Sowohl die FDP als auch «Die Mitte» greifen im Kanton Appenzell Ausserrhoden den Sitz von SVP-Nationalrat David Zuberbühler an. Mitte-Politikerin Claudia Frischknecht sagt, wieso sie mehr als nur Aussenseiter-Chancen hat.
Claudia Frischknecht, was gab den Ausschlag, für den Nationalrat zu kandidieren?
Ausserrhoden verfügt nur über einen Sitz im Nationalrat. Für den Kanton ist es wichtig, mit jemandem in Bern vertreten zu sein, der ein breites politisches Spektrum abdeckt.
Mit dem Klimanotstand, Coronapandemie als auch Krieg in der Ukraine ist die Zeitenwende da. Es braucht nun Veränderungswillen und engagierte Räte. Dies ist Voraussetzung für eine sachliche und lösungsorientierte Politik, welche insbesondere die Mitte betreibt. Mit meiner Kandidatur stelle ich mich der Verantwortung mit unseren Grundwerten der Solidarität, Verantwortung und Freiheit.
Ich bin eine verlässliche Teamplayerin und biete Hand über die Parteigrenzen hinaus zu mehrheitsfähigen Lösungen. Nach 10 Jahren im Kantonsrat bin ich bereit, eine neue Herausforderung anzunehmen und mich vorwiegend für Ausserrhoden als auch für die gesamte Schweizer Bevölkerung einzusetzen.
David Zuberbühler von der SVP sitzt seit 2015 im Nationalrat. Welches Zeugnis stellen Sie ihm aus?
Es ist nicht an mir, ein Zeugnis auszustellen. Als Mitglied einer Polpartei vertritt er aber nicht die Mehrheit des Ausserrhoder Bevölkerung. Die Mitte AR ist überzeugt, dass das Volk eine Wahl haben muss und wir stellen daher eine Kandidatur für eine möglichst grosse Vielfalt unserer Bevölkerung.
Nun treten Sie nicht nur gegen Zuberbühler an, sondern auch gegen Matthias Tischhauser von der FDP. Worin unterscheidet sich Ihre Art zu politisieren oder auch Ihr Themenfokus von diesen beiden Herren?
Als Teamplayerin stehe ich für eine sachliche und lösungsorientierte Politik mit grösseren Mehrheiten ein. Dies ist insbesondere in der jetzt vorhandenen Zeitenwende wichtiger denn je. Meine Themenschwerpunkte liegen in der sozialen Sicherheit, hauptsächlich im Bereich Altersvorsorge, Generationengerechtigkeit, Gesundheitswesen sowie in der Finanzpolitik. Die Stabilisierung unserer Vorsorgesysteme wird auch künftig eine zentrale Aufgabe sein. Die demografische Entwicklung als auch die Veränderungen in Gesellschaft und Beruf haben einen wesentlichen Einfluss auf diese und daher braucht es diesem Bereich breit abgestützte Lösungen.
Kürzlich wurden Ihnen in einem Medienartikel lediglich «Aussenseiter-Chancen» eingeräumt. Ihr Kommentar dazu?
Ich bin überzeugt, dass ich mit meiner Kandidatur den grösstmöglichen Anteil der Ausserrhoder Bevölkerung, speziell auch die Frauen, vertreten kann. Schlussendlich entscheidet das Ausserrhoder Stimmvolk, von wem sie vertreten lassen wollen.
Die Polarisierung nimmt auch in der Schweiz immer stärker zu. Die sture Blockadehaltung der linken und rechten Parteien verhindert, dass wichtige Reformen gelingen. Diese Entwicklung schadet der Schweiz enorm. Unser Land steht vor immer komplexeren Herausforderungen, die Lösungen brauchen, die Menschen zusammenbringen und nicht trennen.
Sie könnten dem FDP-Kandidaten Stimmen rauben und so der SVP zur Wiederwahl verhelfen …
Diese Frage gebe ich gerne dem FDP-Kandidaten weiter …
Wie werden Sie Ihren Wahlkampf bis zum Herbst 2023 gestalten?
Details werden an dieser Stelle noch nicht verraten, aber man wird mich auf jeden Fall im ganzen Kanton antreffen. Ich freue mich auf viele spannenden Begegnungen und Gespräche, wo auch immer.
Abseits der Politik: Was treibt Sie an? Welche Leidenschaften haben Sie?
Die Musik in ihrer Vielfalt ist für mich ein wichtiger Bestandteil meines Alltags und Ausgleichs. Ich bin Aktivmitglied im Musikverein Herisau als auch Guggenmusik Ziegelhöttler. Menschen sind mir generell wichtig und so bin ich oft und in unterschiedlichen Gesellschaften und Anlässen anzutreffen.
Ebenso geniesse ich auch ausgiebige Spaziergänge in der Natur oder auch Wanderungen im Alpstein abseits des Rummels.
Würde sich Ihr berufliches und politisches Leben bei einer Wahl massgeblich verändern?
Für eine fokussierte und verantwortungsvolle politische Arbeit in Bern sind persönliche und organisatorische Anpassungen in Beruf und Freizeit vorgesehen.
Und bei einer Nichtwahl? Haben Sie eine klare Planung, was Ihre politische Laufbahn anbelangt?
Bei einer Nichtwahl werde ich mich weiterhin gerne und mit Freude als Kantonsrätin für unseren lebenswerten und schönen Kanton einsetzen. Im Kanton stehen u.a. mit der Totalrevision der Kantonsverfassung, Gemeindestrukturen wichtige Geschäfte an.
Marcel Baumgartner (*1979) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».
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