logo

Ständeratswahl St.Gallen

Ein Fall fürs Wettbüro: Vier Kandidaten, ungleich lange Spiesse

Vier Kandidaturen, ein Sitz: Am 10. März entscheiden die St.Gallerinnen und St.Galler über die Nachfolge von Karin Keller-Sutter im Ständerat - wobei ein zweiter Wahlganz sehr wahrscheinlich ist. Wir beurteilen die Erfolgschancen der Kandidaten.

Stefan Millius am 02. Januar 2019

Das absolute Mehr - also über 50 Prozent der Stimmen - muss jemand auf sich vereinen, um am 10. März direkt in den Ständerat gewählt zu werden. Das ist bei vier Antretenden eine sehr hohe Hürde. Deshalb ist mit einem zweiten Wahlgang zu rechnen, und bei diesem dürfte der eine oder andere nicht mehr antreten. Aber abseits davon: Wie sind die heutigen Wahlchancen in Prozenten ausgedrückt zu beurteilen? Hier unsere Prognose.

Benedikt Würth (CVP): 45 Prozent

Der St.Galler Regierungsrat hat in seiner langen politischen Karriere kaum etwas falsch gemacht. Er ist die Fleisch gewordene Mitte: Keine Maximalforderungen, keine harten Worte, keine überraschenden Entscheidungen. Würth ist das Sinnbild für politische Verlässlichkeit. Gerade an der Seite von Paul Rechsteiner (SP) wünschen sich die St.Gallerinnen und St.Galler wohl einen solchen «Felsen», bei dem man weiss, was einen erwartet. Er ist auch im nun verdichteten Kandidatenfeld der Favorit. Zumal die CVP bei einer Art Betriebsunfall ihren Sitz im Ständerat verloren hat, früher dort aber stets vertreten war.

Mike Egger (SVP): 30 Prozent

Es ist kein Zufall, dass unsere Schätzung der prozentualen Wahlchancen ziemlich deckungsgleich ist mit dem Wähleranteil der SVP. Egger wird seine eigene Partei mobilisieren und weiss wohl darüber hinaus wohl auch Teile des Rheintals hinter sich, einer Region mit einem ausgeprägten Heimatstolz. Aber mit seinen Positionen ist er für unentschlossene bürgerliche Wähler abseits der SVP vermutlich zu hart. Was Egger jedoch kann: Einen Wahlkampf führen. Man wird ihn bis kurz vor Torschluss an jeder «Hundsverlochete» antreffen, und er wird bereit sein, Überzeugungsarbeit zu leisten.

Susanne Vincenz-Stauffacher (FDP): 20 Prozent

Als FDP-Parteipräsidentin wollten die Delegierten die Rechtsanwältin aus Abtwil nicht, in die Ständeratsschlacht hingegen schicken sie sie. Vincenz-Stauffacher ist eine solide Kandidatin, wenn man ihr berufliches Rüstzeug und ihr öffentliches Engagement betrachtet. Ein Überflieger ist sie aber nicht. Und rund zwei Monate vor dem Wahlgang hat sie über ihre Kernregion St.Gallen hinaus so viel an Bekanntheit aufzuholen, dass sie geografische Schwerpunkte bilden muss - alles ist nicht zu schaffen. Von ihrer Art her kann sie sich nicht als «neue Karin Keller-Sutter» verkaufen, und weil sie erst seit kurzem im Kantonsrat sitzt, ist auch von ihren politischen Positionen wenig bekannt. Es bleibt die Karte der Frau: Sie ist die einzige Kandidatin.

Patrick Ziltener (Grüne): 5 Prozent

Unsere pessimistische Prognose hat nichts mit dem Kandidaten zu tun. Ziltener ist blitzgescheit, beruflich erfolgreich, und er lebt, was er fordert. Diese Glaubwürdigkeit weisen längst nicht alle Politiker auf. Nur ist der St.Galler bisher gegen aussen kaum in Erscheinung getreten, und er verbreitet eine professorale Aura, die bei breiten Teilen der Stimmbevölkerung vermutlich nicht besonders gut ankommt. Darin liegt eine gewisse Ironie, denn das Amt ist ihm ohne Frage zuzutrauen. An der Urne entscheiden aber selten rationale Argumente. Und es ist kaum anzunehmen, dass sich eine Mehrheit im Kanton St.Gallen eine rot-grüne Doppelvertretung wünscht.

Übrigens: Theoretisch sind weitere Kandidaturen denkbar. Sollte es zu einer kommen, wäre es aber vermutlich wohl eine der Kategorie «Exotisch». Tierschützer, Hardcore-Christen oder Homöopathie-Anhänger: Es gibt viele Philosophien, die dazu anregen, sich in eine Majorzwahl zu werfen. Es kostet nicht viel (wenn man keinen teuren Wahlkampf betreibt), bringt aber Publizität für die eigene Sache.

