Eigentlich wäre das ja eher der «Bauch der Woche»: Die St.Galler Stadträtin könnte mit ihrer Geburt während der Amtszeit zum Modellfall werden.
Zumindest offiziell ist bisher keine einzige kritische Stimme laut geworden, seit Sonja Lüthi ihre Schwangerschaft öffentlich gemacht hat. Dass sie rund ein Jahr nach ihrer Wahl für einige Monate ausfallen wird, scheint vor diesem Hintergrund akzeptiert zu werden.
Hoffentlich auch. Denn alles andere würde heissen, dass Frauen, die im «richtigen» Alter und willens sind, noch einmal Mutter zu werden, gar nicht erst für Exekutivämter kandidieren würden. Und das wäre eine erhebliche Einschränkung und würde auch dem erklärten Willen zuwiderlaufen, Frauen in politischen Ämtern zu fördern.
Ganz einfach dürfte es nach dem Mutterschaftsurlaub nicht sein, die Aufgaben als frischgebackene Mutter und Stadträtin unter einen Hut zu bringen. Das allerdings ist Sache von Sonja Lüthi und ihrer Familie, nicht die der Öffentlichkeit. Solange die Stellvertretung geregelt ist und Lüthi danach ihren Job weiterhin gut macht, sollte das niemanden stören.
Anders würde es aussehen, wenn sie Stadtpräsidentin wäre. Es ist schlecht vorstellbar, dass das Oberhaupt einer Stadtregierung mal für einige Monate weg ist. Aber als «einfaches» Mitglied eines Gremiums sieht das anders aus. Und eben: Sonja Lüthi ist ja (noch) nicht Stadtpräsidentin.
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