Die Entscheidung der Delegierten steht noch aus, aber der Wunsch der Parteileitung ist einstimmig: Wie von «Die Ostschweiz» prognostiziert, soll Kantonsrätin Susanne Vincenz-Stauffacher den Sitz der St.Galler FDP im Ständerat retten. Ein Gegner steht mit Benedikt Würth (CVP) schon so gut wie fest.
«Die Ostschweiz» hat es vorausgesagt, nun ist es offiziell: Susanne Vincenz-Stauffacher steht bereit, um die Nachfolge von Karin Keller-Sutter im Ständerat anzutreten. Die Parteileitung schlägt die 51-jährige Kantonsrätin aus Abtwil einstimmig zur Nomination vor. Die FDP-Delegierten entscheiden am 20. Dezember offiziell.
Damit erfüllt die FDP den vielfachen Wunsch nach einer Frauenkandidatur. Und Vincenz-Stauffacher wäre nicht die erste St.Galler FDP-Ständerätin. Vor Keller-Sutter sass mit Erika Forster bereits einmal eine freisinnige Frau in der kleinen Kammer.
Susanne Vincenz-Stauffacher führt seit 1993 als Rechtsanwältin und öffentliche Notarin eine Kanzlei in St.Gallen.
Von der FDP-Parteileitung wird sie als «Vertreterin des privaten Sektors» bezeichnet. Das dürfte auch ein leichter Seitenhieb Richtung CVP sein, deren (wahrscheinlicher) Kandidat Benedikt Würth seit vielen Jahren ausschliesslich für die öffentliche Hand tätig ist - als Gemeindepräsident und heute als Regierungsrat.
Die Abtwilerin, die vor wenigen Monaten ins Kantonsparlament nachgerückt ist, hat daneben verschiedene Tätigkeiten inne. Sie ist Ombudsfrau «Alter und Behinderung» der Kantone St.Gallen und beider Appenzell und Präsidentin der Stiftung Opferhilfe SG-AR-AI. Im ehrenamtlichen Bereich war sie im Bildungsbereich und für die Spitex aktiv, und bis 2014 kannte man sie als Präsidentin der Frauenzentrale St.Gallen.
Auch parteiintern hat sie sich bereits in mehreren Funktionen engagiert, so in der kantonalen Parteileitung und ab dem Jahr 2000 als Vizepräsidentin der Kantonalpartei. Dazu kommt die Arbeit in der Ortspartei, unter anderem als erste Präsidentin der fusionierten FDP-Ortspartei Gaiserwald.
Die zweifache Mutter will sich - aus eigener Erfahrung - neben Themen aus Bildung und Wirtschaft besonders für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzen.
Die FDP-Parteileitung scheint von der Kandidatur restlos überzeugt, das Votum für Susanne Vincenz-Stauffacher fiel einstimmig. Die Rechtsanwältin und Kantonsrätin bringe «den gewünschten beruflichen, politischen und privaten Erfahrungsschatz für dieses anspruchsvolle Amt mit», so Kantonalpräsident Raphael Frei.
Der Faktor «Frau» wird in der Erklärung ebenfalls hoch gewichtet. Aufgrund diverser angekündigter Rücktritte von Ständerätinnen laufe das Gremium Gefahr, nach den Wahlen 2019 kaum mehr Frauen in seiner Mitte zu haben. Einer der beiden St.Galler Ständeräte sei über lange Zeit stets in Frauenhand gewesen, und das solle so bleiben.
Gehandelt als Ständeratskandidat wurde im Vorfeld auch der FDP-Nationalrat Marcel Dobler. Dieser habe sich nach Gesprächen mit Familie und Umfeld aber dagegen entschieden - und er stelle sich nun überzeugt hinter die Kandidatur von Vincenz-Stauffacher.
Am 15. Dezember nominiert die CVP für die Wahl vom 10. März 2019 - und mit Sicherheit wird die Wahl dabei auf Regierungsrat Benedikt Würth fallen. Fünf Tage später sind die Delegierten der FDP an der Reihe. Auch wenn sich theoretisch dann weitere Kandidaten melden können, kann als gesichert gelten, dass es Susanne Vincenz-Stauffacher ist, die den Sitz der neugewählten Bundesrätin für die FDP halten soll.
Stefan Millius (*1972) ist freischaffender Journalist.
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