Einige Highlights

Uzwilerin mit begrenzter Lebenserwartung

Das Schicksal von Beatrice Weiss: «Ohne Selbstschutz kann die Menschheit richtig grässlich sein»

am 11. Mär 2024
Im Gespräch mit Martina Hingis

«…und das als Frau. Und man verdient auch noch Geld damit»

am 19. Jun 2022
Das grosse Gespräch

Bauernpräsident Ritter: «Es gibt sicher auch schöne Journalisten»

am 15. Jun 2024
Eine Analyse zur aktuellen Lage

Die Schweiz am Abgrund? Wie steigende Fixkosten das Haushaltbudget durcheinanderwirbeln

am 04. Apr 2024
DG: DG: Politik

«Die» Wirtschaft gibt es nicht

am 03. Sep 2024
Gastkommentar

Kein Asyl- und Bleiberecht für Kriminelle: Null-Toleranz-Strategie zur Sicherheit der Schweiz

am 18. Jul 2024
Gastkommentar

Falsche Berechnungen zu den AHV-Finanzen: Soll die Abstimmung zum Frauenrentenalter wiederholt werden?

am 15. Aug 2024
Gastkommentar

Grenze schützen – illegale Migration verhindern

am 17. Jul 2024
Sensibilisierung ja, aber…

Nach Entführungsversuchen in der Ostschweiz: Wie Facebook und Eltern die Polizeiarbeit erschweren können

am 05. Jul 2024
Pitbull vs. Malteser

Nach dem tödlichen Übergriff auf einen Pitbull in St.Gallen: Welche Folgen hat die Selbstjustiz?

am 26. Jun 2024
Politik mit Tarnkappe

Sie wollen die angebliche Unterwanderung der Gesellschaft in der Ostschweiz verhindern

am 24. Jun 2024
Paralympische Spiele in Paris Ende August

Para-Rollstuhlfahrerin Catherine Debrunner sagt: «Für ein reiches Land hinkt die Schweiz in vielen Bereichen noch weit hinterher»

am 24. Jun 2024
Politik extrem

Paradox: Mit Gewaltrhetorik für eine humanere Gesellschaft

am 10. Jun 2024
Das grosse Bundesratsinterview zur Schuldenbremse

«Rechtswidrig und teuer»: Bundesrätin Karin Keller-Sutter warnt Parlament vor Verfassungsbruch

am 27. Mai 2024
Eindrucksvolle Ausbildung

Der Gossauer Nicola Damann würde als Gardist für den Papst sein Leben riskieren: «Unser Heiliger Vater schätzt unsere Arbeit sehr»

am 24. Mai 2024
Zahlen am Beispiel Thurgau

Asylchaos im Durchschnittskanton

am 29. Apr 2024
Interview mit dem St.Galler SP-Regierungsrat

Fredy Fässler: «Ja, ich trage einige Geheimnisse mit mir herum»

am 01. Mai 2024
Nach frühem Rücktritt: Wird man zur «lame duck»?

Exklusivinterview mit Regierungsrat Kölliker: «Der Krebs hat mir aufgezeigt, dass die Situation nicht gesund ist»

am 29. Feb 2024
Die Säntis-Vermarktung

Jakob Gülünay: Weshalb die Ostschweiz mehr zusammenarbeiten sollte und ob dereinst Massen von Chinesen auf dem Säntis sind

am 20. Apr 2024
Neues Buch «Nichts gegen eine Million»

Die Ostschweizerin ist einem perfiden Online-Betrug zum Opfer gefallen – und verlor dabei fast eine Million Franken

am 08. Apr 2024
Gastkommentar

Weltweite Zunahme der Christenverfolgung

am 29. Mär 2024
Aktionswoche bis 17. März

Michel Sutter war abhängig und kriminell: «Ich wollte ein netter Einbrecher sein und klaute nie aus Privathäusern»

am 12. Mär 2024
Teuerung und Armut

Familienvater in Geldnot: «Wir können einige Tage fasten, doch die Angst vor offenen Rechnungen ist am schlimmsten»

am 24. Feb 2024
Naomi Eigenmann

Sexueller Missbrauch: Wie diese Rheintalerin ihr Erlebtes verarbeitet und anderen Opfern helfen will

am 02. Dez 2023
Best of 2023 | Meine Person des Jahres

Die heilige Franziska?

am 26. Dez 2023
Treffen mit Publizist Konrad Hummler

«Das Verschwinden des ‘Nebelspalters’ wäre für einige Journalisten das Schönste, was passieren könnte»

am 14. Sep 2023
Neurofeedback-Therapeutin Anja Hussong

«Eine Hirnhälfte in den Händen zu halten, ist ein sehr besonderes Gefühl»

am 03. Nov 2023
Die 20-jährige Alina Granwehr

Die Spitze im Visier - Wird diese Tennisspielerin dereinst so erfolgreich wie Martina Hingis?

am 05. Okt 2023
Podcast mit Stephanie Stadelmann

«Es ging lange, bis ich das Lachen wieder gefunden habe»

am 22. Dez 2022
Playboy-Model Salomé Lüthy

«Mein Freund steht zu 100% hinter mir»

am 09. Nov 2022
Neue Formen des Zusammenlebens

Architektin Regula Geisser: «Der Mensch wäre eigentlich für Mehrfamilienhäuser geschaffen»

am 01. Jan 2024
Podcast mit Marco Schwinger

Der Kampf zurück ins Leben

am 14. Nov 2022
Hanspeter Krüsi im Podcast

«In meinem Beruf gibt es leider nicht viele freudige Ereignisse»

am 12. Okt 2022
Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist freischaffender Journalist.

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.