Gedenktafel für Kurt Felix (1941-2012) an der Toggenburgerstrasse 10 im st.gallischen Wil. (Bild: PD)
Entertainer Kurt Felix begeisterte mit seiner Frau Paola im deutschsprachigen Fernsehen ein Millionenpublikum. Nun ehrt die Stadt Wil sein Schaffen mit einer Gedenktafel am Haus, wo er seine Kindheit verbrachte. Heute Montag wurde diese in Anwesenheit von Paola Felix enthüllt.
Heute Montag hat die Stadt Wil eine auf Initiative des Medienmannes Roland P. Poschung verwirklichte Gedenktafel für einen der berühmtesten Ostschweizer enthüllt: TV-Entertainer Kurt Felix. An den im Jahr 2012 Verstorbenen wird ab sofort am Haus an der Toggenburgerstrasse 10, wo er ein Grossteil seiner Kindheit verbrachte, mit folgenden Worten erinnert:
Gedenktafel für Kurt Felix (1941-2012) an der Toggenburgerstrasse 10 im st.gallischen Wil. (Bild: PD)
«Kurt Felix (27. März 1941 – 16. Mai 2012). Hier wohnte die TV-Legende Kurt Felix in seiner Kindheit. Er war der Erfinder u. a. der Fernseh-Shows ‹Verstehen Sie Spass?›, ‹Supertreffer›, ‹Teleboy› und ‹Stöck-Wys-Stich›.»
Paola Felix ist an der feierlichen Einweihung der Tafel anwesend und zeigt sich bewegt: «Dass die Stadt Wil mit einer Gedenktafel meinem lieben Kurt zu Ehren ein Andenken setzt, berührt mich tief im Herzen.»
Kurt Felix’ gesamte Kindheitserinnerungen seien mit der Stadt Wil verbunden gewesen, erinnert sich die Sängerin, die mit ihrem Mann in den 1970er- und 1980er-Jahren die gesamte deutschsprachige Fernsehunterhaltung dominierte. Hier lebte er, bis er in Kreuzlingen ins Lehrerseminar eintrat.
Erlebnisreiche Kindheit in Wil
Immer wieder habe er begeistert von der erlebnisreichen Zeit in Wil erzählt, sagt Paola Felix. Über seine Schulzeit beispielsweise, als er mit dem Tonband seines Vaters Fussballreporter spielte, wenn seine Schulgspänli am Töggelikasten gegeneinander angetreten seien.
«Ich denke auch an eine sympathische Geschichte, die er immer wieder mal erwähnte», so Paola Felix. «Wie er seinerzeit vor einem Geschäft stand und zum ersten Mal in einem Schaufenster Fernsehgeräte sah und sich sagte: Da ich möchte ich auch mal rein.»
Eine musikalische Familie
Kurt Felix’ Vater Fritz war begnadeter Akkordeonist, besass ein Musikgeschäft und erteilte Handorgelunterricht. «Musik war sein Leben», sagt Paola Felix. Er wurde Musiklehrer, gründete eine Tanzkapelle, führte verschiedene Musikvereine in Wil und Umgebung. Darauf folgte auch der Hauskauf an der Toggenburgerstrasse 10, wo sich auch das Musikgeschäft befand.
Auch Kurt Felix hatte Musikunterricht bei seinem Vater. «Hier verbrachte Kurt die schönste Zeit seiner Kindheit», ist seine Frau überzeugt.
Anita Felix, die älteste der drei Halbgeschwister aus zweiter Ehe von Kurt Felix’ Vater, wohnte bis zum Verkauf des Hauses im Jahr 2004 an der Toggenburgerstrasse 10. Sie führt bis heute die musikalische Tradition der Familie weiter und leitet das Akkordeon-Orchester Wil.
«Wundervolle Erinnerungen an Kurt»
«Es ist immer ein Highlight, bei ihrem Konzert dabei zu sein. Unter den vielen Treffen ist auch dies eine ideale Gelegenheit für ein Zusammenkommen der ganzen Familie, um in wundervollen Erinnerungen über Kurt zu schwelgen», sagt Paola Felix. Auch für Kurts Sohn Daniel, der das Akkordeon-Konzert immer moderiere, bedeute Wil Verbundenheit zur Familie.
