logo

Investment views

Währungen absichern, ja oder nein?

Die Renditen für Obligationen und Geldmarktanlagen in US-Dollar sind im Vergleich zu den Schweizer Zinsen attraktiv. Es scheint, dass sie das noch für eine längere Zeit bleiben könnten. Da stellt sich die Frage, ob das Währungsrisiko des Dollars gegen Franken abgesichert werden soll.

Thomas Stucki am 29. April 2024

In diesem konkreten Fall ist dies schnell beantwortet. Da die Kosten für die Absicherung der Zinsdifferenz im Geldmarkt entsprechen, muss das Risiko des US-Dollars getragen werden, da sich die schöne Mehrrendite sonst in Luft auflöst. Die Währungsabsicherung im Portfoliokontext ist dagegen schon fast eine Glaubensfrage. Von gar nicht bis alles über den sogenannten Praktikeransatz eines fixen Absicherungsanteils bis hin zu einem komplexen Modell mit einer dynamischen Hedge Ratio sieht man alles. Die Verfechter jedes Ansatzes wollen und können zeigen, dass der ihrige der beste und der richtige ist.

Aber lohnt sich die Absicherung der Fremdwährungsrisiken für einen in Franken rechnenden Investor? Da die Zinsen im Franken tiefer sind als in den meisten anderen Währungen, kostet die Absicherung üblicherweise mehrere Prozentpunkte pro Jahr. Wird der Franken so systematisch teurer, dass trotz der Kosten ein Mehrwert erzielt werden kann? Wichtig bei der Beantwortung dieser Frage ist, wie dieser Mehrwert definiert wird.

Hohe Absicherungskosten

Die Absicherung des Dollar-Risikos kostet momentan rund 4%. Das ist überdurchschnittlich viel und wird in Zukunft wieder geringer werden. Dass die Zinsdifferenz zwischen Franken und Dollar unter 2% sinkt, ist aber selten und auf Krisensituationen beschränkt. Die Währungsabsicherung des US-Dollars hat sich in den letzten Jahren performancemässig daher meistens nicht ausbezahlt. Die Schwankungen des USD/CHF-Wechselkurses sind seit der Finanzkrise deutlich kleiner als zuvor. Das hat auch mit der Nationalbank zu tun, die sich gegen starke Aufwertungsschübe des Frankens mit Interventionen am Devisenmarkt gewehrt hat. 

Das kann sich in Zukunft wieder ändern, wenn die SNB den Franken wieder vermehrt den Marktkräften überlässt. Die Erfahrung der letzten Monate hat aber gezeigt, dass die SNB dazu nur bedingt bereit ist. Wer nur am Gewinn der Dollar- Absicherung interessiert ist, kann sich die Kosten sparen. Währungsabsicherung sollte in erster Linie Risikomanagement sein. Dabei geht es darum, die Schwankungen in der Performance des Portfolios zu glätten und sich vor grossen Einzelverlusten zu schützen. 2008 und 2010 hat der US-Dollar zum Franken innert 12 Monaten um die 20% verloren. Da war man froh, wenn man den USDollar abgesichert hatte.

Die Absicherung des Euro sieht attraktiver aus. Die Zinsdifferenz ist normalerweise kleiner als beim US-Dollar, weshalb sich die Hedge-Kosten im Durchschnitt nur auf rund 1.5% pro Jahr belaufen. Zudem ist der Euro anfälliger auf Schwächeanfälle. Kursverluste zum Franken von mehr als 10% innert zwölf Monaten sind seit der Eurokrise und dem latenten Vertrauensproblem der Einheitswährung in regelmässigen Abständen vorgekommen. Kursgewinne des Euro im gleichen Ausmass sind dagegen eine Rarität.

Starker Franken bleibt vorerst

Wir gehen davon aus, dass der Franken über die Zeit stärker wird, solange die Inflation in der Schweiz tiefer ist als im Ausland und der Franken als sicherer Hafen gilt. Daher sichern wir in den Vermögensverwaltungsmandaten für Privatkunden das Währungsrisiko bei Fremdwährungsobligationen meistens ab. Ausnahmen werden bewusst entschieden. Bei den Aktien sichern wir die amerikanischen Aktien und die europäischen Aktien zur Hälfte währungsmässig ab. Diese Absicherung hat einen strategischen Charakter und basiert nicht auf unserer Währungsprognose. Das primäre Ziel ist dabei die Reduktion der Performance-Schwankungen in den Portfolios. Dazu kommt, dass der Franken meistens stärker wird, wenn es an den Aktienmärkten nicht rund läuft. In Situationen mit stark sinkenden Aktienkursen wollen wir die zusätzlichen Währungsverluste vermindern.

