen neue Fähigkeiten» her. In der Publikation wird dargelegt, welche neuen Arbeitsformen in den Ostschweizer KMU bereits Einzug gehalten haben und welche Fähigkeiten künftig wichtiger werden. Basierend auf einer Mitgliederumfrage fordern die beiden IHK, dass diese Skills auch in der Ausbildung – insbesondere der Berufsbildung – besser zu berücksichtigen sind. Der EcoOst-Standpunkt sowie die Umfrageresultate sind abrufbar unter www.ihk.ch/future-skills.

Bild: Podiumsdiskussion an der Eco Ost Arena: Personen von links nach rechts: Pascale Ineichen, IHK Thurgau, Regierungsrat Alfred Stricker, Appenzell Ausserrhoden, Dr. Katrin Gajo, Head of Modules IST AG, Martina Wick, Chef de Service Hotel Hofweissbad, Reto Ammann, CEO SBW Haus des Lernens.

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