Der Schönenwegen-Treff wurde im Herbst 2020 eröffnet. Er war als Treffpunkt für Menschen mit Betreuungsbedarf gedacht und sollte pflegende Familienangehörige entlasten. Im Frühling wird das Projekt aus finanziellen Gründen beendet.
Der Schönenwegen-Treff ist als Zwischennutzung in zwei komplett sanierten Holzpavillons auf einem städtischen Areal im Lachen-Quartier untergebracht. Die Trägerschaft sucht eine Nachfolgenutzung für die Infrastruktur. Das zum Treff gehörende Restaurant wird bis am Schluss betrieben und damit für die Öffentlichkeit vorläufig zugänglich sein.
Susanne Lendenmann und Paolo Widmer, die den Schönenwegen-Treff initiiert und betrieben haben, bedauern den Entscheid, das Projekt abzubrechen. Nach einer Überprüfung der Situation und der Zukunftsaussichten mit Unterstützung externer Fachleute sei man aber zum Schluss gekommen, dass dies die beste Lösung sei. Dies, obwohl das Angebot der Tagesbetreuung Sinn mache und nach Meinung von Fachleuten auch einem grossen Bedürfnis entspreche.
Restaurant bleibt bis Frühling geöffnet
Wann genau der Schönenwegen-Treff schliesst, ist noch offen. Klar ist, dass das zur Einrichtung gehörende Restaurant bis am Schluss offen und für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt. Bis dahin freuen sich Susanne Lendenmann, Paolo Widmer und die Köchin auf zahlreiche Gäste sowie einige Anlässe. Sie stehen Interessierten auch sehr gerne für weitere Auskünfte zur Verfügung.
Natürlich ist am Schluss auch ein gebührender Abschied als Dank für die Freiwilligen, für Gönner und Sponsoren sowie für Stammgäste geplant. Das Restaurant ist weiterhin von Montag bis Mittwoch, 10 bis 18 Uhr, sowie am Donnerstag und Freitag, 10 bis 21 Uhr geöffnet. Der Betrieb an anderen Wochentagen und über die Betriebszeiten hinaus ist auf Anfrage möglich. Das Restaurant im Schönenwegen-Treff hat sich in den vergangenen Jahren vor allem für Gruppenanlässe wie Geburtstage oder Versammlungen etabliert.
Zwischennutzung für fünf Jahre gesichert
Die Projektleitung des Schönenwegen-Treff sucht jetzt eine Nachfolgenutzung, die die barrierefreie Infrastruktur übernehmen will. Für Susanne Lendenmann und Paolo Widmer wäre das idealerweise eine soziale Einrichtung aus dem Bereich «Alter» oder «Behinderung». Die Gebäude sind auf einem Areal der Stadt St.Gallen an der Ecke von Zürcher- und Rechenstrasse untergebracht. Der Standort kann gemäss Zusicherung der Stadt sicher für fünf Jahre als Zwischennutzung betrieben werden. Danach will die Stadt hier gemäss aktueller Planung ein neues Busdepot erstellen.
Zum Treff gehört eine nutzbare Gebäudefläche von rund 300 Quadratmetern und ein Umschwung von über 1000 Quadratmetern. Der Schönenwegen-Treff ist in zwei 2020 komplett sanierten Holzpavillons untergebracht. Sie sind flexibel nutzbar. Das eine Gebäude ist derzeit als Restaurant mit drei Dutzend Sitzplätzen, einer gedeckten Veranda und professioneller Gastroausstattung eingerichtet. Im zweiten Holzbau befinden sich drei für die Tagesbetreuung ausgestattete Räume, die etwa auch für Seminare oder eine Restaurantnutzung benutzt werden können.
Tagesbetreuung kam nie richtig zum Laufen
Hauptursache fürs Ende des Schönenwegen-Treff ist, dass die Tagesbetreuung nicht zum Funktionieren kam. Die Gruppe der Nutzerinnen und Nutzer blieb zu klein. Sie war zudem von raschen Wechseln geprägt, so dass keine «Stammkundschaft» aufgebaut werden konnte. In der Vorbereitungsphase, bei der Eröffnung und in der ersten Betriebszeit hatte der Treff mit der Coronapandemie zu kämpfen. Jene Personen, auf die das Angebot zugeschnitten ist, gehören zu verletzlichen Gruppen. Daher galten für sie lange Restriktionen und sie übten selber Zurückhaltung beim Treffen mit anderen.
Ein anderes Problem war, genügend potenzielle Nutzerinnen und Nutzer für die Tagesbetreuung zu finden. Die Personen mit Betreuungsbedarf, die kamen, taten dies zu spät, nämlich oft unmittelbar vor dem Eintritt in eine stationäre Institution. Den Grund dafür sehen Susanne Lendenmann und Paolo Widmer in der fehlenden Bereitschaft Betroffener. Pflegende Angehörige hätten dann Hemmungen sich über diesen Widerstand hinwegzusetzen. Gehandelt werde oft erst, wenn beim Pflegeaufwand eine Schmerzgrenze überschritten worden sei. Zur Zurückhaltung Betroffener bei der Nutzung der Tagesbetreuung beitragen hätten zudem bestimmt auch finanzielle Aspekte.
(Bild: pd)
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