(Bild: Archiv)

Einige Highlights

Uzwilerin mit begrenzter Lebenserwartung

Das Schicksal von Beatrice Weiss: «Ohne Selbstschutz kann die Menschheit richtig grässlich sein»

am 11. Mär 2024
Im Gespräch mit Martina Hingis

«…und das als Frau. Und man verdient auch noch Geld damit»

am 19. Jun 2022
Das grosse Gespräch

Bauernpräsident Ritter: «Es gibt sicher auch schöne Journalisten»

am 15. Jun 2024
Eine Analyse zur aktuellen Lage

Die Schweiz am Abgrund? Wie steigende Fixkosten das Haushaltbudget durcheinanderwirbeln

am 04. Apr 2024
DG: DG: Politik

«Die» Wirtschaft gibt es nicht

am 03. Sep 2024
Gastkommentar

Kein Asyl- und Bleiberecht für Kriminelle: Null-Toleranz-Strategie zur Sicherheit der Schweiz

am 18. Jul 2024
Gastkommentar

Falsche Berechnungen zu den AHV-Finanzen: Soll die Abstimmung zum Frauenrentenalter wiederholt werden?

am 15. Aug 2024
Gastkommentar

Grenze schützen – illegale Migration verhindern

am 17. Jul 2024
Sensibilisierung ja, aber…

Nach Entführungsversuchen in der Ostschweiz: Wie Facebook und Eltern die Polizeiarbeit erschweren können

am 05. Jul 2024
Pitbull vs. Malteser

Nach dem tödlichen Übergriff auf einen Pitbull in St.Gallen: Welche Folgen hat die Selbstjustiz?

am 26. Jun 2024
Politik mit Tarnkappe

Sie wollen die angebliche Unterwanderung der Gesellschaft in der Ostschweiz verhindern

am 24. Jun 2024
Paralympische Spiele in Paris Ende August

Para-Rollstuhlfahrerin Catherine Debrunner sagt: «Für ein reiches Land hinkt die Schweiz in vielen Bereichen noch weit hinterher»

am 24. Jun 2024
Politik extrem

Paradox: Mit Gewaltrhetorik für eine humanere Gesellschaft

am 10. Jun 2024
Das grosse Bundesratsinterview zur Schuldenbremse

«Rechtswidrig und teuer»: Bundesrätin Karin Keller-Sutter warnt Parlament vor Verfassungsbruch

am 27. Mai 2024
Eindrucksvolle Ausbildung

Der Gossauer Nicola Damann würde als Gardist für den Papst sein Leben riskieren: «Unser Heiliger Vater schätzt unsere Arbeit sehr»

am 24. Mai 2024
Zahlen am Beispiel Thurgau

Asylchaos im Durchschnittskanton

am 29. Apr 2024
Interview mit dem St.Galler SP-Regierungsrat

Fredy Fässler: «Ja, ich trage einige Geheimnisse mit mir herum»

am 01. Mai 2024
Nach frühem Rücktritt: Wird man zur «lame duck»?

Exklusivinterview mit Regierungsrat Kölliker: «Der Krebs hat mir aufgezeigt, dass die Situation nicht gesund ist»

am 29. Feb 2024
Die Säntis-Vermarktung

Jakob Gülünay: Weshalb die Ostschweiz mehr zusammenarbeiten sollte und ob dereinst Massen von Chinesen auf dem Säntis sind

am 20. Apr 2024
Neues Buch «Nichts gegen eine Million»

Die Ostschweizerin ist einem perfiden Online-Betrug zum Opfer gefallen – und verlor dabei fast eine Million Franken

am 08. Apr 2024
Gastkommentar

Weltweite Zunahme der Christenverfolgung

am 29. Mär 2024
Aktionswoche bis 17. März

Michel Sutter war abhängig und kriminell: «Ich wollte ein netter Einbrecher sein und klaute nie aus Privathäusern»

am 12. Mär 2024
Teuerung und Armut

Familienvater in Geldnot: «Wir können einige Tage fasten, doch die Angst vor offenen Rechnungen ist am schlimmsten»

am 24. Feb 2024
Naomi Eigenmann

Sexueller Missbrauch: Wie diese Rheintalerin ihr Erlebtes verarbeitet und anderen Opfern helfen will

am 02. Dez 2023
Best of 2023 | Meine Person des Jahres

Die heilige Franziska?

am 26. Dez 2023
Treffen mit Publizist Konrad Hummler

«Das Verschwinden des ‘Nebelspalters’ wäre für einige Journalisten das Schönste, was passieren könnte»

am 14. Sep 2023
Neurofeedback-Therapeutin Anja Hussong

«Eine Hirnhälfte in den Händen zu halten, ist ein sehr besonderes Gefühl»

am 03. Nov 2023
Die 20-jährige Alina Granwehr

Die Spitze im Visier - Wird diese Tennisspielerin dereinst so erfolgreich wie Martina Hingis?

am 05. Okt 2023
Podcast mit Stephanie Stadelmann

«Es ging lange, bis ich das Lachen wieder gefunden habe»

am 22. Dez 2022
Playboy-Model Salomé Lüthy

«Mein Freund steht zu 100% hinter mir»

am 09. Nov 2022
Neue Formen des Zusammenlebens

Architektin Regula Geisser: «Der Mensch wäre eigentlich für Mehrfamilienhäuser geschaffen»

am 01. Jan 2024
Podcast mit Marco Schwinger

Der Kampf zurück ins Leben

am 14. Nov 2022
Hanspeter Krüsi im Podcast

«In meinem Beruf gibt es leider nicht viele freudige Ereignisse»

am 12. Okt 2022
Stölzle /  Brányik
Autor/in
Thomas Stucki

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank. Er hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Stucki führt bei der St.Galler Kantonalbank das Investment Center mit rund 35 Mitarbeitenden und ist verantwortlich für die Verwaltung von Kundenmandaten und Anlagefonds im Umfang von 7,5 Milliarden Franken. Zuvor war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.