logo

Ständeratswahlen

«Für Würth bleiben nicht mehr als 30% übrig»

Die SVP tritt bei den Ständeratswahlen mit Mike Egger an. Das «Tagblatt» kommentiert dies als «Armutszeugnis für die SVP» und spricht von Absagen von aussichtsreicheren Kandidaten wie Esther Friedli oder Roland Rino Büchel. Was davon zu halten ist, erklärt SVP-Nationalrat Büchel im Interview.

Marcel Baumgartner am 04. Januar 2019
  • Die SVP tritt bei den Ständeratswahlen in St. Gallen voraussichtlich mit Mike Egger und in Zürich mit Roger Köppel an.

Roland Rino Büchel, offenbar will Ihre Partei nicht in den Ständerat, sondern einfach die SVP-Positionen promoten. Wenn die SVP es wirklich ernst nähme, müssten entweder Sie, Regierungsrat Kölliker oder Esther Friedli antreten. Das «Tagblatt» nannte die Egger-Kandidatur gar ein «Armutszeugnis» für die SVP.

Sowohl in Zürich als auch in St. Gallen entscheidet die Delegiertenversammlung, wer auf das Ticket kommt. Zu Zürich: Ich weiss nicht, wer neben den beiden Nationalräten Roger Köppel und Fredi Heer noch Ambitionen auf einen Sitz im Stöckli hat. Bei uns fällt der Entscheid am 9. Januar 2019 in Sevelen. Dort wird es keine grosse Opposition gegen Mike Eggers Nomination durch den Kantonalvorstand geben.

Glauben Sie wirklich, dass ein 26-jähriger Mann in St. Gallen Chancen auf einen Sitz im Ständerat hat?

Warum nicht? «Die Ostschweiz» hat am 2. Januar eine interessante Rechnung präsentiert*. Würth von der CVP erreicht demnach 45 %, Egger von der SVP 30 %, Vincenz von der FDP 20 % und Ziltener von den Grünen noch 5 %. Ich sehe es ziemlich anders.

Und wie?

Ein Kandidat der SVP muss bei dieser Konstellation im ersten Wahlgang mehr als 40 Prozent schaffen. Bei einem Wähleranteil von 36 % braucht es dafür nicht allzu viele zusätzliche Stimmen. Die FDP-Vertreterin wird die 20-Prozent-Hürde überspringen. Sie wird ja auch von den Grünliberalen unterstützt. Der Kandidat der Grünen kann auch auf etwa 10 % kommen. Da bleiben für Würth nicht mehr als 30 % übrig.

Für Sie macht die SVP im ersten Wahlgang demnach das beste Resultat?

Ja, alles andere müsste als Niederlage verbucht werden.

Stünden die Chancen nicht besser, wenn die SVP mit Esther Friedli oder Ihnen ins Rennen stiege?

Möglicherweise, aber wir stehen nicht zur Verfügung. Und zwar unabhängig davon, dass einmal geschrieben und dann immer wieder abgeschrieben wurde, dass wir beide interessiert seien. Damit es klar ist: Das ist ganz einfach falsch. Ich habe nie mein Interesse signalisiert, bei diesen Wahlen anzutreten.

Warum nicht?

Neben der «normalen» Aufgabe als Nationalrat habe ich mich kürzlich verpflichtet, mich in den kommenden Monaten auf verschiedenen Ebenen intensiv in die Thematik der Wettkampfmanipulation und der illegalen Sportwetten hineinzuknien. Leider ist die Schweiz als Sitz der bedeutendsten Weltsportverbände mitten drin in diesem üblen Spiel. Wenn wir jetzt nicht dezidiert handeln, laufen wir in ein unkontrollierbares Desaster hinein. Darum: Ich habe in den nächsten Monaten schlicht nicht die Zeit, vier Wahlkämpfe seriös zu bestreiten.

Zurück zu den Antretenden: Im Mai gibt es aller Voraussicht nach einen zweiten Wahlgang. Wird die SVP nicht einmal mehr chancenlos bleiben?

Wieso? Wenn die FDP auf ein bekanntes Pferd umsattelt, zum Beispiel auf Nationalrat Marcel Dobler, dann kann sie ihren Stimmenanteil beträchtlich erhöhen. Ich bin überzeugt: Die Partei wird kämpfen; sie hat immerhin den Sitz von Karin Keller-Sutter zu verteidigen.

Wenn die FDP auf den Mai hin zulegt, dann wohl zu Lasten der SVP.

Das ist nicht auszuschliessen. Genau dann käme es zu einem hochinteressanten Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der SVP, der CVP und der FDP. Und zwar mit absolut offenem Ausgang. Im zweiten Wahlgang können 35 bis 40 % sehr wohl reichen, um den Sitz zu holen. Vor allem dann, wenn die Grünen zu jenem zweiten Wahlgang noch einmal antreten.

*Zur Klärung: «Die Ostschweiz» hat in ihrer Analyse nicht versucht, das Resultat des 1. Wahlgangs zu prognostizieren. Die bewussten Prozentzahlen sollen nur die allgemeinen Chancen auf den Gewinn des Ständeratssitzes ausdrücken.

