Die Türklingeln sind komplett in Schwarz getaucht.
Mit einem Vorstoss hat der St.Galler Kantonsrat Walter Locher (FDP) die Klimastreik-Aktivitäten von Jugendlichen kritisch hinterfragt. Nun wurde die Fassade seiner Anwaltskanzlei im Museumsquartier verschmiert. Die Polizei wird prüfen müssen, ob ein Zusammenhang besteht.
In der Nacht auf Freitag, 18. Januar wurden die Gebäudefassade, das Firmenschild und die Türklingeln zur Kanzlei des St.Galler Anwalts Walter Locher mit schwarzer Farbe grossflächig versprayt.
Locher steht derzeit im Fokus, weil er als FDP-Kantonsrat kritische Fragen an die Regierung zum «Klimastreik» von Kantonsschülern gestellt hatte. Bereits vor der Spray-Attacke habe er zahlreiche Briefe und E-Mails aufgrund seines Vorstosses erhalten, in denen dieser kritisiert wird, so Locher gegenüber «Die Ostschweiz».
Der Parlamentarier hatte Zusammenhang mit den Demonstrationen die Frage aufgeworfen, ob man hier von einer politischen Instrumentalisierung der Schülerschaft sprechen könne. Denn unter den treibenden Kräften der Aktivitäten sind Vertreter von links-grünen Jungparteien. Auch die nun getroffene Absenzenregelung hinterfragte Locher kritisch.
Das hat die Organisatoren des Klimastreiks verärgert. Und auch andere Seiten, so unter anderem die Jungen Grünen, die Vorwürfe an die «alten Anzugsträger» richten und die Locher als Person kritisieren.
Auch wenn es natürlich noch weitere politische Protagonisten gibt, welche die Klimastreiks argwöhnisch beobachten: Locher ist zum Sinnbild dieser Kritik geworden.
Die Türklingeln sind komplett in Schwarz getaucht.
Am Freitag ging die dritte Demonstration vom Stapel. Und noch in der Nacht davor statteten Unbekannte der Anwaltskanzlei von Locher einen Besuch ab - jedenfalls von aussen. Die Fassade des Gebäudes im Museumsquartier, in dem Lochers Anwaltskanzlei den Sitz hat, wurde versprayt, ebenfalls das Firmenschild und die Türklingeln. Entsprechend waren andere Mietparteien ebenfalls betroffen.
Der Kantonsrat stellt im Gespräch mit «Die Ostschweiz» klar, dass auch in diesem Fall die Unschuldsvermutung gelte. Er könne nicht mit Gewissheit sagen, wer dahintersteckt. Fakt sei aber: Das Haus mit seiner Kanzlei sei als einziges betroffen an der ganzen Strasse.
Die Polizei ist eingeschaltet, und auch ihr ist natürlich die Vorgeschichte bekannt. Es ist davon auszugehen, dass nun auch in diese Richtung ermittelt wird. Denn das zeitliche Zusammentreffen zwischen den Klimastreikaktivitäten, Lochers Vorstoss, der Hass-Post an seine Adresse und den Sprayereien ist zumindest sehr aussergewöhnlich.
Auch das Firmenschild zum Gebäude - in den noch weitere Dienstleister ihren Standort haben - wurde verschmiert.
Die benachbarten Gebäude an der Museumsstrasse blieben unbehelligt.
Stefan Millius (*1972) ist freischaffender Journalist.
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