Tritt sie an oder nicht? Die FDP-Ständerätin hält sich bedeckt. Entgegen früherer Aussagen schliesst sie eine Kandidatur aber nicht mehr kategorisch aus.
Es ist acht Jahre her, seit die St.Gallerin Karin Keller-Sutter die bisher grösste Niederlage in Ihrer Politkarriere einstecken musste.
Bei den Ersatzwahlen für den zurückgetretenen Bundesrat Hans-Rudolf Merz unterlag sie Johann Schneider-Ammann. Ausgerechnet jenem Politiker, der sie in den vergangenen Monaten für seine Nachfolge in Stellung gebracht hat.
Karin Keller-Sutter hat in den letzten Jahren stets bekundet, dass mit jener Kandidatur das Kapitel «Bundesrat» für sie abgeschlossen sei.
Aktuell stellt sich natürlich die Frage: Hat diese Aussage heute noch Gültigkeit?
Dass sie als Kronfavoritin gehandelt wird, dürfte einen grossen Ausschlag geben. Die Tür zum Bundesratsamt scheint weit offen.
Nur: Karin Keller-Sutter hat sich in ihrer politischen Karriere nie auf Waagnisse eingelassen. Sie dürfte aktuell genau ausrechnen, wie hoch die Chancen effektiv stehen und wer ihr allenfalls zum erneuten Stolperstein werden könnte.
Zusammen mit ihrem Beraterteam wird sie in den nächsten Tagen und Wochen unzählige Gespräche führen und analysieren, aus welchen Ecken die notwendigen Stimmen kommen. Ebenso entscheidend wird sein, wer auf einem allfälligen Zweierticket aufgeführt wird. Einen zweiten Fall «Schneider-Ammann» will die Ostschweizerin nicht erleben.
Ganz die gewiefte Strategin hält sie sich derzeit bedeckt. Statements, die eine klare Stossrichtung andeuten, gibt es keine. Interviews schon gar nicht.
Auf Anfrage von «Die Ostschweiz» erklärt Karin Keller-Sutter: «Die FDP Schweiz hat am Mittwoch an einer Medienkonferenz über das weitere Vorgehen informiert. In Kenntnis des Verfahrens und der Fristen werde ich in den nächsten Wochen Gespräche mit meiner Familie und meinem Umfeld führen. Den Entscheid werde ich zu gegebener Zeit kommunizieren.»
Eine Aussage, die man interpretieren kann, wie man will. Sicher ist: Karin Keller-Sutter schliesst inzwischen eine Kandidatur nicht mehr kategorisch aus.
Marcel Baumgartner (*1979) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».
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