Mike Egger

Mike Egger umringt von SVP-Parteipräsident Walter Gartmann, Esther Friedli und Toni Brunner. (Bild: Instagram)

Einige Highlights

Uzwilerin mit begrenzter Lebenserwartung

Das Schicksal von Beatrice Weiss: «Ohne Selbstschutz kann die Menschheit richtig grässlich sein»

am 11. Mär 2024
Im Gespräch mit Martina Hingis

«…und das als Frau. Und man verdient auch noch Geld damit»

am 19. Jun 2022
Das grosse Gespräch

Bauernpräsident Ritter: «Es gibt sicher auch schöne Journalisten»

am 15. Jun 2024
Eine Analyse zur aktuellen Lage

Die Schweiz am Abgrund? Wie steigende Fixkosten das Haushaltbudget durcheinanderwirbeln

am 04. Apr 2024
DG: DG: Politik

«Die» Wirtschaft gibt es nicht

am 03. Sep 2024
Gastkommentar

Kein Asyl- und Bleiberecht für Kriminelle: Null-Toleranz-Strategie zur Sicherheit der Schweiz

am 18. Jul 2024
Gastkommentar

Falsche Berechnungen zu den AHV-Finanzen: Soll die Abstimmung zum Frauenrentenalter wiederholt werden?

am 15. Aug 2024
Gastkommentar

Grenze schützen – illegale Migration verhindern

am 17. Jul 2024
Sensibilisierung ja, aber…

Nach Entführungsversuchen in der Ostschweiz: Wie Facebook und Eltern die Polizeiarbeit erschweren können

am 05. Jul 2024
Pitbull vs. Malteser

Nach dem tödlichen Übergriff auf einen Pitbull in St.Gallen: Welche Folgen hat die Selbstjustiz?

am 26. Jun 2024
Politik mit Tarnkappe

Sie wollen die angebliche Unterwanderung der Gesellschaft in der Ostschweiz verhindern

am 24. Jun 2024
Paralympische Spiele in Paris Ende August

Para-Rollstuhlfahrerin Catherine Debrunner sagt: «Für ein reiches Land hinkt die Schweiz in vielen Bereichen noch weit hinterher»

am 24. Jun 2024
Politik extrem

Paradox: Mit Gewaltrhetorik für eine humanere Gesellschaft

am 10. Jun 2024
Das grosse Bundesratsinterview zur Schuldenbremse

«Rechtswidrig und teuer»: Bundesrätin Karin Keller-Sutter warnt Parlament vor Verfassungsbruch

am 27. Mai 2024
Eindrucksvolle Ausbildung

Der Gossauer Nicola Damann würde als Gardist für den Papst sein Leben riskieren: «Unser Heiliger Vater schätzt unsere Arbeit sehr»

am 24. Mai 2024
Zahlen am Beispiel Thurgau

Asylchaos im Durchschnittskanton

am 29. Apr 2024
Interview mit dem St.Galler SP-Regierungsrat

Fredy Fässler: «Ja, ich trage einige Geheimnisse mit mir herum»

am 01. Mai 2024
Nach frühem Rücktritt: Wird man zur «lame duck»?

Exklusivinterview mit Regierungsrat Kölliker: «Der Krebs hat mir aufgezeigt, dass die Situation nicht gesund ist»

am 29. Feb 2024
Die Säntis-Vermarktung

Jakob Gülünay: Weshalb die Ostschweiz mehr zusammenarbeiten sollte und ob dereinst Massen von Chinesen auf dem Säntis sind

am 20. Apr 2024
Neues Buch «Nichts gegen eine Million»

Die Ostschweizerin ist einem perfiden Online-Betrug zum Opfer gefallen – und verlor dabei fast eine Million Franken

am 08. Apr 2024
Gastkommentar

Weltweite Zunahme der Christenverfolgung

am 29. Mär 2024
Aktionswoche bis 17. März

Michel Sutter war abhängig und kriminell: «Ich wollte ein netter Einbrecher sein und klaute nie aus Privathäusern»

am 12. Mär 2024
Teuerung und Armut

Familienvater in Geldnot: «Wir können einige Tage fasten, doch die Angst vor offenen Rechnungen ist am schlimmsten»

am 24. Feb 2024
Naomi Eigenmann

Sexueller Missbrauch: Wie diese Rheintalerin ihr Erlebtes verarbeitet und anderen Opfern helfen will

am 02. Dez 2023
Best of 2023 | Meine Person des Jahres

Die heilige Franziska?

am 26. Dez 2023
Treffen mit Publizist Konrad Hummler

«Das Verschwinden des ‘Nebelspalters’ wäre für einige Journalisten das Schönste, was passieren könnte»

am 14. Sep 2023
Neurofeedback-Therapeutin Anja Hussong

«Eine Hirnhälfte in den Händen zu halten, ist ein sehr besonderes Gefühl»

am 03. Nov 2023
Die 20-jährige Alina Granwehr

Die Spitze im Visier - Wird diese Tennisspielerin dereinst so erfolgreich wie Martina Hingis?

am 05. Okt 2023
Podcast mit Stephanie Stadelmann

«Es ging lange, bis ich das Lachen wieder gefunden habe»

am 22. Dez 2022
Playboy-Model Salomé Lüthy

«Mein Freund steht zu 100% hinter mir»

am 09. Nov 2022
Neue Formen des Zusammenlebens

Architektin Regula Geisser: «Der Mensch wäre eigentlich für Mehrfamilienhäuser geschaffen»

am 01. Jan 2024
Podcast mit Marco Schwinger

Der Kampf zurück ins Leben

am 14. Nov 2022
Hanspeter Krüsi im Podcast

«In meinem Beruf gibt es leider nicht viele freudige Ereignisse»

am 12. Okt 2022
Stölzle /  Brányik
Autor/in
Marcel Baumgartner

Marcel Baumgartner (*1979) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.