«Es ist tatsächlich so: Wil ist die Wiege von Kurt Felix», schliesst Paola Felix ihre Erinnerungen und bedankt sich bei den Anwesenden: Stefan Kölliker, Regierungspräsident Kanton St.Gallen, Hans Mäder, Stadtpräsident Wil, sowie Roland P. Poschung, Initiant und «Botschafter der Stadt Wil» des Jahres 2019.
Zur Person
Kurt Felix kam am 27. März 1941 in Wil als Sohn eines Musiklehrers zur Welt. Schon in der Schule schrieb und inszenierte er Hörspiele, die auszugsweise am Radio gesendet wurden. 1960 trat er seine erste Stelle als Lehrer an und betätigte sich nebenberuflich als Radio- und Fernsehreporter. Zudem schrieb er Theaterstücke und Kindermusicals, die ebenfalls in von elektronischen Medien ausgestrahlt wurden.
1965 gab er den Lehrerberuf auf und wurde Programmgestalter beim Schweizer Fernsehen in der Abteilung «Kultur und Wissenschaft». Als Autor und Moderator entwickelte er eigene Sendeformate und liess sich zum Fernsehregisseur ausbilden. Er produzierte Dokumentarfilme, volkstümliche Musiksendungen und Quiz-Shows. 1966 heiratete er in erster Ehe Sonja Köstli. Im gleichen Jahr kam sein Sohn Daniel zur Welt, der heute beim Schweizer Fernsehen als Sendeleiter arbeitet.
1973 wechselte Kurt Felix in die Abteilung «Unterhaltung» und schuf die legendäre Sendereihe «Teleboy», eine unterhaltende Spielshow mit versteckter Kamera. Diese Samstagabendreihe erzielte die höchsten Einschaltquoten in der Geschichte des Schweizer Fernsehens. 1980 nahm Felix seine Tätigkeit im Deutschen Fernsehen auf und erfand die Sendereihe «Verstehen Sie Spass?», die er auch moderierte. Im gleichen Jahr heiratete er die Sängerin Paola, mit der er ab 1983 «Verstehen Sie Spass?» zur grossen Samstagabend-Unterhaltungssendung und erfolgreichsten Programm der ARD machte (bis zu 23 Millionen Zuschauer).
Das Ehepaar Felix wurde in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes EMNID zum beliebtesten Moderatorenpaar gewählt. Gleichzeitig betätigte sich Kurt Felix in der Schweiz als Moderator und Macher der grossen Lotterie-Show «Supertreffer». An seinem 50. Geburtstag, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zog Kurt Felix sich von der vordersten Front des Showbusiness zurück. Ab 1991 arbeitete er als Berater und Konzeptentwickler für verschiedene Fernsehanstalten und trat öfters als Gast in Fernsehsendungen auf.
Ab 1995 war er wöchentlicher Fernsehkolumnist bei der «Schweizer Illustrierten», beim «SonntagsBlick» und beim «St. Galler Tagblatt». Zwischen 1968 und 2008 schrieb K.F. zum Thema Fernsehen über 2000 Kolumnen. Im Jahr 2003 erkrankte Kurt Felix an Krebs (Thymom) und wurde erfolgreich behandelt. Er wurde zum Botschafter der Krebsliga Schweiz ernannt. 2003 wurde ihm in Hamburg der Bambi für sein Lebenswerk verliehen.
2010 wählten die TV-Zuschauer:innen Kurt und Paola Felix in die Reihe der zehn beliebtesten Moderatoren seit dem Bestehen des Deutschen Fernsehens (ARD). Im gleichen Jahr holte die Krebserkrankung Kurt Felix wieder ein. In der Folge unterzog er sich verschiedenen Therapien. 2011 feierte er seinen 70. Geburtstag. Im gleichen Jahr erhielt er den «Schweizer Fernsehpreis» für sein Lebenswerk. Danach zog er sich endgültig ins Privatleben zurück.
Am 16. Mai 2012 verlor er seinen Kampf gegen die Krankheit.
(Quelle: kurt-paola-felix.ch)
(Hauptbild: PD/Bildmontage: Die Ostschweiz; Archivbild Kurt & Paola Felix: Kurt Reichenbach/Schweizer Illustrierte; Übrige Bilder: Michel Burtscher/Stadt Wil)
Odilia Hiller aus St.Gallen war von August 2023 bis Juli 2024 Co-Chefredaktorin von «Die Ostschweiz». Frühere berufliche Stationen: St.Galler Tagblatt, NZZ, Universität St.Gallen.
Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.