Mike Egger umringt von SVP-Parteipräsident Walter Gartmann, Esther Friedli und Toni Brunner. (Bild: Instagram)
Die SVP tritt bei den Ständeratswahlen mit Mike Egger an. Das «Tagblatt» kommentiert dies als «Armutszeugnis für die SVP» und spricht von Absagen von aussichtsreicheren Kandidaten wie Esther Friedli oder Roland Rino Büchel. Was davon zu halten ist, erklärt SVP-Nationalrat Büchel im Interview.
Roland Rino Büchel, offenbar will Ihre Partei nicht in den Ständerat, sondern einfach die SVP-Positionen promoten. Wenn die SVP es wirklich ernst nähme, müssten entweder Sie, Regierungsrat Kölliker oder Esther Friedli antreten. Das «Tagblatt» nannte die Egger-Kandidatur gar ein «Armutszeugnis» für die SVP.
Sowohl in Zürich als auch in St. Gallen entscheidet die Delegiertenversammlung, wer auf das Ticket kommt. Zu Zürich: Ich weiss nicht, wer neben den beiden Nationalräten Roger Köppel und Fredi Heer noch Ambitionen auf einen Sitz im Stöckli hat. Bei uns fällt der Entscheid am 9. Januar 2019 in Sevelen. Dort wird es keine grosse Opposition gegen Mike Eggers Nomination durch den Kantonalvorstand geben.
Glauben Sie wirklich, dass ein 26-jähriger Mann in St. Gallen Chancen auf einen Sitz im Ständerat hat?
Warum nicht? «Die Ostschweiz» hat am 2. Januar eine interessante Rechnung präsentiert*. Würth von der CVP erreicht demnach 45 %, Egger von der SVP 30 %, Vincenz von der FDP 20 % und Ziltener von den Grünen noch 5 %. Ich sehe es ziemlich anders.
Und wie?
Ein Kandidat der SVP muss bei dieser Konstellation im ersten Wahlgang mehr als 40 Prozent schaffen. Bei einem Wähleranteil von 36 % braucht es dafür nicht allzu viele zusätzliche Stimmen. Die FDP-Vertreterin wird die 20-Prozent-Hürde überspringen. Sie wird ja auch von den Grünliberalen unterstützt. Der Kandidat der Grünen kann auch auf etwa 10 % kommen. Da bleiben für Würth nicht mehr als 30 % übrig.
Für Sie macht die SVP im ersten Wahlgang demnach das beste Resultat?
Ja, alles andere müsste als Niederlage verbucht werden.
Stünden die Chancen nicht besser, wenn die SVP mit Esther Friedli oder Ihnen ins Rennen stiege?
Möglicherweise, aber wir stehen nicht zur Verfügung. Und zwar unabhängig davon, dass einmal geschrieben und dann immer wieder abgeschrieben wurde, dass wir beide interessiert seien. Damit es klar ist: Das ist ganz einfach falsch. Ich habe nie mein Interesse signalisiert, bei diesen Wahlen anzutreten.
Warum nicht?
Neben der «normalen» Aufgabe als Nationalrat habe ich mich kürzlich verpflichtet, mich in den kommenden Monaten auf verschiedenen Ebenen intensiv in die Thematik der Wettkampfmanipulation und der illegalen Sportwetten hineinzuknien. Leider ist die Schweiz als Sitz der bedeutendsten Weltsportverbände mitten drin in diesem üblen Spiel. Wenn wir jetzt nicht dezidiert handeln, laufen wir in ein unkontrollierbares Desaster hinein. Darum: Ich habe in den nächsten Monaten schlicht nicht die Zeit, vier Wahlkämpfe seriös zu bestreiten.
Zurück zu den Antretenden: Im Mai gibt es aller Voraussicht nach einen zweiten Wahlgang. Wird die SVP nicht einmal mehr chancenlos bleiben?
Wieso? Wenn die FDP auf ein bekanntes Pferd umsattelt, zum Beispiel auf Nationalrat Marcel Dobler, dann kann sie ihren Stimmenanteil beträchtlich erhöhen. Ich bin überzeugt: Die Partei wird kämpfen; sie hat immerhin den Sitz von Karin Keller-Sutter zu verteidigen.
Wenn die FDP auf den Mai hin zulegt, dann wohl zu Lasten der SVP.
Das ist nicht auszuschliessen. Genau dann käme es zu einem hochinteressanten Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der SVP, der CVP und der FDP. Und zwar mit absolut offenem Ausgang. Im zweiten Wahlgang können 35 bis 40 % sehr wohl reichen, um den Sitz zu holen. Vor allem dann, wenn die Grünen zu jenem zweiten Wahlgang noch einmal antreten.
*Zur Klärung: «Die Ostschweiz» hat in ihrer Analyse nicht versucht, das Resultat des 1. Wahlgangs zu prognostizieren. Die bewussten Prozentzahlen sollen nur die allgemeinen Chancen auf den Gewinn des Ständeratssitzes ausdrücken.
Mike Egger umringt von SVP-Parteipräsident Walter Gartmann, Esther Friedli und Toni Brunner. (Bild: Instagram)
Marcel Baumgartner (*1979) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».
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