Der regierende Landammann von Appenzell Innerrhoden muss sich mit ungewohnter Kritik herumschlagen. Aus der Ruhe bringt ihn das offensichtlich nicht.
Die Landsgemeinde ist eine offene Angelegenheit. Wer das Wort ergreifen will, kann das tun. Und als es um den Neubau des Spitals in Appenzell ging, wollten viele. Der regierende Landammann Daniel Fässler, der durch die Landsgemeinde führte, liess die Kritik an «seinem» Projekt nicht einfach stehen, sondern reagierte auf die Wortmeldungen. Allerdings nur auf die ablehnenden. Wer sich für den Neubau aussprach, musste nicht befürchten, dass etwas richtiggestellt wird.
Das hat viele Kritiker auf den Plan geworfen. Und es ist selten, dass eine Landsgemeinde im Nachgang nicht aufgrund der Beschlüsse, sondern aufgrund des Ablaufs diskutiert wird. Im Zentrum der Debatte stand und steht Fässler. Ihm wird zur Last gelegt, nicht die offene Meinungsbildung gefördert, sondern das Projekt geschützt zu haben. Letzteres ist allerdings durchaus auch seine Aufgabe, nachdem der Grosse Rat die Vorlage gutgeheissen hatte. Und wer den Landammann kennt, weiss: Er ist detailversessen, und stimmt eines nicht, kann er sich schwer zurückhalten. Ein psychologischer Fehler war es vielleicht, nicht auch bei den Befürwortern - deren Darstellung im Detail sicher auch da und dort diskussionswürdig gewesen wäre - vereinzelt einzugreifen.
Innerrhoden hat historisch gesehen stets starke Figuren an der Spitze gehabt. Es ist ein Balanceakt, die Qualitäten und die Schwächen einer solchen Dominanz unter einen Hut zu bringen. Daniel Fässler dürfte die aktuelle Kritik nicht aus dem Tritt bringen. Aber einen gewissen Einfluss auf künftige Landsgemeinden, die er führt, dürften die Ereignisse doch haben.
Stefan Millius (*1972) ist freischaffender Journalist.
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