Einzigartig. Das BrüW an der Torstrasse 25 will so gar nicht nach St.Gallen passen. Und passt gerade deshalb so gut. Ein Muss für Abtaucher und Eintaucher und – sehr wichtig – Bierliebhaber. (Bild: Daniel Ammann)
Die besten Bartipps? Gibts von Locals. Einer, der die Szene bestens kennt, ist Philipp Sennhauser. Dass er Leiter der Verkehrspolizei beim Kanton St.Gallen ist, macht die Sache doppelt spannend. Mit ihm geht es auf Tour durch St.Gallen. An einem herrlichen Donnerstagabend.
20.30 Uhr - Blumenmarkt
«Wer will heute noch Politiker werden?» Keine fünf Minuten nach Treffpunkt sind wir bei den grossen Fragen aus dem Gestern, im Heute. Der bestellte Gin Tonic noch nicht mal platziert. Ein Hallo hier, eins da. Man kennt sich. Das ist typisch St.Gallen. Und typisch Philipp. Wach sein Blick; cool mit den Jungs, den Ladys ein gutes Gefühl verleihend. Die Situation im Griff. Die Politik bringt uns über Olma, Fischzucht, Stadtentwicklungsprojekte, Kreisläufe und Geschichtsschreibung zu Netflix, der neuen Serie, die, wie der Fotograf findet, crazy ist. «Wen ich hier treffe?» Die Antwort kommt rasch: «Brave Männer.» Irgendwie sagt das viel aus über den Blumenmarkt. Ein bisschen urban ist es hier. Transparent, offen. Kein Ort für ein Date. Viel zu hell. Passender eher für schöne Post-Arbeits-Apéros, den Kaffee am Samstagmorgen, den Gin Tonic vor dem Ausgang. Dieser steht mittlerweile auf dem Tisch. Und passt. Weil er peppt. Das soll er. Die Nacht ist jung. Und wie war das noch mal mit den braven Männern? Witzig, geistreich, sprudelnd, die Diskussion zu diesem und den anderen Themen. Leer einzig der Gin Tonic. Wollen wir weiter? www.blumenmarktbar.ch
21.45 Uhr - BrüW Brewpub
«Absolut nicht St.Gallen.» So fühlt sich das an. Die Einrichtung? Nicht St.Gallen. Die Menschen? Irgendwie auch nicht St.Gallen. Berlin Mitte? Nein. St.Gallen. Eben doch. Es kann auch so. Frisch, innovativ, anders. Und welches Bier solls sein? «Ein Süsses.» Das Kornhausbräu Honig schaffts auf den Tisch. Später ein zweites. An der Bar dann Kostproben, direkt aus den Zapfhähnen. Kein Bier wie das andere, hier, am Ort, wo früher Piercings gestochen wurden. Dass Philipp bei der Eröffnung hier war, erstaunt wenig. Auch hier kennt man sich. Wir treffen auf interessante Gesprächspartner. Rede- und Interaktionstempo bleiben hoch. Ping. Pong. Alles mit dabei. «Wir sind im Himmel.» Scheinbar aus dem Nichts kommt dieser Satz. Und er ist so richtig. «Welches Bier war jetzt Favorit? Die 7?» Und wie war nochmals die Story, damals, in London? Mit dem letzten Schluck im BrüW poppt ein bisschen Lokalstolz auf: «Bier können wir.» Und wohin jetzt? «In meine Lieblingsbar, das Lunaris.»
Einzigartig. Das BrüW an der Torstrasse 25 will so gar nicht nach St.Gallen passen. Und passt gerade deshalb so gut. Ein Muss für Abtaucher und Eintaucher und – sehr wichtig – Bierliebhaber. (Bild: Daniel Ammann)
23.10 Uhr - Lunaris
«Hallo, Philipp, alles gut?» Was für ein schönes Eintauchen. Sich wohlfühlen ab der ersten Minute. Ein (der beste) Platz am Fenster ist frei. Wir bestellen Old-Fashioneds. Meist verkaufter Cocktail der Welt. Erinnerungsdrink. Philipp kommt ins Schwärmen. Über die Erinnerung. Und vor allem über diesen Ort, den man klonen müsste. «Stunden habe ich hier verbracht. Tage.» Es ist ein Ort, der glücklich macht. Ein bisschen New York in St.Gallen. Absolute Genussbar. Bar für die Zigarre, den Whiskey, den Rum. «Meine Laster.» Was die Bar so besonders macht? «Der Alltag bleibt draussen.» Stimmiger Genuss trifft auf gepflegte Atmosphäre und gute Gespräche. Zum Beispiel auch mit dem Mann hinter der Bar, der mal Banker war und jedes, wirklich jedes Produkt in seiner kleinen, grossen Bar kennt. Wie auch jeden Gast. «Ich fühle mich so richtig willkommen.» Stiller, beinahe nachdenklich. Zum ersten Mal an diesem Abend schweift der Blick ab. Um im nächsten Moment glasklar zurück zu sein. «Gehen wir noch ins Süd?» www.lunarisbar.ch
Die Lunaris Chillout Bar an der Augustinergasse 26 versprüht einen Hauch New York. In dieser kleinen Oase ist man Gast wie kaum an einem zweiten Ort in St.Gallen. Das Glück zum Greifen nah.
00.15 Uhr - Südbar
Grad noch im Chill-Modus – jetzt in der Happy-Spass-Bar. Die Musik ist laut. Der Drink bunt. Die Stimmung: unbeschwert. Wer noch einen letzten Funken All-tagssorgen mit ins Süd gebracht hat, ist diesen spätestens jetzt los. Ein Zweiergespräch? Chancenlos. Das «Ich versteh dich kaum», lässt sich nur von den Lippen ablesen. Wir nippen am Drink und lassen es plätschern. Für einen Mini-Moment. Schon sind wir wieder in ein Gespräch verwickelt. «Bist du nicht Polizist?» Der DJ gibt Gas. Erstaunlich, was sich bei dieser Lautstärke alles diskutieren lässt. Wir landen in der Primarschule, im Aussenquartier, binden Bären auf und wieder ab. Und wollen mit künstlicher Intelligenz den Marktplatz retten.
Letzte Runde. «Wie? Schon so spät?» Welt und Marktplatz sind noch nicht fertig gerettet. «Eins weiter?» … www.suedbar.ch
Die Südbar am Oberer Graben 3 steckt an wie der Happy-Song von Pharrell Williams. Untertags trifft man sich zu Kaffee und Kuchen; am Abend zum unbeschwerten Eintauchen in die Nacht.
01.10 Uhr
Die Vernunft hat gesiegt. Drücker. Tschüss. Danke. Läss wars. Viel zu kurz. Bald wieder. Und dann klären wir das mit den Politikern, den Grossstadtsehnsüchten, den «braven Männern» und all die anderen grossen Fragen.
*Dieser Artikel wurde erstmals in der Juni-Ausgabe von «612, dem Guide-Magazin von St.Gallen-Bodensee Tourismus» publiziert
Sibylle Jung ist Inhaberin der Agentur Pur Kommunikation AG in St.Gallen. Die Unternehmerin liebt europäische Städte, Boston, gutes Essen, ebensolche Weine. Gute Gesellschaft, den tiefgründigen Austausch. Und St.Gallen. Zusammen mit ihrem Team hat sie die Projektidee «612», ein Guide-Magazin für St.Gallen, in die Realität umgesetzt.
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